Kew Gardens London – Besuch im November

Tierwelt – Wildnis – Fluglärm – Kunst – Bäume – Palmenhaus

Mit der Overground fahre ich von Hackney Central Richtung Richmond und steige in der vorletzten Station Kew Gardens aus. Es ist kurz nach neun Uhr morgens. Am Bahnhof stehen Palmen. Ein Schild weist mich unter der Bahnlinie durch zum Park, der international als Botanischer Garten gewertet wird, und den ich nach kurzem Fußweg erreiche. Er liegt am Südufer der Themse. Ob es einen direkten Zugang zwischen Park und Fluß gibt? Vom Charakter ähnelt Kew Gardens dem viel, viel kleineren Palmengarten in Frankfurt. Er ist mit seiner Ausdehnung von 132 ha sehr groß, wurde vor rund 250 Jahren angelegt und im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert. 16 stattliche Pfund Eintritt soll ich zahlen, auf 14 Pfund gesenkt für RentnerInnen, eine Jahreskarte für 59 Pfund macht es für Dauergäste, u.a. Leute mit Kleinkindern, attraktiver. Kew Gardens ist mit vielen Spielflächen und betretbaren Rasenflächen familien- und kinderfreundlich.

Der Tag verspricht sonnig zu werden und hell, so daß der herbstliche Park mit buntem Laub und letzten Staudenblüten ein Augenschmaus ist. Ich wandere drei Stunden durch die ausgedehnte Grünanlage meist auf asphaltierten, sehr breiten Wegen, mit ihren Wiesen, sehr vielen Bäumen und besonderen ökologischen Nischen sowie verschiedenen Treibhäusern, Wasseranlagen, Gebäuden und systematischen Abteilungen. Themenpflanzungen und Themengärten gibt es auch. Auch Cafés gibt es einige als Anlaufstellen für einen gemütlichen Aufenthalt im Park. Bänke mitten auf den Wiesen gestalten den Park einladend und sind ein Phänomen.

Tierwelt
Fette Kanadagänse sind in großer Zahl auf einer großen Wiesenfläche, ich zähle dort eine Kolonie von circa 50 üppigen Tieren, die als „Rasenmäher“ unterwegs sind. Dicke Tauben fühlen sich dazwischen wohl. Einige Krähen lassen sich blicken, graue Eichhörnchen haben dort auch ihr Revier. Als ich zerknülltes Papier in einen überdachten Papierkorb werfe, jagt mir ein graues Eichhörnchen einen Schreck ein, weil es aus dem Korb schnell wegspringt. Ich habe damit nicht gerechnet. Auf einem versteckten Teich mit dichtem Ufergebüsch schwimmt ein Bläßhuhn. Drei Kanadagänse schwimmen sofort neugierig in meine Richtung. Ein grüner Sittich bestreift, vielleicht weil ich ihn beim Fressen roter Beeren störe, laut schreiend sein Revier. Es ist ein Vogel aus der exotischen, doch mittlerweile frei lebenden Vogelwelt in wärmeren Teilen Europas.

Altholz und Wildnis
Es gibt interessante Pfade und Ecken im Park mit Wildnis, Holunderbüschen, roten Beeren an den Sträuchern, Altholzhaufen, holzgeflochtenem Zaun. Und dort ist Vogelgezwitscher von Singvögeln zu hören. Dort gefällt es mir besonders gut.

Fluglärm

Kew Gardens unter Fluglärm-Teppich

Ein Blick an den Himmel wegen des eindeutigen Lärms zeigt, daß alle paar Minuten ein Flugzeug sehr niedrig Richtung Flughafen Heathrow fliegt. Ein fluglärmgestörter Park ist der weltberühmte Kew Gardens. Dieses nervende Geräusch belästigt mich während des gesamten Parkbesuchs. Im Baedecker London wird so darauf hingewiesen: „Einziger Wermutstropfen ist der Lärm der Flugzeuge, die den nahen Flughafen Heathrow so niedrig anfliegen, dass man fast in die Fenster schauen kann.“ (S. 220) Flugzeuge über der Tower Bridge und Flugzeuge über den Wohn- und Erholungsgebieten in Hackney stören auch.

Kunst
Skulpturen sind ausgestellt von David Nash. In London wird auf Plakaten für seine im Kew Garden ausgestellte Kunst geworben. Interessante Objekte. Geht es in Parkanlagen auch ohne gesonderte Kunstausstellungen?Kommen nicht auch so genügend BesucherInnen, frage ich mich. Ist der Park erst attraktiv durch Kunst? Ich würde nicht wegen einer Kunstausstellung in den Kew Gardens gehen.

Bäume
Mein Blick fällt auf Ginkgos mit ihrer gelben Farbenpracht, deren Blätter gerade zu Boden fallen, vom Zeitpunkt des Blattfalls vergleichbar mit Ginkgos in Frankfurt. Besonders angetan haben es mir die riesigen alten Bäume im Park und viele noch grün-belaubte Laubbäume, die mir unbekannt sind. Zum Glück befinden sich an jedem Baum Bestimmungsschilder.

Bei den sehr alten, dicken, hohen Bäumen finden sich ausführliche Texttafeln. Um den Umfang zu messen, „umarme“ ich die besonders dicken Bäume, das heißt, daß ich mit ausgebreiteten Armen um den Baum schreite, die Rinde ringsum berühre und zähle, wieviel Mal ich messen muß. Oft sind es fünf Umarmungen, eine Umarmung messe ich später am Zollstock mit 1,50 Meter. So ergeben sich 7,50 m Stammumfang. Ich bin von diesen Baumriesen, deren Äste in der Regel bis zum Boden reichen, angetan; habe Respekt vor diesen Bäumen und vor den GärtnerInnen, die diese Pracht pflegen.

Einzelne sehr große und auffallende Bäume halte ich bewundernd in meinen Notizen und mit der Kamera fest. Bei den Nadelbäumen sind es eine Reihe Pinien (Pinus nigra und Pinus brutia). Sie sind mit ihrer stattlichen Höhe und ihrer Gesamterscheinung ein Blickfang. Bei den Eichen sind es zum Beispiel Quercus ilex, Quercus x hispanica und Quercus castanefolia. Bei letzterem beginnen die Äste knapp über dem Boden. Der Stammumfang mißt 7,50 m.

Quercus x hispanica

Bei Quercus x hispanica heißt es, daß die Blätter erst bei Neuaustrieb fallen. So bleibt der Baum mit seinem dunkelgrünen Laub wintergrün. Verschiedene dickstämmige Platanen ziehen auch meinen Blick an. Eine üppige Eßkastanie mit 7,50 m Stammumfang hat noch vollen herbstlichen Laubschmuck. Die stachligen Fruchthüllen mit den braunen Früchten hängen größtenteils noch an den Ästen. Lange rätsele ich bei den riesigen Blaugummibäumen (Eucalyptus globulus), ob ich eine solche grüne Pracht im Spätherbst schon gesehen habe. Sie haben schmale, lanzettliche Blätter, die ganzjährig am Baum hängen. Ich zähle davon sieben riesige grünbelaubte Bäume und in der Nähe zahlreiche junge Nachpflanzungen. Eine riesige Kastanie führt den botanischen Namen Aesculus indica, Ursprung Himalaya, mit Laub offensichtlich ohne Schäden durch Minimiermotten.Aesculus indica

Viktorianisches Palmenhaus

Dieses riesige Treibhaus von 1848, erneuert 1957, ist großartig. Ich laufe die Treppe runter in den Keller zu den Aquarien mit Wasserpflanzen und Fischen. Und vor allem steige ich die Treppe hinauf, um im Bereich der Wipfel ringsum auf dem Balkon unterwegs zu sein und die Schönheiten des Gebäudes zu bewundern. Die Kamera ist leider nicht tropentauglich, so daß die Bilder (analog oder digital?) in meinem Kopf abzuspeichern sind.

Kew Gardens – das nächste Mal
Als ich mich im Café um die Mittagszeit eine Weile erhole, schaue ich mir den Plan des Parkes noch mal genauer an. Und entdecke den Baumwipfelpfad. Und weitere Sehenswürdigkeiten. So habe ich für ein nächstes Mal – trotz Beeinträchtigung durch Fluglärm – weitere Attraktionen in Kew Gardens. Dann werde ich im Park statt nach Osten zuerst Richtung Westen spazieren.

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