Die Ergebnisse des ADFC-FahrradKlimaTests 2012 liegen vor

Dem ADFC-Test fehlt das Qualitätsmerkmal der Geschlechter-Gerechtigkeit

Erfreulich ist die Anzahl der Beteiligten von 80 000 Personen. Bisher unbeteiligte Städte sind mit dabei. Die ADFC-Presseveröffentlichung ist hier zu lesen. Frankfurt verbesserte sich im Ranking von Platz 14 (2005) auf Platz 9 (2012). Nach Berlin fuhren der Frankfurter Verkehrsdezernent Stefan Majer und Helmut Heuser, CDU, um den Preis entgegen zu nehmen. Waren sie umweltfreundlich mit dem Zug oder mit dem Flugzeug dort hin gefahren?

Zu denken gibt mir folgender Satz der ADFC-Presseerklärung: „Die Durchschnittsbewertung verschlechterte sich allerdings im Vergleich zum letzten Fahrradklima-Test 2005: Die Radfahrer bewerteten ihre Kommunen insgesamt schlechter als vor sieben Jahren.“

Insgesamt hat sich die Situation für den Radverkehr also nicht verbessert, kann das bedeuten. Die Beteiligten werten kritisch und wollen einen Qualitätsstandard zumindest gleichberechtigt mit dem Autoverkehr. Als umweltfreundlicher Verkehr können sie beste Standards in den Städten erwarten.

Frauen werden beim FahrradKlimaTest vom ADFC unterschlagen

Die Sprachregelung des Tests insgesamt ist männerorientiert, hat Schlagseite. Beispiel: „Rund 80.000 Radfahrer machten mit.“ Von den wortfaulen Männern wird dann gleich argumentiert, daß Frauen und Männer gemeint seien – blabla. Das ist ein falsches Bewußtsein. Auch bei den Ergebnissen in der Presseerklärung ist nur von Radfahrern, also von Männern, die Rede. Das ist Sexismus pur. Es ist das, was Frauen, die auf Gleichberechtigung und Differenz Wert legen, zu Recht empört. Frauen werden beim ADFC sprachlich und bei ihrem anderen Verkehrsverhalten und ihrer anderen Bewertung unterschlagen. Frauen sind nirgendwo in der Gesellschaft, auch nicht im Verkehr, gleichberechtigt. Frauen sehen oftmals einen anderen Handlungsbedarf, z.B. sichere Schulwege zu Fuß und mit dem Rad. Es gibt klare Unterscheidungsmerkmale, die herausgearbeitet und benannt werden müssen.

Frauen haben ein anderes Mobilitätsverhalten als Männer. Dazu gibt es reichlich Untersuchungen. Auch bei der Präsentation der Ergebnisse fällt auf, daß es eine Männerkür ist. In Frankfurt ist das Radfahrbüro, zwar sicherlich eine fleißige und positive Einrichtung, nur von Männern besetzt. Nach EU-Gesetz sind alle Untersuchungen, alle Organisationen, alle Strukturen, alle Abläufe, alle Ergebnisse zu gendern (Geschlechter-Demokratie). In Frankfurt hatten wir dazu eine gründliche Debatte mit Stadtregierung, Stadtverwaltung und Stadtverordnetenversammlung.

Dem ADFC-Test fehlt das Qualitätsmerkmal der Geschlechter-Gerechtigkeit. Die Untersuchung sollte nun so aufbereitet werden, daß die Differenz von Frauen und Männern herausgearbeitet und dargestellt wird. Denn im Fragebogen wurde nach männlich und weiblich gefragt. Und im ersten Satz wurde die „Radfahrerin“ bzw. der „Radfahrer“ explizit angesprochen. Dem guten Anfang sollte die differenzierte Ergebnisdarstellung entsprechen. Die männliche Sichtweise und Erfahrung des Radfahrens schneidet unter Umständen anders (schlechter oder besser) ab als diejenige von Frauen, wenn die notwendige Geschlechterdifferenz herausgearbeitet wird.

Meine Stimmabgabe beim ADFC-Test gehörte zu den sehr kritischen. Das hatte ich hier im blog veröffentlicht. Ich bin couragierte Alltagsradlerin und benenne die Mängel klar. Noch immer sind nicht alle meine Meldungen, die ich auf die MeldePlattform Radverkehr – auch ein gutes Instrument! – stellte, beseitigt.

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