Gymnasiasten vermüllen bei Abi-Party den Grüneburgpark

Scherben AbiMüll im Grüneburgpark

AbíMüll im Grüneburgpark„Was ist denn hier los,“ fragt eine Joggerin. Der Landschaftsgärtner des Grünflächenamtes, der eine graue Mülltüte und eine Greifzange in den Händen hält, antwortet ihr, daß der Müll von der gestrigen Abi-Feier nach der schriftlichen Prüfung sei. Jedes Jahr, seit 10 Jahren vermüllen Gymnasiasten am Freitag vor den Osterferien den Grüneburgpark. Dieses Jahr sei es noch schlimmer als letztes Jahr. Angemeldet sei die Party nicht. Deshalb sei niemand greifbar als verantwortliche Person. Die Polizei traue sich nur mit dem Auto durch den Park, wenn dieser flashmob stattfinde. Die Joggerin fragt: „Bei wem kann ich mich beschweren?“ Achselzucken ist die Antwort. „Ich werde am Montag die 115 anrufen“, sagt sie.

Die zwei Männer vom Grünflächenamt machen auf Kosten der Steuerzahler den Dreck der Gymnasiasten mehrere Tage lang weg. Mit Überstundenvergütung heute am Samstag, wie sie sagen. Die vielen Scherben müßten bis Montag warten. Gerade sehe ich, daß ein Kind quer durch den Müll mit den Scherben läuft. Die klitzekleinen Scherben müssten sorgfältig entfernt werden. Hier auf der Wiese wird bei Sonnenschein barfuß gelaufen. Die Gymnasiasten hätten Alkoholflaschen offensichtlich extra zertrümmert. Sie hätten jetzt schon 8 Säcke mit Plastik, Papier und Flaschen gefüllt. Die extra aufgestellten 8 großen Papierkörbe wären alle leer geblieben.

Ein Lehrer mit rotem Anorak räumt mit viel Wut auf die Gymnasiasten jede Menge Flaschen in die leeren Abfallbehälter. Kein Gymnasiast läßt sich angesichts der mit Müll überstreuten großen Wiese blicken. Leere Flaschen von Wodka, Bier, Whisky, Jägermeister, Sekt liegen kreuz und quer. Der Wind bläst Plastiktüten durch die Anlage. Ein entsetzlicher Anblick ist solch ein ungepflegter Park.

Gestern war das Bildungswerk mit ehrenamtlichen Kräften da, um zum Einsammeln der Flaschen zu animieren. Für einen vollen Eimer gab es ein Musikstück und eine Süßigkeit. Viel kam mit den Eimern nicht zusammen, wie heute noch im Grüneburgpark zu sehen ist, weil die vollen Eimer dort stehen.

Am Freitag durchquerte ich um 17 Uhr den Park und sah die Menschenmasse von etwa 1000 Personen mit Plastiktüten voller Alkoholika. Es kamen im Laufe des Abends immer mehr dazu, auch ehemalige. Ich fragte gestern an dem Stand des Bildungswerks nach, wie sie mit dem Müll umgehen und wer heute verantwortlich sei. Eine Person am anderen Zelt sei verantwortlich. Die Musik, insbesondere die Bässe, dröhnten, wenn ein voller Eimer mit Flaschen bei dem ehrenamtlich arbeitenden Team, den Gut-Frauen, abgegeben wurde. Ich fragte nach einer Toilette für die vielen Menschen. Die Leute würden in die Uni zur Toilette geschickt. Das nächste Jahr würden sie das Thema auf die Agenda setzen. Die meisten pinkelten und kotzten überall in den südlichen Randbereichen hinter Büschen und Bäumen hin. Widerlich und unhygienisch.

Die Leute vom Grünflächenamt, die den Park pflegen, sind nicht zu beneiden. Es droht nach der mündlichen Abi-Prüfung vor den Sommerferien eine weitere Zerstörungs-Party im Grüneburgpark. Doch die hätte nicht diese Ausmaße, sagt ein Mitarbeiter des Grünflächenamtes. Diesmal sei ein Ast von einem Baum abgebrochen worden. Eine Bank sei kaputt.

Der Botanische Garten hatte sein Tor zum Grüneburgpark geschlossen. Auch der Koreanische Garten war geschlossen. Denn diese Gymnasiasten-Zerstörungs-Party im Grüneburgpark ist verrufen. Doch alle gucken weg!

Politisch versagen alle. Die grüne Bildungsdezerntin. Die grüne Umweltdezernentin. Der grüne Bürgermeister. Der SPD-Oberbürgermeister. Der Ortsbeirat. Die Stadtverordneten. Das Laissez-faire ist in Frankfurt charakteristisch für den zerstörerischen Umgang mit Parkanlagen und deren Vermüllung. Die Polizei kann das Versagen nicht richten.

Bei den Gymnasiasten handelt es sich um Erwachsene eigentlich mit einem bürgerlich hohen Bildungsabschluß. Von der langen, teuren Schulbildung sollte die StadtGesellschaft profitieren, statt jedes Jahr einen solch immensen Schaden in der Grünanlage davon zu tragen. Das bürgerliche Bildungssystem scheint zum Kotzen zu sein.

Ökologie ist kein Thema in den Frankfurter Schulen, so sieht es aus. Verantwortung ist kein Thema in den Frankfurter Schulen. Eigenen Müll wieder mitzunehmen, ist kein Thema in den Frankfurter Schulen. Andere den eigenen Dreck wegmachen zu lassen, ist offensichtlich für Frankfurter Gymnasiasten selbstverständlich, arrogant und menschenverachtend.

In jeder Schule ein Projekt für Umweltschutz und Grünflächenschutz im letzten Schuljahr vor dem Abitur kann sicherlich nicht das in 8 oder 9 Schuljahren am Gymnasium versäumte nachholen. Da braucht es mehr Engagement in den Schulen für nachhaltige Umweltbildung.

Die FR berichtet heute, daß gestern 10 Schüler von Notärzten versorgt werden mußten. Nur 10? In der FR sind neue Regeln für die Abi-Feier in Bad Homburg genannt. Das Gelände ist eingezäunt und eine Security kontrolliert die Alkoholika.

Nachtrag:
Die schlagende Verbindung Alsatia war mit einem Stand vor Ort und animierte zum Wetttrinken. Das berichtet die FR am 26.3.2013 in einem großen Artikel von Sabine Hamacher „Schulen stärker einbinden“ und von Georg Leppert „Wettsaufen in Uniform“ mit Fotos von Stephan Morgenstern.Alle drei Reporter waren also Augenzeugen.

FR-Artikel hier

Es ist zu prüfen, ob dieser Stand genehmigt war. Sonst ist es eine Ordnungswidrigkeit mit entsprechenden Sanktionen. Hat sich die Stadt damit befaßt? Hat jemand parlamentarisch nachgefragt?

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