Gezielter Tod der mächtigen gesunden Pappel auf dem Glauburg-Schulhof

Heute um 11.25 Uhr kippen die „Baumpfleger“ der Firma Bechstein die über 80jährige gesunde Pappel auf den Schulhof der Glauburgschule. Es kann eine Schwarzpappel gewesen sein, die unter Naturschutz steht. Es gab keine Untersuchungen zur Baumart.

Seit dem Morgen waren die Baumfäller heute im Baum, nachdem sie gestern nach der Kappung von mehreren Ästen in Richtung des privaten Nachbargrundstückes aufgehört hatten. Helmut Kleine-Kraneburg hatte sich als einer der wenigen aktiven Anwohner gestern mit weiteren Leuten auf die Mauergrenze gestellt und damit den vorläufigen Stopp bewirkt. Für heute morgen wurden die Mitglieder der BI contra Quartiersgarage Glauburg neu alarmiert, um die Pappel zu retten. Helmut Kleine-Kraneburg tröstet mich angesichts der wenigen Menschen, die gekommen sind: „Ein Mensch unter dem Baum reicht.“ Auch wenn ein Mensch unter einem Baum reicht, um Baumfällarbeiten zu behindern, so sind viele Menschen demonstrativer. Als Gegenmacht. Als aktive und laute Baumschützer. Um insgesamt erfolgreicher zu sein. Wir waren wenige, viel zu wenige.

Zunächst kappte ein sogenannter „Baumpfleger“ (Baumpfleger steht auf der Firmenjacke) unter infernalischem Motorsägengeräusch obere Äste der Pappel. Dann zerfraß er brutal ganz dicke Äste. Ratzfatz ging das. Und schmiß sie runter oder sie fielen herab. Die unten auf dem privaten Grundstück versammelten Menschen schrien, schimpften, riefen: „Aufhören!“ Große Mengen Sägespäne verteilten sich über die Menschen. „Die Polizei muß uns schützen“, riefen sie. Die Polizei blieb fern. Bei „110“ wurde aufgelegt bzw. gelacht.

Dann wagte die Firma Bechstein sogar ein noch riskanteres Manöver, Äste direkt über uns versammelten Menschen zu kappen und runterzuschmeißen. Auch ich gehörte dazu und schimpfte und schrie und rief: „Baummörder! Aufhören! Wen schützt die Polizei?“ Und: „Hören Sie auf, über unseren Köpfen Äste abzusägen.“ Sie fuhren dann mit ihrem Hublift tatsächlich runter. Es waren in der Regel in der Krone zwei Baumkiller zugange. Insgesamt war die Baumkillfirma mit einem großen Aufgebot an Baumfällern da, versierte Kletterer, junge Leute, die ihren Job machten „auf Teufel komm raus“.

Helmut Kleine-Kraneburg telefonierte auch mit dem Umweltdezernat. Die Dezernentin Rosemarie Heilig war nicht zu sprechen. Für was ist sie denn da, wenn nicht für den Erhalt der gesunden Bäume? Hat sie doch öffentlich versprochen! Eine Umweltdezernentin, die sich nicht für gesunde Bäume einsetzt, was taugt sie?

Als dann um 11 Uhr das Absägen der Äste direkt über unseren Köpfen abgebrochen wird, hoffen wir auf Frühstückspause der Baumkiller. Doch weit gefehlt. Der große Laster fährt in Position, um mit Seil den großen Baum beim Fallen in die bevorzugte Fallrichtung zu ziehen.

Dann sägen die Baumkiller den dicken Stamm von geschätzten 1,20 – 1,50 Meter Durchmesser in etwa 1 m Stammhöhe an, so daß eine sehr große Kerbe entsteht. Das Holz der Kerbe ist hell und durchweg gesund. Es handelt sich um einen kerngesunden Baum. Auch das ist Grund zur besonderen Empörung! Ein markanter, lebenswichtiger, gesunder Baum, der möglicherweise eine Schwarzpappel ist, wird vernichtet!

Das alles geschieht in wenigen Metern Entfernung zu uns, die wir auf der Grundstücksmauer stehen. Ohrenbetäubend ist der Lärm der Motorsägen. Die Gesichter der Baumkiller sind unberührt. Nach dem Entfernen des großen Keils der Kerbe wird noch ringsum ein Schnitt angelegt. Um 11.24 Uhr zieht der LKW den Baum. Mit einem lautem „Rumms“ fällt der bis zur letzten Sekunde stolze Baum auf den Schulhof. Dicke Äste krümmen sich beim Sturz und zersplittern. Der Baum ist tot. Es ist 11.25 Uhr. Anschließend stürzen sich die Baumfäller auf den Baum, um sofort Schredderholz zu machen.

Der Tod dieser Pappel ist erschütternd. Eine Frau weint. Kinder und Jugendliche schauen verschreckt. Ist das die Zukunft? Eine Stadt mit immer weniger Bäumen in den Stadtquartieren? Dafür immer mehr Autos? Kamen so wenige Menschen zum Protestieren und Demonstrireren – trotz annähernd 1000 Unterschriften – weil in ihrer Seele das Auto immer Vorrang vor einem Baum hat? Auto ist ein Suchtmittel. Ein Baum ist Natur und kein Suchtmittel.

Ich setze mich eine Weile auf den Schulhof zu den verlorenen Bäumen, denke an die Kronenpracht und das Schattendach, bin traurig über so viel Grausamkeit gegenüber der Natur. Vor dem inneren Auge habe ich diese Pappel, den letzten großen Trutzbaum in diesem Geviert, der nun sinnlos zerstört wurde. Es ist ein Umweltverbrechen. Für dieses Umweltverbrechen sollte es ein Mahnmal auf dem Schulhof zur täglichen Erinnerung geben.

4 Antworten zu “Gezielter Tod der mächtigen gesunden Pappel auf dem Glauburg-Schulhof

  1. Das macht so traurig und auch so wütend…
    LG, Petra

  2. Wer das grauenhafte Szenario dieser Fällung miterlebt hat, wird und kann das nicht so schnell vergessen!
    Jetzt ist klar, wieso die politisch Verantwortlichen nicht den Mut aufbringen und das Rückgrat haben, der Ausführung ihrer Entscheidungen beizuwohnen. Jeden Menschen, der diese Fällungen zu verantworten hat und einigermaßen bei Verstand ist, muss eine solch perfide Aktion (die nur aufgrund niedriger, machtpolitischer Beweggründe stattfinden konnte) eigentlich verrückt machen.
    Dies betrifft ausdrücklich alle an der Fällung Beteiligte (Baumfäller, Polizei, FAAG, ABG, usw.).
    Wir werden erleben, daß bei den anstehenden „Festivitäten“ (Grundsteinlegung, Richtfest, Einweihung) zu diesem vollkommen sinnentleerten, städtebaulichen Debakel die politisch Verantwortlichen sich wieder aus der sicheren Deckung trauen und selbst feiern werden.
    Diese Verlogenheit ist fast genauso unerträglich wie das Miterleben der 3-tägigen Fällung!

  3. Pingback: 3 x erwähnenswert: WOTW Casting, Pappel Tod auf Glauburg Schulhof, Peng Interview › OKAYFRANKFURT

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