Verrückte Liegestühle im Palmengarten

verrückte LiegestühleHeute schlummerte ich am Nachmittag eine Weile auf einem der grünen MetallLiegestühle im Palmengarten. Rund vierzig mobile Liegestühle stehen auf der hügeligen Liegewiese hinter dem Springbrunnen zur Verfügung, doch manchmal ist es bei schönem Wetter schwer, eine freie Liege zu ergattern. Heute hatte ich Glück.

Bequem ist das Metallgitter eigentlich nicht. Es gibt Abdrücke, weshalb eine Unterlage sinnvoll ist. Heute sind es nur zwei Sonnenanbeterinnen, die ihre Liegen vollsonnig stehen haben. Alle anderen haben es vorgezogen, ihre eroberten Liegen unter die hohen Bäume und möglichst zwischen die Büsche in den Schatten zu verrücken. Verrückte Stühle. Verrückbare Liegen. Mobile Liegestühle eben.

Überhaupt ist das Verrücken der Liegen variantenreich möglich, wie zu beobachten ist. Eine Methode ist das Ziehen der Liege bis zum gewünschten besten Platz. Ziehen auf dem grünen Rasen praktiziere ich, um mein Kreuz zu schonen. Zwei behende Omas, beide ca. 60 Jahre jung, tragen die Liege zu zweit an den besten aller Plätze. So macht es auch ein junges Pärchen nacheinander mit zwei Gestellen. Doch ein richtiger Mann trägt die schwere MetallLiege rücklings auf dem Buckel. Seine Angebetete geht staunend hinter ihm her. Eine der beweglichen Omas robbt auf einmal unter ihrem verrückten Liegestuhl durch, während die noch nicht zweijährige Enkelin auf der Liege große Augen macht.

Im letzten Jahr wurden Befürchtungen laut, daß der Palmengarten die verrückbaren Liegen verschwinden lassen könnte. So wie die historischen weißen Bänke mit der hohen Rückenlehne, die im Eingangsbereich gegenüber der KonzertMuschel am Gesellschaftshaus standen und eigentlich unter Denkmalschutz fallen. Ich vermisse sie nicht nur optisch sondern auch wegen der Bequemlichkeit, von dort den Konzerten lauschen zu können. Nebendran blühten immer die wunderschönen Fuchsien. Für Nostalgie gibt es im Palmengarten keinen Platz mehr.

Naheliegender ist eine andere, kapitale Befürchtung: Die jetzt kostenfreien Liegestühle werden zu 5 Euro pro Tag verliehen. Ab heute, dem 1. August 2013 zahlen die Leute bereits 2 Euro mehr Eintritt für den Garten, nämlich statt 5 Euro 7 Euro, was ich eine Unverschämtheit angesichts der Dauerbaustelle Palmengarten finde, die zudem das Volk aus dem Gesellschaftshaus ausschließt. Da könnte mit der Ausleihe von Liegestühlen Geld gemacht werden. Wie beim Bootchen fahren auf dem Palmengarten-Tümpel.

Bei meiner heutigen Ruhepause auf dem verrückten Liegestuhl kam eine leise quasselnde Entenfamilie mit acht Jungen direkt neben mir über die Wiese quergelaufen. Eine elegante weißgraue Taube besichtigte mich näher. Ein Teichhuhn trippelte gravitätisch übers Gras, hob ein Bein, um sich im Federkleid zu kratzen und pickte beim Weiterschreiten einiges aus der Wiese auf. Die erste Wespe des Jahres umschwirrte mich heute prompt am ersten August und ich meinte sogar, ihren Biß an der nackten Fußsohle zu spüren, kein Stich, die Deutsche Wespe ist ja Fleischfresserin. Als ich aufbrach, näherte sich gerade eine Schwanenfamilie mit drei Jungen, sehr stattliche Tiere, aus der Nähe betrachtet.

In der Wiesensenke des LiegestuhlAreals wehte heute kein kühler Wind. Der Sommer ist stabil. Vom Fluglärm ist der Palmengarten heute verschont geblieben. Das Jazzkonzert heute Abend im Palmengarten war wieder ein starkes musikalisches Erlebnis.

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