Im Grüneburgpark blühen nun Winterlinge und Schneeglöckchen, die Geophyten sind

WinterlingeBis vor einem Jahr war mir der Begriff Geophyten unbekannt. Im Zusammenhang mit der Diskussion um das „Parkpflegewerk Grüneburgpark“ hieß es dann, Geophyten seien Frühlingsblüher, die Knollen oder Zwiebeln haben. Im Internet finde ich den Begriff Geophyten für Pflanzen mit Überdauerungsorgan wie Rhizom, Knolle, Zwiebel, das im Boden liegt und sich ungeschlechtlich vermehrt. Die Geophyten wurden in grobem Raster im Grüneburgpark im Zusammenhang mit der sogenannten Grundsanierung vor einigen Jahren erfaßt. Eine bessere, aktuelle Untersuchung soll es für den Artenschutz noch geben, hieß es. Doch ob das wirklich ernst gemeint war? Wer Natur liebt, findet auf der Südwiese eine ganze Anzahl Frühlingsblüher. Zur Zeit sind es Teppiche mit gelben Winterlingen und am humusreichen Rand der Gebüsche Schneeglöckchen. Die Scilla haben Knospen. Der Aronstab treibt prächtige Blätter aus. Das Gänseblümchen blüht auch im Winter.

Auf die Blüten von Scharbockskraut, Goldlauch, Schnittlauch, Anemone blanda, Lerchensporn, Veilchen und Bärlauch muß noch eine Weile gewartet werden. Puschkinie, Schneestolz blühen ebenfalls später. Die meisten Arten wurden wahrscheinlich gärtnerisch in den Park eingebracht genau so wie Krokusse, Narzissen, Tulpen, Hyazinthen und Kaiserkronen. Es gibt Bestände in verschiedenen Parkbereichen, die möglicherweise nicht gründlich genug erfaßt worden sind, so daß sie bei einem Sanierungswahn vernichtet werden. Viele Kulturpflanzen wurden anläßlich des BundesgartenschauWahns vor 1989 eingebracht, z.B. die Massen an Scilla und Schneeglöckchen unter den Bäumen nördlich der ehemaligen Grüneburg bzw. dem ehemaligen Rothschild-Palais. Nach Traubenhyazinthen muß ich noch mal speziell gucken.

Da im Grüneburgpark auch keine aktuelle, gründliche Erfassung aller Bäume, Höhlenbäume, Sträucher, Wiesenblumen sowie der Tiere (außer einer Brutvogelkartierung 2012 und einer Fledermauskartierung 2006(!)) für den Bestands- und Artenschutz gemacht wurde, ist die Unkenntnis trotz beabsichtigter „Grundsanierung“ enorm.

Naturzerstörung hat in Frankfurter Parklandschaften Priorität vor Natur- und Artenschutz.

Nachtrag ein Jahr später am 8.2.2014:

Die Blütezeiten der Winterlinge usw. haben sich gegenüber dem Frühjahr 2013 nicht verändert, obwohl dieser Winter 2013/2014 fast frostfrei und bisher ganz schneefrei ist.

Der Artikel wird häufig angeklickt. Danke!

Nachtrag am 27.2.2014
Die Expertin für den Geophyten-Bestand im Grüneburgpark, Monika Peukert, bietet am Donnerstag, 27.3.2014 um 16 Uhr im Auftrag des Grünflächenamtes einen öffentlichen Rundgang an, bei dem sie die neueren Untersuchungsergebnisse erläutert. Alle sind eingeladen. Treff ist das ParkCafé. Monika Peukert ist Mitglied im Naturschutzbeirat für die Botanische Vereinigung für Naturschutz in Hessen (BVNH).

Wir freuen uns seitens der Bürgerinitiative Grüneburgpark, daß das Grünflächenamt bzw. das Umweltdezernat sie als Referentin gewonnen hat (und auch bezahlt). Um die Führung und um die aktuellen Untersuchungsergebnisse haben wir gebeten. Noch sind sie uns nicht geschickt worden.

Wir haben das Umweltdezernat um weitere naturkundliche Spaziergänge im Grüneburgpark gebeten. Doch das Umweltdezernat bietet nur an, uns ReferentInnen zu benennen. Warum zeigt das Umweltdezernat so wenig Engagement? Schließlich es das unterstellte Umweltamt im Grüngürtel außen um die Stadt mit viel InformationsProgramm und vielen eigenen oder extra engagierten Leuten unterwegs. Die Schieflage zu Gunsten des äußeren Grüngürtels und zum Schaden der innerstädtischen großen Grünflächen gilt es zu beheben.

Wenn wir ReferentInnen engagieren, hieße es ja, daß wir sie privat aus unserer eigenen Tasche bezahlen müßten. Wir möchten aber erreichen, daß das Umweltdezernat selbst großen Wert darauf legt, das Landschaftsschutzgebiet Grüneburgpark in all seiner Biodiversität zum SchutzProjekt zu machen. Das geht nur bei genauer Kenntnis und jahrelanger Erfahrung mit Flora, Fauna, Böden und Wasserhaushalt im Park. Das gilt es mit Bürgerbeteiligung und amtlicher und naturwissenschaftlicher Kompetenz ein paar Jahre gründlich zu erforschen. Unser Ziel ist eine ökologische Pflege.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s