London mobil

Persönliche Eindrücke

Starker Fußverkehr
DSC03782Gewaltig ist der Menschenstrom auf den Haupteinkaufsstraßen, z.B. der Oxford Street. Die Gehwege scheinen zu schmal zu sein für die Massen an Menschen, die in den frühen Abendstunden unterwegs sind. Sie kaufen ein, sie bummeln, sie gehen zur Station des öffentlichen Nahverkehrs, sie holen Kinder von der Betreuung ab, sie sichten in der Vorweihnachtszeit schon mal das Angebot in den Shops. Es ist ein Gedränge, wie es in Frankfurt noch nicht mal auf der Zeil als Haupteinkaufsmeile zu Weihnachten zu erleben ist. Die über 7 Millionen EinwohnerInnen von London sind viel zu Fuß unterwegs. Die Ampelanlagen funktionieren ohne lange Wartezeiten. Es gibt in der Regel einen Schaltautomat, um sich Grün zu holen. Die Autos bleiben bei Rot stehen. Ganz fortschrittlich ist die Kreuzung Oxford Circus mit ampelgeregelter Diagonalquerung. Es gibt autofreie Fußgängerzonen. Parkverbote entlang von Gehwegen sind mit gelben und roten Linien markiert. Dort sah ich bei einer Woche Aufenthalt keine wild abgeparkten Autos stehen, so daß weder der Fußverkehr noch der Busverkehr (die roten Doppelstöcker) behindert wurde. Die Uferpromenaden im Zentrum entlang Südufer und Nordufer der Themse sind autofrei. Es gibt Zebrastreifen zusammen mit Ampeln. An vielen Übergängen steht „look right“ und an der Mittelinsel steht „look left“. Die reinen Fußgängerbrücken über die Themse, z.B. die Milleniumbridge, sind ein Promeniererlebnis.DSC03722

Informationsstafeln
DSC03938Praktisch zur Orientierung sind die modernen Informationstafeln mit unterschiedlicher Ausführung entlang von Fußgängerbereichen, auf denen der Stadtteilplan, nahe Sehenswürdigkeiten und die Straßen im Nahbereich abgebildet sind. Diese Stadtpläne machen es TouristInnen angenehm, sich in London gut zurecht zu finden. Es gibt auch alte Hinweisschilder an Pfosten zum Beispiel in den verschiedenen Stadtteilen, ganz liebevoll gehegt und gepflegt, um das historische London wach zu halten. An den Radstationen ist ein Umgebungsplan zur Information.

Blindenleitsystem
DSC04178Das taktile und akustische Blindenleitsystem ist erkennbar konsequent in der Stadt durchgeführt. Taktil sind es Noppenplatten, an manchen Stellen auch Rippenplatten. Offensichtlich wurde es schon seit Jahrzehnten verlegt. Aufmerksamkeitsstreifen sind ebenfalls Noppenplatten. Die Bordsteine sind abgeflacht. Der BSBH fordert in Deutschland mindestens 3 cm Höhe, damit der Bordstein mit dem Blindenstock abtastbar ist.

Geförderter Radverkehr
Es gibt das Leihradsystem mit festen Radverkehrsanlagen wie in vielen Metropolen, hier von Barclays. Die erste halbe Stunde ist frei. Die Buchung erfolgt mit Kreditkarte mit einer Grundgebühr. Das Leihradsystem ist nur in den Innenstadtbezirken gut verteilt.
Viele sind mit eigenen Rädern unterwegs. Es fällt auf, daß viele auffallende, leuchtende, meist gelbe Radlerkleidung über der Normalkleidung tragen, um gut gesehen zu werden. Die Beleuchtung am Rad ist in aller Regel einwandfrei. Entlang der Hauptverkehrsstraßen fahren sie ja links, doch ohne Schutzstreifen. Es gibt an manchen Kreuzungen Aufstellflächen vor der Ampel, so daß sie vor den Autos starten können. Um die öffentlichen Busse mit den vielen Haltestellen müssen sie sich rumschlängeln. Denn wenn ein Bus steht, fädeln sie sich rechts ein. Dort ist Autoverkehr. So bleibt ihnen nur eine schmale Lücke zwischen stehendem Linienbus und den Autos, um zu passieren. Es ist sehr eng auf vielen Hauptverkehrsstraßen und Radfahren macht dort sicher nicht viel Spaß. In den Seitenstraßen ohne Linienbusverkehr ist natürlich mehr Platz für den Radverkehr. Radverkehr wird in den Promenaden und entlang der Kanäle akzeptiert, muß dem Fußverkehr aber den Vorrang einräumen. Gegenseitige Rücksichtnahme ist das Konzept. Ich staune über die vielen Radfahrer/innen, finde sie sehr mutig, daß sie sich selbst in der rush-hour durch den Autoverkehr manövrieren. Bei Gesprächen höre ich, daß für viele der Radverkehr in London zu gefährlich sei und sie deshalb keine Radtouren machen. Doch das höre ich in Frankfurt auch. Die Radverkehrsförderung scheint mir in London auf einem guten Weg zu sein. Es gibt für eigene Räder stabile Rohrbügel als Fahrradständer. Ich hatte entweder als Fußgängerin oder aus der Vogelperspektive im Linienbus ganz vorne freien Blick auf den Radverkehr, war selbst nicht mit dem Rad unterwegs. Weder vom Rad- noch vom Fußverkehr sind mir Unfallzahlen bekannt, so daß ich nicht im Bilde bin, wie die Verkehrssicherheit ist.
Mehr Informationen zum Radverkehrsplan in London gibt es hier

Übersichtlicher und schneller öffentlicher Nahverkehr

Fotos Gisela Becker

Fotos Gisela Becker

Die Übersichtspläne des Nahverkehrs sind an allen Stationen sehr gut zu lesen. Als Touristin habe ich natürlich die Pläne stets griffbereit dabei. DSC03892-1Beliebt sind die roten Doppelstöcker-Linienbusse, eine Sonderentwicklung für London. Sie sind relativ kurz und wendig. Die Stellfläche für Rollstühle oder Kinderwagen ist klein ausgefallen. Die Haltestellenausstattung ist sehr gut. Bei den überdachten Haltestellen werden auf einem Display die Busse angezeigt. Die Linienbusse haben tags einen engen Takt. Es sind in der Regel 3 bzw. 5 Minuten, so daß Warten kein Problem darstellt. Die Haltestellenkaps sind markiert und frei von Autos. Dennoch gibt es Straßen und Zeiten, wo die Linienbusse im Stau stehen, manchmal mehr als fünf Busse hintereinander. Die Fahrkarte, meist Oyster-Card, Jobticket, Monatskarte etc. wird mit dem Magnetstreifen am Buseingang registriert und der Fahrpreis von 1,35 Pfund abgebucht.. Der Busfahrer schaut nur zur Kontrolle, verkauft keine Tickets. Richtig teuer ist eine Einzelkarte vom Automaten, nämlich 2,30 Pfund. Und die Automaten sind Geldschlucker. Du steckst mehr rein, um endlich die Fahrkarte zu haben. Schnell kaufst du die Oyster-Card für 5 Pfund und lädst sie nach Bedarf auf. Die 5 Pfund gibt es bei Rückgabe der Karte zurück. Die Linienbusse sind alle mit Kameras und Displays ausgestattet. Alles unter Kontrolle also. Die Haltestellen werden angesagt und angezeigt. Das älteste Verkehrsmittel ist die tube, die Underground, die U-Bahn mit veraltetetem Wagenmaterial und alten Schienen. Die Stationen sind in der Regel über Treppen erreichbar, also nicht barrierefrei.DSC04060 Beliebt ist die Overground, ein Schnellbahnsystem mit modernen Zügen. Es gibt vier Linien. Beim Umsteigen zwischen Bus und Over- oder Underground ist eine zweite Zahlung mit der Oyster-Card fällig. Die Bahnen kosten in den Zonen 1-2 2 Pfund, in der Hauptverkehrszeit 2,70. Im Vergleich zu Frankfurt ist das sehr günstig.Viele Londoner haben kein Auto, weil das nicht praktikabel und teuer ist. Sie sind umweltbewußt unterwegs. Das Nahverkehrsnetz ist gut ausgebaut und außer der veralteten U-Bahn einigermaßen zuverlässig. Viele Bahnhofsgebäude sind modernisiert (Olympia 2012) und ein Architekturerlebnis, z.B. Kings Cross, St. Pancras.
Kings Cross

Kings Cross

City-Maut
Durch die City-Maut ist der Autoverkehr in die City von Montag bis Freitag stark reduziert worden.
Es ist ein Erfolgsmodell, eingeführt von Ken Livingston 2003. Pro Tag kostet das Befahren des City-Maut-Gebiets 10 Pfund. Erfaßt wird das Autokennzeichen mit Kamera. Die Verlagerung vieler Autofahrten auf den öffentlichen Nahverkehr ist gelungen. Die Umwelt hat gewonnen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s