AprilWanderung im Frankfurter Grüngürtel bei hellgrünem Laub

Kirschenallee

SchwanheimerDünen

Struwelpeter

Wanderung 21.4.2013

Rund 15 km folgen wir nicht der Jakobsmuschel sondern dem weißen, offenen Kreis mit SonnenPunkt

Zum Start der Tour „Schwäne und Schweine“ an der S-Bahnstation Nied finden sich um 13.30 Uhr 55 Personen ein. Ich habe die Wanderung wegen des Mittagsstarts ausgewählt, weil ich morgens noch allerhand Briefe und Texte zu erledigen hatte. Die Wanderführung heute hat Rainer Zimmermann vom Umweltamt, das in diesem Jahr wieder einige Spaziergänge rund um Frankfurt anbietet. Der Himmel ist bedeckt, so daß es sich bei Temperaturen unter 20 Grad gut laufen läßt. Um es vorwegzunehmen: Am Ziel, der Oberschweinstiege, sind es immer noch 30 wackere Wanderinnen und Wanderer. Gefolgt wird dem meist weißen offenen Kreis, manchmal hängt das Zeichen auch in grün-blau-gelber Ausführung da. An einer Kreuzung wird falsch gelaufen, weil die Markierung nicht auf den ersten Blick zu sehen ist. Also zurück und richtig abgebogen. Rainer Zimmermann lobt den mitwandernden Ingolf Grabow, der jedes Jahr die Wegmarkierung auf Vollständigkeit überprüft. Da ist er allerdings die 65 km lange Gesamtroute eine Woche lang mit dem Fahrrad unterwegs, verrät er mir. Ingolf Grabow, der Vogelspezialist und Mitglied im Naturschutzbeirat, der beim Gesang eines Vogels auf eine Mönchsgrasmücke tippt. Was ist auf den Feldern eigentlich angepflanzt? Kleine Bäume? Weihnachtsbäume? Es sind auf jeden Fall reihenweise Mini-Nadelbäume. Näheres läßt sich nicht bestimmen. Einige Feldstreifen haben zwei- bis dreijährige Bäumchen. Eine Baumschule an ungewöhnlichem Ort.

Bohlenweg durch Schwanheimer Dünen
Das erste Ziel der Wanderung, das viele angelockt hat, sind die Schwanheimer Dünen mit dem Holzbohlensteg. Er ist reparaturbedürftig. Mir gefällt die Patina. Einige frische helle Bohlen passen nicht so recht ins Bild. Im Sand sind viele Sandwespen zugange. Imposant sind die verrenkten Kiefern, deren Äste am Boden beginnen. Von den früheren Kirschbaumpflanzungen, die auf dem trockenen Sand nicht gediehen, stehen noch einige Bäume als Erinnerung. An einer Straße wurde in jüngerer Zeit eine Allee mit Süßkirschen gepflanzt. Für alle zum Naschen, heißt es von Rainer Zimmermann. Sie beginnen gerade mit der Blüte. Die Straße ist auf die Hälfte zurückgebaut worden. „Das ist meine Vision: Daß in Frankfurt sämtliche Straßen halbiert werden. Das wäre ein ökologischer Gewinn,“ teile ich enthusiastisch mit. Das sei unrealistisch, wird mir von den angepaßten Realisten sofort gekontert.

Komische Kunst

Am Wegrand sind einige Objekte der Komischen Kunst anzutreffen. Der Struwwelpeter ist kurz geschoren. Seine Augen sollen nachts leuchten. Auf der Struwwelpeter-Kopfweide wachsen etliche Porlinge. Kurz danach verliert eine Frau beim Wandern eine Schuhsohle, die sie mit Schnurband provisorisch befestigt und zur nächsten Haltestelle läuft. Beim Start wurde die GrüngürtelKarte verteilt, auf der unser Wanderweg in Blau gut eingezeichnet ist. Die MonsterEicheln liegen zu dritt am Wegrand. „Endlich im Wald“, sage ich zu meiner Nachbarin. „Es ist sofort besser zum Atmen“, stellt sie fest. Durch die offene Feld- und Wiesenlandschaft zwischen Main und Wald – mit Ausnahme der Dünen – wäre ich auf den breiten, staubigen, harten Wegen lieber mit dem Rad schnell durchgefahren. Der Mischwald ist licht, die Buchen haben hellgrüne Triebe und kleine Blättchen. Es gibt einige über hundertjährige HuteEichen (Hute von hüten. Schweine wurden zur Mast in den Wald getrieben.) Der Wanderweg im Wald entlang der steil abfallenden Kante, der Kelsterbacher Terrasse, gefällt mir besonders gut. Ein sauberes Schild weist dort auf Hügelgräber und Werkzeugfunde aus der Vorzeit hin. Es wird gemütlich spaziert. Jeder läuft nach seinem Tempo. Die große Gruppe zieht sich sehr in die Länge. An großen Kreuzungspunkten, an denen sich Sitzgelegenheiten auf Bänken oder gefällten Bäumen bieten, wird aufeinander gewartet. Uli spricht mich an. „Wir kennen uns doch? Aber woher?“ Wir stellen fest, daß wir mal zusammen zu einem Bildungsurlaub in Zinnowitz auf Usedom waren. Uli Wessely erzählt, daß er die kommende Woche einen ökologischen Bildungsurlaub in Frankfurt anbietet. Die Schwanheimer Dünen seien mit dabei. Die Bildungsurlaube in Frankfurt seien oft innerhalb weniger Stunden ausgebucht. Er erzählt von vielen Projekten, die er anstößt oder bei denen er mitmischt. Ingolf Grabow habe gerade bei seinem alten Haus Kästen für Mauersegler angebracht. Nette Gespräche gibt es viele. Doch zwischendurch ergibt sich viel Gelegenheit, den eigenen Kopf beim Laufen frei zu bekommen und die Natur ringsum zu betrachten. Einige fotografieren viel, als fertigten sie eine Dokumentation an. Ein junger Mann im Radlerdress interessiert sich für meinen blog, tippt sofort die Adresse ein. Kommunalpolitik auf der Wanderung.

Mehr als 5 Stunden Wanderung
Um 18 Uhr sind wir noch 3 km von der Oberschweinstiege entfernt. Ein Teilnehmer liest von seinem Zettel Abfahrtszeiten der Straßenbahnlinie Nr. 14 ab Oberschweinstiege vor. Er hat für sich die Abfahrt um 18.43 Uhr rausgesucht. Und siehe da: Diese Bahn, es ist die nächste, nehmen wir dann alle, um wieder Richtung Innenstadt zu kommen und von da aus in die verschiedenen Richtungen weiter zu fahren. Ulrike nimmt mich bis Hauptwache auf ihrer RMV-Monatskarte mit. Ulrike sagt, daß der Fluglärm im Stadtwald ihr immer noch im Kopf ist. „Ich habe dauernd die Flugzeuge über uns gezählt. Einfach schrecklich, nicht erholsam.“ Wir saßen zufällig mittags in der selben S-Bahn nach Nied uns gegenüber, lasen gerade den Flyer des Umweltamtes zur Tour und wußten so, daß wir dieselbe Tour machen werden. Wir lachten. Wir haben uns vorher nicht gekannt. Sympathie auf ganzer Linie.

Gisela Becker

N A C H T R A G

Zwei Fotos mit den Personen aus diesem Beitrag wurden nach meiner Genehmigung in der neuen indonesischen Zeitschrift SMARTCITY magazine mit Datum 1. April 2015 veröffentlicht! Auch Textabschnitte hat der Redakteur Riad Mustafa verwendet. Er hat sie mir vorher englisch übersetzt und um Genehmigung gebeten. Auf Seite 26 und 27 ist der Artikel „HUTAN ITU … DIANTARA HALTE NIED DAN HALTE TREM NO. 14 OBERSCHWEINSTIEGE“ nachzulesen. Finde ich toll, die korrekte Anfrage, die Veröffentlichung. In dem Magazin sind auf den Seiten davor auch Hochhausbilder von Frankfurt, die schlechte Luft läßt sich am Smog erkennen. Im Magazin geht es um GREEN CITY. Die Metropolen in aller Welt müssen sich um das Klima kümmern. Ich freue mich, daß ich mit meinem Bericht auf internationales Interesse stoße.

Schöne Grüße an Riad Mustafa in Makassar, Indonesia.

Gisela Becker

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