Fuchs am Morgen in London

StadtTier Fuchs

Als ich am Morgen aus dem Haus trete, begegne ich einem Fuchs. Er steht auf der Straße und schaut direkt zu mir herüber. Dann läuft er langsam davon. Doch zu schnell für meinen Kameraklick. Ich bin baff, als ich ihn sehe, mitten im Wohnviertel im Stadtteil Hackney in London, dem East-End, in dem es zwar Grüngebiete gibt, aber auf den ersten Blick keine Fuchsquartiere. Doch zu futtern findet der Fuchs in einer Metropole wie London natürlich viel. Da sind die Mülltonnen mit ihren Lebensmittelabfällen. Da sind die angefahrenen Tiere, kranke Tiere, junge Vögel undsoweiter. Vielleicht dezimiert er sogar die aggressiven grauen Eichhörnchen, die aus Nordamerika (manche sagen aus Australien) stammen und die kleinen rotbraunen Eichhörnchen vertreiben, denke ich bei mir.

Der Fuchs steht größer da, als ich Füchse in Erinnerung habe, ein schönes pelziges Tier mit aufmerksamen Augen, aufgestellten Ohren und mit buschigem Schwanz. In der Morgensonne wirkt der Pelz eher graubräunlich als rötlich. Eigentlich habe ich Füchse nur hinter Zäunen zur Befriedigung der Schaulust in Erinnerung. Begegnungen in der Natur und erst recht in der Stadt sind mir nicht präsent. Ein kurzer Gedanke kommt zu Tollwut auf – doch da würde sich der Fuchs anders verhalten – und ich gehe davon aus, daß die Stadt die Gefahr unter Kontrolle hat.

„Ein Fuchs?“ fragt meine nette Gastgeberin im East-End. „Die gibt es hier viele. Die Müllsäcke liegen ja überall herum. Die Füchse sind nützlich und kein Problem. In den Abendstunden und morgens sind sie zu sehen. Es gibt ja überall so viel zu fressen.“

Zuhause fällt mein Blick auf ein kleines Taschenbuch neben meinem Laptop. Ein Fuchs auf dem Umschlagbild, der mit den Vorderfüßen auf der offenen Mülltonne steht und neugierig den Inhalt inspiziert! Ein rot-brauner Fuchs mit hellem Bauch. Das paßt ja unmittelbar zu meinem Erlebnis in London, denke ich.

Das Buch „Wegerich und Schlangenhaut. Vom wilden Leben in den Städten“ von Godela Unseld,(2000) hatte ich mir gerade über die autorenbuchhandlung in Frankfurt im Grüneburgweg vom Suhrkamp-Verlag bestellt. Ich hatte das Buch beim Stöbern zum Thema Ökologie in der Stadtbücherei in Frankfurt in der Hasengasse entdeckt und mich sofort in die Themen und den Schreibstil verliebt. Auf der Rückseite steht noch der DM-Preis über dem Euro-Preis. Das hat wirklich was Nostalgisches, gefällt mir.

Ich könnt jetzt reimen:
Fuchs am Morgen
keine Sorgen.

Reim dich oder ich fress dich
– so der Fuchs am Morgen.

Literatur: Wegerich und Schlangenhaut. Vom wilden Leben in den Städten von Godela Unseld, Suhrkamp Nr. 3151, 2000

Nachtrag am 23.10.2013, also 1 Jahr später:

Von Jacques Klopp finde ich in der FR am 22.10.2013 den Artikel „Hauptstadt der Füchse. Großbritannien ist eines der am dichtesten von Füchsen bevölkerten Länder. Allein in London leben mehr als 10000.“

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