Es klingt so verniedlichend, wenn von der Anzahl der Baumfällungen gesprochen wird

In einem Gespräch der FAZ-Journalistin Mechthild Harting mit Bernd Roser vom Grünflächenamt heißt es im heutigen Artikel im letzten Absatz: „Insgesamt klingt es immer so, als ob wir ganz viele Bäume fällen. Es sind im Schnitt 800 bis 1000 Stück im Jahr. Gemessen an der Zahl der Bäume, die wir an den Straßen und in den Grünanlagen in Frankfurt zu pflegen haben, fällen wir durchschnittlich jedes Jahr 0,5 bis 0,6 Prozent unseres Baumbestandes. Und das geschieht nur aus Gründen der Verkehrssicherheit, also damit niemand zu Schaden kommt. Das ist nicht viel, oder?

Hier wird der Rechenfehler deutlich, der im Grünflächenamt und erst recht im Planungsamt, bewußt oder nicht bewußt gemacht wird. Denn es handelt sich bei möglicherweise zu fällenden, kranken Bäumen in der Regel um alte, große Bäume, manchmal Urgesteine mit mächtigen Kronen. Für jeden großen Baum ist eine ökologische Rechnung aufzumachen. Für eine alte Buche sind es beispielsweise 2000 Ersatzbäume. Die ökologische Rechnung sollte das Umweltdezernat ins öffentliche Bewußtsein rufen. Für die acht gesunden, riesigen Platanen, die an der Hochstraße für das Umspannwerk und das Luxushotel gefällt wurden, müßten also xxx Platanen dort in der Nähe und auf jeden Fall am Straßenrand gesetzt werden, nicht in eine bestehende Grünfläche drei Stück, wie 2012 geschehen.

Wann werden die MitarbeiterInnen im Grünflächeamt in der Gesellschaft seit Jahrzehnten bekannte ökologische Zusammenhänge in ihre Denk- und Handlungs-Maximen übernehmen? Wann wird dort ein großer Baum nicht mehr gegen einen kleinen gegengerechnet? Was sollen die aberwitzigen Prozentzahlen? Bei Kronen und Laubmasse und ökologischem Wert für Klima-, Tierschutz, Filterwirkung usw. kommt eine ganz andere Zahl, ein ganz anderer Prozentsatz zustande. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig als Biologin und Fachfrau den Wissensstand im Amt und die Diskussion in eine ökologische Richtung lenkt. Es ist überfällig.

Es ist übrigens so, daß die Vögel viele Reviere zum Nestbau und Brüten bereits im warmen Winter absichern. Die Festlegung, daß ab 1. März bis Ende September Fällungen verboten sind (außer Verkehrssicherheit) ist durch den Klimawandel und auch besonders in den überwärmten Stadtgebieten nicht mehr haltbar.

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