Regents Canal London bis Camden Stables Market

Spaziergang am 2.11.2012

Fotos Gisela Becker

Das November-Wetter ist gemischt zwischen Trockenheit, Kälte, Sonne und Wolken, als wir uns beim Spaziergang am Regents Canal vergnügen. Bis zum Olympia-Gelände können wir in der einen Richtung laufen, atttraktiv sei auch die andere Richtung nach Camden. Denn dort sei eine interessante alternative KreativSzene mit Markt. Sagt unsere nette Londoner Gastgeberin, die mit uns auf EntdeckungsSpaziergänge mit ihrer kleinen Tochter geht.

Der Fußweg entlang dem Kanal wird verständlicherweise auch gern zur autofreien Radfahrt genutzt, doch gibt es an jedem Engpaß Hinweise, daß die Spaziergänger Vorrang haben. Das ist angenehm. Es ist einfach schön, in der Mittagssonne am Kanal-Ufer geruhsam auch mit einem kleinen quirligen Mädchen unterwegs zu sein. Nun ist der November weder der „heiße Monat“ für Spaziergänge noch für Radtouren, so daß nicht allzu viele Konflikte zu erwarten sind. Der Kanal mit seinen Schleusen ist für Bootsfahrten in Betrieb. In manchen Booten wohnen Leute. Die neue Bebauung ist wassernah und sowohl zum Wohnen als auch für Büros erste Adresse. Zum angenehmen Spaziergang gibt es Bänke, gepflegte Vegetation, Kunst, Informationsstelen mit Entfernungsangaben und zu nahen Sehenswürdigkeiten. Historische Informationen zum Kanal gibt es auch an Tafeln.

Nachdem wir erst Richtung Olympia-Gelände gelaufen sind (Fußweg ca. 75 Minuten), drehen wir um und suchen und fragen, wo wir im Stadtteil Angel den Kanal Richtung Camden finden. Denn dort führt der Kanal durch einen Tunnel ohne Begleitweg. Auf dem Gehweg durch den Stadtteil gibt es zwar die entsprechenden Piktogramme mit den Wellen, doch an den entscheidenden Kreuzungen sehen wir sie nicht sofort. Mehrere kundige Menschen zeigen uns, wie wir zum Kanal kommen. Schließlich erreichen wir die Schleuse Camden und den dort liegenden Canal Market. Viel Menschen sind am sonnigen Ufer mit diversem Fastfood. In Camden gibt es eine ganze Anzahl großer Märkte.

Wir halten uns eine Weile im Stables Market auf. Horse Tunnel Market, Horse Hospital und Camden Lock Village steht gleichfalls an Schildern desselben Marktes. Die Gebäude stammen wohl meist aus der viktorianischen Zeit, als Pferde im Kanal die Boote beladen mit Holz, Kohle usw. zogen und hier im Pferdehospital gepflegt wurden. Viele Pferdeskulpturen sind zu sehen, wirklich was Besonderes, um die Tradition rückzuverfolgen. Er ist heute am Freitagmittag sehr gut besucht. Alle, die London an Schnittstellen des Umbruchs erleben wollen, bekommen im Marktgeschehen einen kleinen Eindruck davon. In einigen Jahren wird sich der Markt ganz anders etabliert haben, schießt mir durch den Kopf. Die Kreativszene ist in ständigem Wandel. Der Markt ist einerseits Flohmarkt, andererseits gibt es viele neue Sachen: Möbel, Szeneklamotten, Schmuck, einfach alles. Es gibt Kaffee und diverse andere Getränke und jede Menge Speisen. Auffallend ist die gute Laune, die alle dort Tätigen ausstrahlen. Es wirkt so, als hätten sie keine abhängige Beschäftigung sondern als wären sie selbständig, weiß ich aber nicht. Neben gut duftendem, frisch produziertem Essen wie „Chinese Food“ gibt es zum Beispiel Werbung „we love Pizza“, Creperie und auch Restaurants.

Es gibt großzügig überdachte Sitzgelegenheiten auf vielen Bänken bequem an Tischen, gestaltet mit ideenreicher Begrünung in kreativen Pflanzkübeln , ohne daß der Konsumzwang grassiert. Es ist ein buntes, illustres Durcheinander mit einer eigenen Ordnung und eigener Kreativität. Spannend wie ein Basar und doch wieder anders. Mit den vielen Menschen wälzt man sich durch die Gänge, hat aber auch Muße, sich mit dem Angebot an Waren in aller Ruhe etwas abseits vom Menschenstrom zu beschäftigen. Zu einem indischen T-Shirt mit hübschen Applikationen schaffe ich es nicht, weil die Größe S einfach nicht mein Fall ist. In dem Getümmel kann man sich stundenlang aufhalten ohne daß es langweilig wird. Das Konzept des Marktes muß ein Besonderes sein.

Stables Market steht über dem großen Tor an der Hauptstraße, der Chalk Farm Road, durch das Tausende von BesucherInnen zu dem Markt gehen. Die Häuser, Stallungen, Büros für die Verwaltung und große Hallen, meist Backsteinbauten haben eine wirkungsvolle Architektur. Das Ensemble ist etwas Besonderes. Ein Sicherheitsdienst ist vor Ort. Bei der Recherche im Internet lese ich von dem großen Brand am 9.2.2008, bei dem Gebäude und die darüber führende Overground stark beschädigt worden waren. Ein Jahr später wurde der Markt wieder eröffnet. Wer kümmert sich drum, daß es im Rahmen des Denkmalschutzes,aber mit dieser vitalen wirtschaftlichen Nutzung, an dem so viele Menschen ihre Freude und ihr Einkommen haben, erhalten bleibt?

Dann wird es noch doller auf der Hauptstraße von Camden, offensichtlich der Haupteinkaufsstraße. Ein Schuhgeschäft nach dem anderen. Extreme Werbung an den Häusern. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Disney-Land. In der Menschenmasse versuchen wir uns immer wieder zu finden.

Der Bus 26 bringt uns schließlich in der Abenddämmerung von dort zurück nach Hackney. Nicht ohne eine Unterbrechung. Denn auf einer Kreuzung sind kurz zuvor im Linksverkehr zwei PKWs zusammengestoßen. Die Polizei regelt schon den Verkehr. Auch der öffentliche doppelstöckige Bus darf dort nicht passieren, solange die Unfallstelle nicht geräumt ist. So müssen wir über die Kreuzung bis zur nächsten Bushaltestelle laufen, um mit einem hinter der Unfallkreuzung neu eingesetzten öffentlichen roten Doppelstöcker – toitoitoi – ohne allzu große Verzögerung noch fünf oder sechs Stationen bis in Wohnungsnähe weiterzufahren. Für den Umstieg von einem Bus zum anderen lassen wir uns vom Fahrer einen Papierbeleg geben, sonst werden wir ein zweites Mal zur Kasse gebeten, sagte unsere Gastgeberin.

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