Artenvielfalt der Pilze im Grüneburgpark – Thema von Stadt vernachlässigt

Winterporling

Zedern-Sandborstling

Pilzspaziergang 12.4.2013

In die Wunderwelt der Pilze führt der Spaziergang im Grüneburgpark am Freitag, den 12.4.2013 ein. Zu der kurzweiligen und interessanten Erkundungs- und Forschungstour hat die BI Grüneburgpark eingeladen und als Fachexperten Helmut Sandau und Brigitte Unger, Vater und Tochter, von den Pilzfreunden Sulzbach gewonnen. Die Aprilsonne setzt sich gegenüber den Regenwolken durch, es ist seit wenigen Tagen auch endlich wärmer geworden, so daß die Laune steigt und die Fotos zur Pilzkunde farbenfroh werden. Zwölf Interessierte haben sich eingefunden. Die Einladung ist hier im blog nachzulesen. Erfreulich ist, daß Judith Könecke, Frankfurter Rundschau, mit einem engagierten Fotografen, Herrn Arnold, dabei ist. Der Bericht „Auf Pilzsuche im Grüneburgpark. Mehr als 150 verschiedene Sorten“ ist schon am 13.4.2013 in der FR, danke sehr!

Zottiger Schillerporling an Platanen
Zunächst führt der Weg auf Bitte von Gisela Becker zu den Platanen Nr. 43 und 44 in der PlatanenAllee der Siesmayerstraße, an denen in etwa 6 Meter Höhe die Fruchtkörper von Porlingen zu sehen sind, mittlerweile alt und schwarz. Ein abgefallener, auf dem Boden liegender Porling wird von Helmut Sandau als Zottiger Schillerporling identifiziert. Doch er nimmt vorsichtshalber zur genaueren Untersuchung eine Probe mit. Spezialisten machen das so.

Ob der Zottige Schillerporling für die Platanen eine Gefahr darstelle? Nein, nicht unmittelbar. Doch sei es ein Anzeichen von einer Schwächung der Bäume. Gisela Becker weist auf die Platane daneben mit der Nr. 42 hin, die vor paar Tagen neu gepflanzt worden ist. Was war der Grund der Fällung? Auf jeden Fall sind die Bäume dort nicht vor parkenden Autos geschützt. Eine mail ans Grünflächenamt brachte wenigstens zwei große Sandsteinblöcke zum Schutz der Platane Nr. 42. Das reicht nicht.

Weiter im Grüneburgpark: Zedern-Sandborstling
Helmut Sandau lenkt unsere Schritte unter die LibanonZeder links vom Hauptweg, auf dem wieder die morastige Pfütze in Höhe des Verkehrsgartens zu „umschiffen“ ist. Unter der Zeder Pilze? Erst mal das Auge dran gewöhnen. Dann sehen wir den ersten braunen Pilz, eine kleine Schale mit weißem Innenfutter, einen Becherling. Neugierig sind wir alle wie bei einer Goldsuche, die kleinen Pilze inmitten des gelb blühenden Scharbockskrautes zu entdecken. Schon am Anfang diese Begeisterung in der Gruppe für die Vielfalt der Pilzwelt! Wir lernen hier den Zedern-Sandborstling kennen, der in Symbiose mit der Zeder lebt. Kann man den essen? Nein, so die Expertenantwort. Mit Lupe schauen wir uns reihum in Folge die speziell geformten Poren oder Blätter der Unterseiten der entdeckten Pilze an, eines von mehreren wichtigen Identifikationsmerkmalen. Das macht Spaß, sehen wir die Pilze teils zum ersten Mal von allen Seiten.

BuckelTramete, BirkenBlättling und OhrlappenPilz an einem Baumstumpf vereint
An dem Stamm einer dicken Gemeinen Esche ein Stück weiter nahe dem Hauptweg sind auch Fruchtkörper von Porlingen in der Höhe zu sehen. Ein alter, sehr großer schwarzer Fruchtkörper liegt am Boden. Vermutlich auch ein Zottiger Schillerporling. Genaueres werde nach SpezialUntersuchung mitgeteilt, verspricht Helmut Sandau.

Ein paar Schritte weiter sehen wir an einem Baumstumpf einer alten Kastanie dekorative, helle Trameten. Es sind einige Buckeltrameten. Daneben wachsen Birkenblättlinge und der Ohrlappenpilz, eine richtige Fundgrube. Es sind Zersetzer, erklärt uns Helmut Sandau, altes Holz wird zersetzt. Wieder werden durch die Lupe die Unterseiten untersucht, die die phantastische Gestaltungsvielfalt bei Pilzen offenbaren. Die Artenvielfalt der Pilze im Grüneburgpark ist groß.

Das geschulte Auge der Pilzfreunde Sulzbach hat am Totholz einer nicht geschnittenen Zierkirsche auf Höhe des Eingangs des Botanischen Gartens zwei weitere Pilzarten entdeckt. Dort zeigt uns Helmut Sandau die Zinnoberrote Tramete, die wir in unserer Hand reihum begutachten und die Rötende Tramete. Eignet sie sich zum Färben? „Ja“, antwortet Brigitte Unger. „Wenn der Pilz pulverisiert wird, kann er zum Beispiel zur Färbung von Papier verwendet werden.“

Harziger Lackporling an Roteiche
An einer Amerikanische Roteiche zeigt sich der Harzige Lackporling. Auf der Wiese zeigt uns Herr Dietz, ein Teilnehmer, einen Winzling an Pilz. Es ist der Winterporling, der auf verrottendem Holz wächst. Angebrannter Rauchporling, Mycel vom Hallimasch an Totholz, flacher Lackporling und Feuerschwamm findet die forschende Gruppe an weiteren Stellen. An trockenen Brennesselstängeln zeigt Helmut Sandau Minipilze, mit der Lupe besser zu erkennen: Rotpustelpilz und zugespitzter Kugelblitz.

Wir verabreden mit den Pilzfreunden Sulzbach, die seit längerem ein wissenschaftliches Pilzkataster für den Grüneburgpark anlegen, in dem bereits rund 150 Pilzarten erfaßt sind, daß wir immer mal wieder Pilzmeldungen mit Standort und Art austauschen, um mehr über die Artenvielfalt der Pilze im Park zu erfassen und das Umweltdezernat näher an das aus unserer Sicht notwendige Ökologische Pflegekonzept des Landschaftsschutzgebietes heranzuführen. Was ja bislang abgelehnt wird. Grünflächenamt, Umweltamt und Untere Naturschutzbehörde waren ausdrücklich zum PilzSpaziergang eingeladen worden. Von dort kam leider eine Absage. Eigene naturkundliche Spaziergänge durch das Umweltdezernat, die wir für 2013 anfragten, wurden nicht rückgemeldet. Die Antwort blieb aus, null Bock.

Gibt es auch Speisepilze im Park?
Ja, im Oktober 2012 fanden wir beim Spaziergang zu den Bäumen Champignons auf der nördlichen Wiese, berichtet Gisela Becker. Vom Essen der Speisepilze wird wegen der Pinkelei und dem Hundekot mehr ab- als zugeraten. Nehmen Pilze Schwermetalle auf? Ja, zum Beispiel Champignons. Mehrere sagten, daß sie seit Tschernobyl 1986 (SuperGau im russischen Atomkraftwerk) keine Speisepilze mehr sammeln würden. Ein Teilnehmer, der sich sehr gut bei den Pilzen im Grüneburgpark auskennt, hat im Sommer und Herbst Perlpilze gefunden.

Die BI Grüneburgpark wird mit weiteren naturkundlichen Spaziergängen im Park den Blick auf die Artenvielfalt (Biodiversität) und die besondere Schutzbedürfigkeit dieses Landschaftsschutzgebietes lenken, damit die „Sanierung“ nicht mehr schadet als nutzt.

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