Probefahrt mit dem neuen Aufzug an der S-Bahnstation TaunusAnlage

neuer Aufzug S-Bahnstation Taunusanlage

Taktiles Blindenleitsystem, deutliche Beschriftung sowie der FahrkartenAutomat fehlen noch

Gestern las ich, daß der neu gebaute Aufzug an der S-Bahnstation Taunusanlage seit Dienstag betriebsbereit ist. Damit kann die Station als fast barrierefrei gelten, sofern der Aufzug funktioniert. Zur Probe fuhr ich gestern mal runter zum Bahnsteig und wieder hoch auf die Straßenebene. Mein Fahrrad paßte der ganzen Länge nach rein, super!.

Es gibt eine Zwischenstation in der B-Ebene, in der die Fahrkarten-Automaten stehen. Oben auf der Straßenebene fehlt der Automat. Die weißen Rippenplatten und die Noppenplatten des taktilen Blindenleitsystems sind nur ansatzweise zum Aufzug verlegt. Es fehlt, was dazu gehört: Das ist der weiße Auffindestreifen vom Gehweg vor der Deutschen Bank zum Aufzug. Der Bordstein des Laufstreifens für blinde Menschen ist auf Nullniveau statt mindestens 3 cm hoch, um den Bordstein mit dem Blindenstock sicher ertasten zu können.

Da der Gehweg vor nicht allzu langer Zeit neu gepflastert wurde, hätte das taktile Leitsystem bereits verlegt sein können. Die gesamte Ampelkreuzung über die Mainzer Landstraße und die Taunusanlage muß mit akustischer Signalisierung und taktilem Leitsystem nachgerüstet werden. Diese Pflichtaufgabe hatte ich als Stadtverordnete der Opposition erreicht.

Ärgerlich sind die dicken Panzer-Pfosten direkt am Ampel-Übergang vor dem Aufzug, die den Menschen so viel Platz rauben. Und nur eine Phantom-Sicherheit für die Bänker darstellen. Für diese Panzer-Sperre waren viele Platanen entfernt worden. Einige wurden nachgepflanzt.

Es ist dennoch gut, daß der Aufzug so früh wie möglich zur Verfügung steht!

Jedoch ist er nicht von weitem zu erkennen, weil die deutliche Beschriftung fehlt. Er ist ein GeheimTipp, als sollten nicht alle den Aufzug nutzen, sondern nur die Aktiven, Mobilen, gut Sehenden. Ganz klein finden sich die Buchstaben für die S-Bahn oberhalb der Eingangstür. Von allen drei anderen Seiten ist es ein kaum auffallender, gläserner Kasten, der unbeschriftet ist. Fehlende deutliche Beschriftung ist auch eine Barriere.

Auf der Bahnsteigebene, dort wo die S-Bahnen Richtung Hauptbahnhof oder in die Gegenrichtung zur Hauptwache rollen, fehlt jeglicher Hinweis auf den funktionstüchtigen Aufzug, der versteckt hinter Wänden steht. Dort fehlt das Blindenleitsystem komplett. Gerade sehbehinderte und blinde Menschen könnten komfortabel – ohne Treppen- und RolltreppenWirrwarr – die sehr tief gelegene Station betreten und verlassen, wenn sie so schnell wie möglich richtig zum Aufzug geleitet werden.

Nachtrag am 22.6.2014
Heute fuhr ich mit dem Aufzug, wunderte mich, daß ebenerdig kein FahrkartenAutomat stand. Als ich in der C-Ebene bei den Gleisen stand, fand ich auch keinen TicketAutomaten. Doch standen dort drei oder vier ServiceKontrolleure der Deutschen Bahn rum. „Entschuldigung, können Sie mir sagen, wo ich die Fahrkarte lösen kann“, quatschte ich die Gruppe an. Einer antwortete: „Sie müssen nach oben. Es gibt niemals einen FahrkartenAutomaten auf der BahnEbene.“

Aber hallo. Ich meinte: „Ich komme mit dem Aufzug runter und kann hier keine Fahrkarte kaufen? Muß jetzt wieder nach oben? Das ist nicht barrierefrei.“ Die Antwort des einen kommunikativen Kontrolleurs ging beim Einstieg in den Zug für mich unter. Die drei oder vier Kontrolleure stiegen in die S-Bahn nach Kronberg ein.

Und ich? Wollte heute meine Ruhe und keine Karriere bei SchwarzFahrt machen und dem Kampf um NullTarif. So fuhr ich mit dem Aufzug, der sehr schwer auffindbar ist, in die ZwischenEbene. Dort stehen zwei Automaten. Tippte auf Frankfurt Einfache Fahrt 2,60 Euro. Bekam die Fahrkarte und fuhr mit drei netten Jungs aus den Niederlanden wieder nach unten in die C-Ebene. Erwischte gerade noch den Zug Richtung Wiesbaden. Stress pur.

Warum sorgen die bezahlten Leute der Bahn AG nicht für barrierefreien Zugang zu den Zügen? Sie haben dann ihren Spaß dran, die Leute als angebliche SchwarzFahrerInnen zu überführen.Eklig. NullTarif ist angesagt.

Text: Gisela Becker

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Eine Antwort zu “Probefahrt mit dem neuen Aufzug an der S-Bahnstation TaunusAnlage

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