Verlust von Bänken, Büschen und Bäumen am Südeingang des Palmengartens

Freie Zufahrt für Autos ohne jegliche Kontrolle des wilden Parkens

Fotos Gisela Becker

Fotos Gisela Becker

Tristesse im Palmengarten

„Wo sind die Bänke? Wo sind die weißen Bänke mit der Rückenlehne?“ empört sich Hilde Hess, die mit Gisela Becker, beide von der Initiative Rettet die Bäume und Mitglieder der BI Grüneburgpark, zur Begehung des Südeingangs des Palmengartens am 7. Februar um die Mittagszeit eingeladen haben. Hess: „Schauen Sie, es gibt nur noch Bänke ohne Rückenlehne.“ „Alle Büsche im westlichen Bereich sind weg. Den Autoparkplatz konnte ich früher gar nicht sehen, weil alles davor Grün war“, ergänzt eine Teilnehmerin. „Vor dem Gesellschaftshaus waren Pinien. Die haben Schatten gespendet. Da drunter konnte ich mit meiner Mutter sitzen. Jetzt ist kein Baum mehr da.“ „Im Sommer heizt das Kopfsteinpflaster und die offenen Terrassen entsetzlich auf. Wir haben immer heißere Sommer. Nichts davon wurde berücksichtigt,“ kritisiert eine Teilnehmerin. „Schauen Sie, die Lampen an den Wegen sind jetzt mittags an, auch die Bodenstrahler. Und hier sind Bodenstrahler unter den hohen Bäumen. Sie sind an. Wird denn überhaupt keine Stromeinsparung im Palmengarten beachtet?“ fragt Gisela Becker. „Den Chef, Matthias Jenny, deswegen anzuschreiben, hat gar keinen Sinn. Der antwortet nicht. Und der Ortsbeirat kümmert sich nicht.“

Die Gruppe läuft über das großflächig angelegte sehr holprige Kopfsteinpflaster, das für mobilitätseingeschränkte Menschen eine Strapaze ist. Die Autos können im Bereich des Südeingangs auf den gepflasterten Flächen überall wild parken, denn es gibt keine Schranke mehr. Die AutoZufahrt ist völlig frei und unkontrolliert. Ein paar rot-weiße Ketten, die dort quer hängen, beeindrucken doch nicht. Sie sind schnell entfernt, wenn es um ein Auto geht.

Dann steht die Gruppe vor dem neuen viel zu großen Kassenhaus aus Holz und dem MetallZaun und dem HolzZaun und schaut hindurch in den Palmengarten. „Am Hang zum Weiher waren überall Rhododendren und viel mehr Bäume. Alles ist weg.“ Alle kritisieren, daß der Kinderspielplatz viel, viel kleiner geworden ist, als er vorher war. Er liegt unattraktiv hinter dem hohen Zaun, so daß erst eine Eintrittskarte zum Palmengarten gekauft werden muß. Das Papageno-Theater ist außerhalb des Zauns. Die Kinder können Theaterbesuch und Spielplatz nicht mehr miteinander verbinden. Dabei leben wir in Zeiten, wo Mauern und Zäune verschwinden sollten! Eine Teilnehmerin sagt, daß das Tor an der Zeppelinallee oft geschlossen sei. Dort sei kein Automat für die Jahreskarte und keine Drehtür dafür. So kann sie nicht mehr wie gewohnt passieren. Es gibt die Drehtür nur zum Verlassen des Bereichs. Ist das ein dummer Fehler oder systematische Fehlplanung? Früher konnten alle mit ihrer Jahreskarte von der Zeppelinallee durch den Palmengarten bis zur Siesmayerstraße hindurch laufen. Das war insbesondere für Studierende eine wichtige Wegeverbindung vom Campus Bockenheim zum Campus Westend. Nur wenn das breite Tor aufsteht, ist die Passage möglich. Die Öffnungszeiten für das große Tor sind jedoch unbekannt.

Die Gruppe besucht auch neugierig die Speisekarte des Luxusrestaurants La Fleur im Palmengarten-Gesellschaftshaus. Sie genießt begeistert auf einen Blick das Business Lunch mit drei Gängen zu 42,50 oder 45,00 oder 47,50 Euro. Die Suppe mit Entenleberknödel gibt es schon zu 19,00 Euro, die Kichererbsensuppe kostet nur 21,00 Euro. Desserts von Mango oder Apfel oder Schokolade gibt es günstig zwischen 19,00 und 26,00 Euro. Die Vorspeise Entenleber für 32,00 Euro, die in der Frankfurter Presse heiß diskutiert und kritisiert wurde, ist weiter im Sonderangebot. Als wir das Restaurant betreten, werden wir so empfangen, als würden wir stören und nicht Gäste sein. Keine feine Art. Die Gruppe hat einen Eindruck von LaFleur gewonnen.

Wir gehen im Treppenhaus dann hoch und betreten die Empore des Prachtsaales. Es lohnt sich immer wieder, in den restaurierten Festsaal zu kommen. Einige erinnern sich an Karnevalsfeste oder Tanzfeste, die sie dort verbracht haben. Damals waren die jetzt freigelegten Malereien allerdings von Holzpaneelen aus der Ära Ernst May verdeckt. Diejenigen, die heute das erste Mal im Festsaal sind, sind begeistert. Auch vom Blick durch die Fenster ins Palmenhaus sind sie freudig überrascht. Hinter uns geistern dauernd zwei Männer als Aufpasser rum, die uns im Grunde nicht dulden, obwohl das Gesellschaftshaus allen Bürgerinnen und Bürgern gehört und täglich besichtigt werden kann, sofern keine geschlossene Veranstaltung gestört wird. Wir stehen unsere Frau und bleiben eine Weile zum Schauen.

Direkt neben dem Gesellschaftshaus ist der hohe, neue, häßliche, dunkelgraue MetallZaun als Abwehr. Wir passieren mit Jahreskarte und Automat die Drehtür nahe der Musik-Muschel. Kommt da jemand mit Rollstuhl oder Rollator rein und raus? Hilde Hess macht dort am Weg auf den Verlust der Beete, auf denen im Sommer die Fuchsien standen, und auch hier auf die völlig bankfreie Zone aufmerksam. Denn die historischen weißen Bänke, die mit der geschwungenen Rückenlehne, sind weit und breit nicht zu sehen. Schön, angenehm, bequem und seniorenfreundlich ist was anderes. Zur Toilette geht es über die holprig gepflasterte Rampe bzw. eine Treppe hoch.

Einige machen sich zum Schluß noch auf, um den Teich zu umrunden und zu prüfen, ob der neue Weg ohne Treppen ist, damit Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen dort problemlos ohne Barrieren entlang fahren können. Vom Ergebnis lasse ich mir noch berichten.

FR 8.2.2013 Hier war überall Grün
FR 8.2.2013 Fotostrecke http://www.fr-online.de/fotostrecken-frankfurt,1474580,21698334.html

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s