„Ihr spuckt auf unsere ausgestreckte Hand, die um Hilfe für die Bäume fleht“

Beim Lesen des Kulturmagazins Strandgut und „Jovi meckert“ in der Stadtbücherei

Gleich am Eingang der Stadtbücherei sind die Regale für Informationsblätter und Broschüren von Initiativen und Institutionen. Heute sammle ich einige neue Infos ein und setze mich damit an einen der vielen Leseorte im Erdgeschoß. Doch zunächst hole ich mir nach und nach die FAZ der vergangenen Tage, weil ich deren Berichterstattung zur Fällung der Bäume für die Quartiersgarage Glauburg-Schule lesen und kopieren will. Die Papierform bleibt mir nach wie vor visuell bewußter in Erinnerung als die online-Artikel. Auf die ich aber auch gern und regelmäßig zugreife, weil das viel flotter geht und kein eigenes Archiv nötig ist. Beim Durchblättern der Januar-Ausgabe 2013 des monatlichen Kulturmagazins Strandgut schaue ich mir die neuen Filme und anderen Kultur-Programme an. Das Kinoprogramm vom Filmmuseum, das ich so gern studiert hätte, war mir wegen der superkleinen Schrift (5 Punkte?) verwehrt, unleserlich, eine Barriere. Die es ja eigentlich nicht mehr geben soll …

Auf Seite 38 des Magazins Strandgut stoße ich auf einen rechten Knaller. Beim Wort „Nordend“ in der Überschrift vorneweg steht „Teaparty im“ lese ich erst Mal den Artikel quer. Unten ist in Versmaß ein Gedicht, in dem „Baum“ vorkommt und „Affen“, im Rap-Modus. Daraus zitiere ich eine kurze Textstelle:

„ihr spuckt auf unsere ausgestreckte Hand,
die um Hilfe für die Bäume fleht.“ (Autor nicht genannt)* siehe letzte Zeile

Eindrucksvoll, wütend, der Zorn in Worte gefaßt und adressiert.
Kann ich sehr gut nachvollziehen.
Bin ja selbst dabei gewesen, wie am Mittwoch dieser Woche das Prachtstück von gesunder 80jähriger Schwarzpappel wegen der Quartiersgarage Glauburg fiel. Wütend. Hoffnungslos.

Dann sehe ich unten als Autor Jochen Vielhauer genannt, der sich in seiner offensichtlichen Spalte „Jovi meckert 57“ “ im gesamten Text im schrägen historischen Vergleich über das böse Volk ausläßt, das ihn mit den anderen Grünen (wen sonst?) in einen anschaulichen und wütenden Text einpackt.

Tja, Jochen, was ist aus dir geworden? Bei der U5 haben wir noch zusammen gegen die Hochbahnsteige gekämpft, ich als Stadtverordnete der FAG, du als grüner Ortsbeirat. Ist überhaupt noch was grün bei dir und den anderen? Ich sehe seit fast zwei Jahrzehnten bei den Frankfurter Grünen kein bißchen grün. Ich war selbst mal Mitglied und stellte fest, wie machtbesessen und unökologisch und überhaupt nicht basisdemokratisch die Frankfurter Grünen sind. Vor Ort war diese Woche Montag bis Mittwoch niemand von euch bei der umweltverbrecherischen Fällung von 16 gesunden Bäumen dabei. Ihr habt euch gedrückt, pflegt keinerlei Basisdemokratie, lebt im Sumpf der Macht. Auf euch ist Verlaß, daß Investoren in Frankfurt alles dürfen, alle Bäume fällen dürfen, so sie wollen. Die 23 Bäume in den Wallanlagen werden auch nicht vergessen. Der Ortsbeirat 1 stimmte dagegen, doch ihr klatscht eifrig Zustimmung zur Vernichtung von denkmalgeschützten Bäumen.

* Horst Erlenkötter ist der im Magazin Strandgut ungenannte Autor

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3 Antworten zu “„Ihr spuckt auf unsere ausgestreckte Hand, die um Hilfe für die Bäume fleht“

  1. Die Grünen im OBR 3 haben jegliches Vertrauen ihrer Wählerschaft verloren. Hier erspart es sich weiterer Diskussionen und man sollte die nächste Kommunalwahl vorziehen. Drei weitere Jahre sind unerträglich.

  2. Ich habe alle meine Gedichte in meinem eigenen Namen geschrieben und unsere BI rausgehalten. Das verschweigt Herr Vielhauer bewusst. Auch hier wird wieder manipuliert, gelogen und unsere BI diffamiert. Er zitiert ohne Erlaubnis und Nennung meines Namens ein Teil mein Gedichtes, kein Schutz vom geistigen Eigentum, stellt es in einem falschen Zusammenhang und regt sich über die verbale Entgleisung auf. Als Frau auf der Heide, die Fällung von 16 Bäumen, das Massaker, als bedauerlich bezeichnete, ist kein Grüner aufgestanden. Ist das keine absolute, verbale Entgleisung? Das ist absolut verlogen. Ja ich muss mich bei den Affen entschuldigen. Denn kein Affe würde seine Umwelt zerstören, 16 alte Bäume unter massiven Polizeieinsatz fällen lassen und Böse handeln. Das können nur Menschen, die Vielhauer mit seiner Stimme unterstützt. Frau Guder war beim Massaker im Urlaub. Auch sie war gegen einen Bau, aber es wäre alles schon zu spät. Um Unrecht zu verhindern, ist es nie zu spät. Wir haben den Polizeieinsatz gespürt. Über unsere Zivilcourage haben sich die Baumfäller und die Polizei lustig gemacht. Unsere Bürgerrechte werden von den Grünen in Frankfurt ausgehebelt.
    Herr Vielhauer sollte unbedingt die „politeia“ von Platon lesen. „Es gibt zwei Feinde der Diktatur, nämlich die Kunst und die Dichtung. Ja die gehören verboten.“, fasse ich sinngemäß zusammen.
    Lyrik und Kunst zerstören nämlich auf Dauer jede Diktatur. Unsere BI besteht auch aus Grünen, Linken, SPD und CDU-Wählern. Alle haben eine eigne Meinung und ein eigenes Gewissen. Unsere Vorsitzende ist nicht Jutta und ich bin auch nicht der Hausdichter der BI. Ich schreibe im eigenen Namen. Aber 24 grüne Stadtverordnete stimmen unisono ohne eigenes Gewissen gegen das Moratorium. Da herrscht Gleichschritt Marsch und Fraktionszwang. Wir waren ohnmächtig, fassungslos, wütend und enttäuscht von unseren gewählten Volksvertretern, die die demokratische Mehrheit missbrauchen für ihr eigenes persönliches Weiterkommen und dann noch die Polizei aufbieten, um uns würdelos zu machen und unsere Heimat zu zerstören. Ein Teil meiner persönlichen Geschichte wurde durch das Baummassaker ausgelöscht. Die Bäume waren mir immer wie Brüder und Schwestern.

    lieber Horst Erlenkötter, du bist der Dichter, ich weiß es seit heute. Deinen Kommentar veröffentliche ich in Absprache mit dir leicht gekürzt. Vielen Dank für dein Vertrauen. Wo veröffentlichst du deine Texte?

  3. Dieser Kommentar spricht mir aus der Seele. Mit ihrer Haltung – einerseits starr, andererseits opportunistisch, Beispiel: Baum-Moratorium im OBR 3 und danach in der Stadtverordnetenversammlung – haben insbesondere die Grünen bei mir wirklich vergeigt. Ich war 2010 bei der öffentlichen Vorstellung der Pläne anwesend (die heutige Planung sieht deutlich anders aus) und erinnere auch, dass es noch im Mai 2012 hieß, es würden keine Bäume gefällt. Die Botschaft vom 4. Oktober 2012 war bekanntlich das Gegenteil. Vor diesem Hintergrund wird jedem, der das Geschehen seitdem verfolgt hat, deutlich, dass das Argument, die Kritiker seien zu spät aktiv geworden, nicht stichhaltig ist. Den Wählern wird gern unterstellt, sie vergäßen schnell. Wir werden sehen, welche Zusammensetzung des Ortsbeirats 3 die nächste Kommunalwahl hervorbringen wird.

    Liebe Rita, danke für diese deutlichen Worte. Gisela

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