Bunt sind schon die Wälder – HerbstSpaziergang im Botanischen Garten

Herbstfarben, Tiere, Buchenwald, Alpinum, Holzskulpturen, Autolärm, Grüne Soße, Ruderalpflanzen, Herbsttexte

Schwelgen in Gelb und Rot.

So möchte ich heute vom herbstlichen Spaziergang durch den Botanischen Garten schwärmen. Durchaus romantisch. Es ist mild und sonnig. Die vielen rotbraunen Eichhörnchen sind besonders eifrig beim Transport von Früchten für ihren Wintervorrat. Wird der Winter hart? Ein Eichelhäher hackt zwischen Laub und Gras am Wegrand. Gelb, orange und rot eingefärbte Bäume, Sträucher und Farne vor noch grünbelaubten Kronen bewundere ich. Malerisch. Je nach Art und Standort warten Buchen, Ahorn, Eichen und manche Büsche noch mit ihrer Farbkunst, sind noch grünbelaubt, sind zurückhaltend in ihrem Farbspiel. Die rot-gelben Töne vor grünem Grund erhöhen die Intensität des realen, noch nicht gemalten Bildes.

Der Buchenwald erfreut mit einer reichen Bodenvegetation. Ich fühle mich zurückversetzt in meine Kinderzeit, als wir im Offenbacher Stadtwald im schönen Hainbachtal neugierig und abenteuerlustig in ähnlichen WalderlebnisWelten bei Wind und Wetter unterwegs waren. Dort waren Kiefern im Mischwald mit grandioser Höhe. Solche Kiefern wachsen auch im Botanischen Garten. Es ist dicht im Wald im Untergehölz. Sämlinge von Hainbuchen haben in Begleitung von Buchs und Nadelgehölz Wachstumschancen. Sollte das Untergehölz überhand nehmen und der Bodenvegetation zu viel Licht nehmen, wird es rechtzeitig rausgeflegt, kein Kahlschlag eben. Auf den schmalen Wegen kruscheln meine Schuhe im Herbstlaub.

Der Botanische Garten ist für mich ein Ort der Entspannung und Bereicherung. Er ist um vieles schöner als der Palmengarten. Er ist für mich der schönste GartenKulturOrt in Frankfurt. Die Gestaltung in verschiedene Klima- und Landschaftszonen und die systematische Abteilung (die sehr geschrumpft ist) ist naher an den Pflanzen und der Natur. Das Alpinum ist vor allem im Frühjahr eine lila Krokuspracht. Die Idylle wird allerdings getrübt durch die nördlich vorbeiführende Zeppelinallee mit ihrem ununterbrochenen Autolärm. „Laut ist es leider,“ meine ich zu einer Spaziergängerin. „Ja, ich muß versuchen, den Lärm zu überhören,“ antwortet sie. Der Krach ist nicht zu überhören. Ich suche ruhigere Bereiche auf, obwohl die Sumpf- und Heidelandschaft im Norden meine Leidenschaft ist. Auf dem Sandweg, der ein wenig höher gelegen ist, fühle ich mich ein bißchen wie auf einer Dünenlandschaft. Es riecht nach trockener, würziger Luft. Die vier beeindruckenden Holzfiguren an den Baumstämmen mucksen nicht auf. Sie verstecken sich im Hinterhof des Gartens. An den Tagen der Offenen Tür ist der Künstler selbst hier tätig.

C Gisela Becker

Gärtnerinnen sind heute auf den Wiesenflächen tätig. Sommerlich in ärmellosen T-Shirts bekleidet, rechen sie das geschnittene Gras zu Haufen zusammen. Ihre geruhsamen Bewegungen sind dem schönen, sonnigen Herbsttag angemessen.

Grüne Soße zur Anschauung
Im Arzneipflanzen-Garten schaue ich nach den Kräutern der Grünen Soße, an der Zahl 7. Es sind alle noch da, üppig der Schnittlauch, der Sauerampfer, die Petersilie, die Pimpenelle, doch nur noch klein und herbstlich Kresse, Kerbel und Borretsch. Etwas weiter warnen Schilder am Beet von Krauser und Glatter Petersilie: „Langfinger weg!“, „Diebstahlsgefahr!“, deutlicher: „Keine Selbstbedienung“. Doch auf einem Beet fünfzig Meter entfernt wächst kräftig grüner, blau blühender Borretsch aus der Sommerselbstaussaat.
Mein Garten lieferte mir gestern für die Grüne Soße alle diese Kräuter außer Kerbel und Kresse. Als Kresseersatz nahm ich Kapuzinerkresse.

Ruderalpflanzen
Seit einigen Jahren „pflegt“ der Botanische Garten in einer südlichen Rabatte Ruderalpflanzen zum Kennenlernen. Das Beet ist bereits von Samenständen ziemlich abgeräumt. Auf Schildern werden oft vorkommende Erstpflanzen auf kargen, sonnigen Brachflächen wie Wegdistel, Eselsdistel, Natternkopf, Nachtkerze, Graukresse, Königskerze, Reseda, Hundszunge, Färberwau u.a. benannt. Dieses „Feld“ finde ich immer spannend. Im Sommer sind dort wie generell auf Brachflächen mit Blütenpflanzen, die meisten Falter zu entdecken. Das liebe ich.

Auf der Bank in der Sonne sitzend kommen mir alte Texte in den Sinn:
„Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah. Die Luft ist mild, als atmete man kaum und denooch fallend raschelnd fern und nah die schönsten Früchte ab von jedem Baum.“
Ein Gedicht aus der Zeit der Volksschule. Text von Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)
Und:
„Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder, und der Herbst beginnt, bunte Blätter fallen und die Nebel wallen, kühler weht der Wind.“ Die Melodie summte in meinem Kopf.
Ein Lied aus der Zeit der Volksschule. Der Text ist von Johann Gaudenz Salis-Seewis (1782).

Ich fand diese Texte, teilweise sogar vertont, zuhause im Internet. Das ist ja eine richtige Schatzkiste, dachte ich, als ich dort so viele Lieder und Gedichte für alle Jahreszeiten, Stimmungen, Festlichkeiten, Wanderungen und Reisen fand.

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