Mainufer in Niederrad wenig Natur viel Wegfläche

Licht- und Luftbad und neu gestaltetes Mainufer

Das Licht- und Luftbad Niederrad (LiLu) ist zusammen mit dem angrenzenden Mainuferweg (früher Campingplatz) barrierefrei erreichbar. Seit diesem Jahr ist die Halbinsel des LiLu, die durch eine frühere Schleuse entstanden ist, endlich das ganze Jahr über zugänglich. In den Sommermonaten gibt es auch Außengastronomie. Es ist ein Naherholungsgebiet ersten Ranges, mit direktem Wasserzugang und schönem Blick auf den Fluß, den Main.

Heute ist ein frischwindiger, warmer, sonniger Tag – endlich mal kein düsteres Novembergrau. Besonders gut gefällt mir ein heller Strand, ein kleiner Kiesstreifen. Auf der großen Wiese ist ein Kinderspielplatz. Schön wäre es, entweder im Main oder in einem dort verankerten Badeschiff schwimmen zu können. Frankfurt tut sich mit solchen Vorstellungen sehr, sehr schwer. Das sind Zukunftsträume.

Eine Tafel erinnert daran, daß ab November 1938 jüdische Bevölkerung dort ins Luftbad nicht mehr hindurfte.

Im alten Teil, dem LiLu, stehen die Bänke so, daß die Blickrichtung zum Wasser ist. Das ist fein zum Entspannen und um vom Urlaub zu träumen, Abstand vom Alltag zu nehmen und den Horizont über dem großen Fluß zu sehen. Neue Horinzonte sehen, so sage ich, wenn ich mir einen Urlaubswunsch erfülle.

Im neuen Teil des Niederräder Mainufers schaut man, auf der Bank sitzend, zunächst auf den viel zu breiten Kiesweg, dann auf die vorübergehenden oder mit dem Rad vorbeifahrenden Menschen, dann auf die Wiese, vielleicht hat man Glück und sieht dort auf einen Baum, dann auf das Wasser. Mißglückt. Die Bänke sollten kommunikativer, vom Weg abgewandt, teils auf der Wiese und mehr Richtung Fluß stehen. Landschaftsarchitekten sind phantasielos. Nicht alle, wird mir sicher eingewandt. In Frankfurt sind sie`s. Wo stehen in Frankfurt Bänke auf Wiesen?

Im alten Teil, im LiLu, stehen prächtige, dicke, hohe Bäume. Es sind viele Erlen, einige Pappeln, Platanen und Linden darunter. Die Äste einiger Bäume ragen tief zum Wasser hinab oder sogar ins Wasser hinein. Wie schön. Das Wasser umspült die Äste. Die feine Verästelung der jetzt blattlosen Kronen spiegelt sich in der Wasseroberfläche.

Fotos Gisela Becker Hainbuche Nr. 653

Es gibt Bäume, die ich jetzt ohne Laub nicht bestimmen kann. Das herabgefallene Laub ist von den Wiesen meist schon entfernt. Die Bestimmung über die Rinde oder den Kronenaufbau glückt mir bei Parkbäumen nicht gut. Zu groß ist die Vielzahl der fremden Bäume. Unter einem imposanten Baum, der ab 1 m Höhe acht starke nach oben gerichtete Seitenäste hat, liegen noch trockene Blätter. Die helfen. Ich tippe auf Hainbuche. Schön wäre es, wenn die von der gesamten Statur auffallenden Bäume ein Schild mit dem Artennamen hätten, um es einfacher mit der Bestimmung zu haben. Kategorie Umweltlernen, Baumlernen.

An einer alten Baumscheibe wächst ein mehrstöckiger Pilz.* Bei den Baumpilzen bin ich immer noch nicht fit. Ich ergänze den Namen, sobald ich ihn kenne. Vielleicht mag jemand helfen?

welcher Pilz?


* Es handelt sich um einen RIESENPORLING (ergänzt am 31.10.2013 GB)

Wichtig ist mir auf der Halbinsel restliche „Wildnis“ und die Büsche, die bis zur Uferspitze entlang dem neuen schmalen Kiesweg stehen geblieben sind, für Vögel und Insekten. Es hätte schlimmer kommen können, daß sämtlicher Holunder entfernt sei. Vor der „Sanierung“ hatte ich viel Zeit auf der Halbinsel verbracht, Fotos gemacht, um die alte Natur zu dokumentieren.

Neuer Teil Niederräder Ufer mit viel Wegfläche und wenig Natur

Der neue Teil, das Niederräder Ufer, 2,1 km lang fällt durch entleerte Natur auf. Ein viel zu breiter Kiesweg führt schnurgerade an Rasen entlang. Zwei oder drei große, mit hellen Steinen belegte Terrassen sind Richtung Fluß und Nebenarm als Austritte angelegt. Das Motiv, der Grund dafür ist nicht zu erkennen, Landschaftsarchitektur eben. Schon bei der Einweihung im August 2012 gab es kräftige Kritik an der „autobahnähnlichen“ Gestaltung.

Schön ist, daß die Imkerei und einige alte Häuser, die jetzt anders genutzt werden, aus der Campingzeit stehengeblieben sind. Ein Klettergerüst im Aktivbereich ist heute am Sonntag für einen Kinderzirkus mit Plane umhüllt, noch menschenleer, als ich einen Blick in das „Zelt“ werfe. Eine Kindergruppe mit Erwachsenen als Begleitung im Schlepptau ist gerade auf dem Weg zum „Zirkuszelt“ und durchläuft zuerst einen „Klangweg“ (im Gebüsch versteckte Lautsprecher). Überraschende Musik.

Ein winziger Teil des Niederräder Ufers jenseits östlich der Eisenbahnbrücke, der Main-Neckar-Brücke, ist zum Glück „wild“ und ohne Weg geblieben. Ich hätte den Wassertieren entlang dem Main mehr Wildnis gegönnt. Eigenartig war heute, daß ich dort am ausgebauten Teil keine Gänse sah, weder Nil- noch Kanadagänse. Sonst hatten die Nilgänse dort eine kleine Kolonie.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s