Der Rothschildpark hat den Charme eines Überwachungsstaates

Insbesondere der südliche Teil des Parks ist unter ständiger Sichtkontrolle. Alle Eingänge zwischen den Häusern werden videoüberwacht. Der Rothschildpark ist ein Architektendenkmal. Mit ArchitektenGrün. Hausbegrünung Fehlanzeige.

Was gefällt mir dort nicht? Das Geordnete. Daß der Blick von Nord nach Süd, von Süd nach Nord, von West nach Ost, von Ost nach West durchgeht. Von überall sind die lauten Straßen zu sehen und zu hören. Der Blick auf die umliegende Bebauung ist von nahezu jeder Stelle möglich. Statt daß ein Park in Natur schwelgt, ist der Rothschildpark das Gegenteil – geworden. Durch Kahlschlag. Viel Grün ist seit 2010 weggeräumt. Vorher war mehr Dichte, mehr Grün, mehr Vögel, mehr Atmosphäre. Mehr Vertrautheit.

Bürgerbeteiligung war bei der Planung nicht erwünscht. Vom Architekten des Opernturms gab es Zahlen und etwas Geld. Es seien angeblich 3000 qm mehr Park geworden, dafür baute er 30 Meter höher. Das führt vor allem bei tief stehender Sonne im Winterhalbjahr zur Beschattung des nördlich davon liegenden Wohn-und Parkbereichs. Veränderungen des Mikroklimas ohne Bedenken.

Die Denkmalpflege hat arg zugeschlagen. Viele Eiben wurden vernichtet. Bei den verbliebenen wurde das Unterholz entfernt. Natürliches Wachstum wird im Rothschildpark nicht geduldet. Es wurden mindestens 25 Laubbäume und viele Büsche dauerhaft entfernt. Die neuen Bäume im Südtteil auf der Tiefgarage sind keine Pracht. Ob sie es werden? Es fehlen einheimische Büsche als Vogelschutzgehölze.

Kein Wildwuchs, kaum Wiesenblumen
Wildwuchs wird nicht geduldet, gehört nicht zum Konzept. Da wurden vor zwei Jahren um viele Büsche und Efeupflanzungen Karnickelzäune aufgestellt. Pfosten fielen gleich im ersten Winter um. Sie liegen seitdem genauso wie der Zaun verwahrlost da. Niemand räumt, niemand pflegt, niemand entfernt Pfosten und Zäune oder stellt sie wieder auf.

Der Rasen im Südteil ist Gras ohne Kräuter. Als seien Kräuter und Wiesenblumen denkmalfremd. Und nicht zu unseren Umweltproblemen passend. Wildbienen dürfen keine Blüten, kein Futter finden. Bienen sind natürlich, haben in einem Denkmal Rothschildpark nichts zu suchen. Wehe wenn die Samenguerilla Wildsamen verteilen würde. Das wäre ein Angriff. Die könnten den sterilen Rasen im Südteil versauen. Ein Staudenbeet, ein Bürgergarten in Teilen des Rothschildparkes angelegt – nicht mitgedacht – doch nicht undenkbar?

Staubige Wege
Wie ästhetisch glatt die Wegoberflächen sind. Für die viel benutzten Hauptwege ist das für trockene Füße gut. Doch alle Wegoberflächen sind gleich, es gibt nicht Wege unterschiedlicher Ordnung mit unterschiedlichen Oberflächen. Langweilig. Doch – es gibt ihn, den Trampelpfad, ein lebendiges Band durch die Wiese, außerhalb der Norm.

Kaum sind die Wege saniert, bilden sich mancherorts bei Regen Pfützen. Fehler im Wegebau. Die Stahlkante am Rand des Wegs läßt das Wasser nicht in die Wiese fließen. Sie ist dort zu hoch. Interessiert niemand. LKW`s verfestigen den Boden und bilden Furchen. Interessiert niemand. Ein Wiesenteil unter einem alten Baum mit großer Krone ist seit Monaten verfestigt und mit Schotter ergänzt. Soll das ein Dauerzustand im Gartendenkmal Rothschildpark sein?

Bei Hitze und Trockenheit verweht der Wind, der um die Hochhäuser kräftig ist, den Sand der Wege. Es gibt massive Staubwolken. Feinstaub interessiert das Grünflächenamt nicht. Büsche, Hecken und mehr Bäume könnten den Staub eindämmen und etwas binden. Das interessiert nicht.

Es gibt stattliche alte Bäume im alten, nördlichen Teil des Rothschildparks. Und zum Glück blieb ein schief gewachsener Baum stehen. Etwas Gebogenes, Natürliches. Schönes. Ein Blickfang, weil der Stamm nicht akkurat ist, weil er abweicht von der Schablone. Vom Architektendenkmal.

Doch wo sich ansonsten bei den Bäumen ein Ast nach unten neigt, rücken die Sägen an, um den Bäumen ein anderes Schema aufzuoktruieren. Sie sollen nicht frei wachsen, sie sollen in Form gezwungen werden. Eigenartig ist das mit dem Schema Denkmal.

Von Pflanzenvielfalt, Artenvielfalt bei den Staudenpflanzungen keine Spur. In den Rabatten wurden für Insekten unnütze Rhododendren (blühen im Mai und sind dann vorbei) und Hortensien gepflanzt.

Spielplatz beliebt
Die Aufenthaltsqualität ist für Kinder und Eltern im nördlichen Teil beim Spielplatz gut – außer dem Verkehrslärm vom Reuterweg. Kaum regnet es, versumpft der alte Teil des Spielplatzes. Für ältere Kinder ab 12 Jahren ist der Spielplatz verboten. Schöner Zug der Stadt gegenüber Jugendlichen, nicht wahr?

Die Aufenthaltsqualität ist auch für Erwachsene nur im alten nördlichen Teil des Parks vorhanden. Zum Beispiel bieten die Bänke am Hauptweg begehrte Plätze an der Sonne.

Fehlende Bänke
Doch im neuen südlichen Teil fehlt es an Qualität. Es fehlt an Bänken entlang der Bockenheimer Landstraße. Es fehlt an bequemen Bänken, solche mit Rückenlehnen. Alte Menschen brauchen auch die Seitenlehne, um besser aufstehen zu können. Es fehlt an Ruhe. Es fehlt an Unbeobachtetsein. Denn aus den Fenstern der Hochhäuser kann jede Person beobachtet werden. Das ist kein Park!

Die BHF-Bank überwacht sogar mit Kamera die umliegende Parkfläche. Die zwei Zugänge vom Reuterweg zwischen den Türmen sind auch fest im Blick von Kameras. Und die zugigen Zugänge zum Park sind mit holprigen Steinen belegt. Nicht barrierefrei und fußwegfreundlich.

Wie elend sich eine vergessene Dixi-Toilette am Parkeingang zwischen den Hochhäusern macht. Natürlich fehlt eine Toilette im Park. Im Bürgerinstitut im Rothschildpark, ein Haus mit vielen sozialen und kulturellen Angeboten, bietet sich auch ein Gang zur Toilette an.

Wie konnten zwei schreckliche, große, braune Kästen als Aus- und Eingänge für die Tiefgarage im südlichen Park genehmigt werden? Warum sind sie nicht aus Denkmalschutzgründen in die Hochhäuser integriert worden? Weshalb werden die Fassaden ringsum nicht wenigstens begrünt, so daß sie ganz verborgen sind und für Nistplätze für Vögel zur Verfügung stehen?

Was hat eigentlich der Bambus im Südteil mit Denkmalpflanzen zu tun? Weshalb wurde vor dem Hochhaus am Parkrand in diesem Sommer von einem Betonblock ein Wasserfall installiert? Völlig zusammenhanglos zu der Umgebung? Doch am Spielplatz einen Brunnen zu installieren, verweigerte das Grünflächenamt strikt. Wer hat im Park das Sagen? Die Bevölkerung jedenfalls nicht.

Statt weiterer Bäume und Büsche steht im Park im Sommer 2012 viele Monate Metallkunst herum. Wurde die Bevölkerung dazu gefragt? Nein.

Vom Nebbienschen Gartenhaus zum Rothschildpark werden im Sommer vom Grünflächenamt Spaziergänge zur Romantik angeboten. Weder die Liesel-Christ-Anlage mit der Hotelbaugrube noch der Rothschildpark bieten auch nur eine Spur von Romantik. Romantische stille, abgelegene Orte gibt es dort keine.

Der neugotische Turm ist sogar Zornobjekt: Graffiti, zerstörte Bodenstrahler, rausgerissene Pflastersteine. Hin und wieder wird das Graffiti übertüncht. Die anderen Zerstörungen bleiben lange.

Viele Gedanken zum Rothschildpark. Dem Rothschildpark fehlt der Zauber. Selbst bei dem Turm und dem Hügel will sich kein Zauber einstellen. Ein Gartendenkmal sollte zur Natur zurückkehren können.

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Eine Antwort zu “Der Rothschildpark hat den Charme eines Überwachungsstaates

  1. Heute wurden die MetallKunstwerke abtransportiert, die im Park rumstanden. Zusätzliche Bäume wären besser. Anmerkung: Es waren 25 Laubbäume, die abgeholzt worden waren. Die Nadelbäume hatte ich nicht gezählt.

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