Droht dem wichtigen Zeitungskiosk an der Gallusanlage das Aus?

Kiosk braucht eine Perspektive – Daniel Cohn-Bendit als Zeitungskunde

Foto Gisela Becker

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Ich oute mich als Anhängerin der Frankfurter Kioske und Wasserhäuschen. Sie erfüllen ohne viel Aufwand und auf kleinstem Raum eine bedeutende gesellschaftliche Funktion. Das Angebot ist auf die Laufkundschaft abgestimmt. Im Falle dieses Zeitungskiosks in der Ecke der Gallusanlage ist es sogar ein internationaler Kommunikationsort. Denn dort wird auch in japanischer Sprache eingekauft, weil der Eigentümer auch japanisch spricht und Japan-Fan ist. Er macht Urlaub in Japan, dem Land seiner Liebe. Er spricht auch englisch, italienisch und spanisch und stellt sich sofort auf seine Kundschaft in ihrer Heimatsprache ein. Hat ein Gefühl für Menschen und Kommunikation, ist ein Talent. Das mit Japan erzählt er mir, obwohl er mich gar nicht kennt. Das Geplauder, das Gespräch beim Kaffee, ein kleiner Einkauf sind so wichtig für die sozialen Bedürfnisse und Kontakte. Und auch dieser Kiosk soll auf der städtischen Schließungsliste stehen? Wie der Schnellimbiß am Eschenheimer Turm, der zum Glück durch starkes Bürgerengagement weiter existiert? Der Pächter, der mich nicht kennt, erzählt, daß er gerade einen Bescheid der Stadt erhalten habe, daß der Kiosk geräumt werden solle. Die Kündigung sei vom 9.12.2012. Er habe einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Ein anwesender Kunde sagt: „Der Kiosk ist so wichtig auch für die soziale Kontrolle. Und für die Lebendigkeit. Ansonsten ist hier im Bankenviertel und an der Ecke hier in der Kaiserstraße doch alles tot.“ Der Kunde, der in der Nähe auch am Samstag arbeitet und in Rödelheim wohnt, läßt sich einen Kaffee zum Mitnehmen geben.

Daniel Cohn-Bendit als Kunde
Ich sage dem Pächter meinen Namen, sage, daß ich 9 Jahre Stadtverordnete in der Opposition war, FAG und zum Schluß Linke und daß ich mich für die Wallanlagen insgesamt stark mache, für die Grünanlage, für die Bäume. Sein Kiosk sei mir gerade positiv aufgefallen. Vor allem interessiere mich die Toilette neben dem Kiosk, die ja sonst in der Regel von der Stadt nicht genehmigt werde. Ich hatte sie bisher nie wahrgenommen. „Die Stadt hat sie aufgestellt. Sie kostet die Stadt rund 900,00 Euro im Monat“, sagt der Pächter. „Da Sie im Stadtparlament waren: Sie kennen doch sicher Daniel Cohn-Bendit?“ Ich nicke, natürlich kenne ich ihn. „Er war gestern da, um eine französische Zeitung zu kaufen. Er war, als er noch im Römer war, regelmäßig hier zum Zeitungskauf.“

Der Pächter erzählt sympathisch und spannend aus seiner Kiosk-Geschichte weiter: „Den Kiosk gibt es seit 1962, seit 51 Jahren. Seit 1979, seit genau 26 Jahren, habe ich den Pachtvertrag. Vor 15 Jahren wollte ich umbauen, hatte einen Architekten. Das Gartenamt wollte nicht. Jetzt bin ich 59 Jahre. Ich will noch eine Perspektive. Radio FFH war schon da.“ Ich frage nach Kiosk-Angeboten an anderen Standorten. „Ein Imbiß am Ende der Hanauer Landstraße ist ein Angebot.“ Ich frage: „Soll ich die Presse mal herschicken, damit das Problem öffentlich wird?“ Er sagt nicht nein. Also veröffentliche ich hiermit das Problem.

Kiosk als sozialer Mittelpunkt für Alle
Ganz klar: Der Kiosk ist ein sozialer und politischer Mittelpunkt, wo sich „Alle Welt“, Frau und Mann, „Hinz und Kunz“, ob Arm ob Reich trifft und mal schnell einkauft. Das Übliche: Zeitungen, Zigaretten, Wasser oder andere Getränke, unkompliziert, ohne Anstehen, ohne große Entscheidungen. Bei dem Kiosk geht es international zu. Hier kommt die Kundschaft vorbei, die vom Hauptbahnhof durch die Kaiserstraße auf die legendäre Einkaufsmeile Zeil geht.

Ein kleiner Ortswechsel des jetzigen Kiosk in unmittelbare Nähe wäre eine Option. Denn der Bau ist nicht schön. Der Pächter sagt es selbst. Es ist kein historisches Wasserhäuschen. Doch welches Angebot hat die Stadt zur Pacht in unmittelbarer Nähe?

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