Palmengarten legt Menschen mit Rollstuhl oder Rollator holpriges Kopfsteinpflaster in den Weg

Monatelang wurde im Palmengarten südlich vom Gesellschaftshaus gepflastert. Hinter Drahtverhau. Unzugänglich. Gesperrt. Nur wer eine Lücke im Zaun fand, konnte die Wochen vorher schon mal einen Vorgeschmack von den diversen Bauwerken mitbekommen. Nun im neuen Jahr ist die Chose frei. Überbreite Kopfsteinpflaster-Wege und breiteste Betontreppen unter Vernichtung von viel grünem Buschwerk und einigen Wiesenflächen schädigen das Auge, das Klima und dauerhaft die Natur. Das Kopfsteinpflaster ist seniorenfeindlich. Wer darüber als kranker und/oder alter Mensch mit einer Gehhilfe oder mit Rollstuhl rollen muß, leidet.

Frankfurt lobt sich, auf dem Weg zu einer barrierefreien Stadt zu sein. Eigenlob stinkt bekanntermaßen. Im Palmengarten jedenfalls werden die neuen Wege zu Barrieren. Auch die Rampe hoch zur Toilette ist mit Kopfsteinen gepflastert. Es ist unglaublich. Hatten wir doch schon vor Jahren bei der Pflasterung des Steinwegs und Roßmarktes das Problem, daß diese Art von Oberfläche Hundertprozent nicht barrierefrei ist. Auch im südlichen Ostend sind die Kopfsteine auf den Gehwegen ein Beweis für ein behindertenfeindliches Terrain.

Als Stadtverordnete hatte ich mit Anträgen und Anfragen versucht, ein nachhaltiges Umdenken zu Barrierefreiheit zu erreichen und auch einige Erfolge und viel Anerkennung aus allen Lagern. Das barrierereiche Ergebnis im Palmengarten 2013 zeigt, daß kein Umdenken bei Stadtverordneten, Ortsbeiräten und der Stadtverwaltung erfolgte. Ich ärgere mich gewaltig über diese Inhumanität, die Seniorenfeindlichkeit, die Behindertenfeindlichkeit.

Weder die Frankfurter BehindertenArbeitsgemeinschaft, die die Stadt beraten sollte, noch die BehindertenBeauftragte wurden bei dieser Maßnahme offensichtlich bei der Planung und Durchführung tätig. Zaghaftigkeit und Desinteresse führen aber nicht zum Ziel einer barrierefreien Stadt.

Ein verbindlicher Kriterienkatalog zum barriererefreien Wegebau in Frankfurt für den öffentlichen Raum ist mir immer noch nicht bekannt. Die UN-Behindertenrechtskonvention findet in Frankfurt offensichtlich in puncto barrierefreie Wege keine Anwendung. Von den Verantwortlichen wird niemand sanktioniert oder öffentlich zur Verantwortung gezogen. Es wird einfach geschlafen. Und diejenigen, die sich für Barrierefreiheit einsetzen, werden nicht unterstützt. Hier wäre es die alte Umweltdezernentin Manuela Rottmann gewesen, die bei neuem Wegbelag im Palmengarten das Kriterium Barrierefreiheit (und natürlich Umwelt- und Klimaschutz) hätte beachten müssen. Fehlanzeige. Wie will die neue Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, die seit Mitte Juli 2012 im Amt ist, nun den Fehler bereinigen?

Jetzt hilft nur Teer, um eine glatte Spur durch die WegeSteine im Palmengarten am Gesellschaftshaus zu legen. Oder hat jemand eine bessere Idee?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s