Orgelklänge am Nachmittag mitten in der Stadt

Jeden Montag und Donnerstag 30 Minuten ab 16.30 Uhr in der Katharinenkirche an der Hauptwache, kostenfrei

OrgelmusikBeim gestrigen Stadtbummel war ich gerade bei der Katharinenkirche, der Stadtkirche, und nahm zur Musik von Martin Lücker an der Rieger-Orgel auf einer harten Holzbank an der Seite mit Blick auf die Orgel Platz. Doch als die zarten, hohen, leichten Klänge begannen, schloß ich die Augen, um in der Gegenwart der Klänge zu sein. Sie sind für mich Meditation, eine Selbstheilung, eine Besinnung auf mich selbst, auf meine Gefühle. Zwei lange Stücke stimmten fröhlich, leicht, frühlinghaft. Dann kam eine Pause, die etwas anderes ankündigte. Ja, es war dann eine gewaltige, laute Inszenierung, die ganz andere Saiten in mir ansprach. Es ging um Kraft, Wut, Trauer, Freude, Ausdruck, Emotionen und sich mit allen Stimmungen und Gefühlen sortieren und einverstanden erklären. Zwischendurch blickte ich um mich und zählte rund 70 Personen, Männer und Frauen, verteilt in den braunen, steifen Kirchenbänken, historische Bänke, die jede Person für sich lassen und soziale Beziehungen, Blickkontakte und Gespräche größtenteils verhindern. Begeistertes Klatschen gab es am Ende des Konzertes. Der Künstler verneigte sich. Alle strebten schnell hinaus ins Tageslicht. An der Tür schaute ich auf der Tafel nach den Namen der Musikstücke: Sweelinck, Bach und Reger.

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