Pilzexkursion in Frankfurt mit Dieter Gewalt

Gerade stoße ich auf frankfurt.de auf die kostenlose Pilzexkursion am Samstag, 14.9.2013. Eine Anmeldung ist erforderlich.

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Weitere Pilzspaziergänge finde ich im Internet, wenn ich Dieter Gewalt eingebe.
Jetzt im feucht-warmen Herbst ist es ideal. Der Schwerpunkt liegt wohl auf Speisepilzen. Da läßt sich viel lernen, auch wenn zum Beispiel ich nach dem SuperGau von Tschernobyl keine Pilze mehr sammle. Als Kind lernte ich sehr viele SpeisePilze im wunderbaren Offenbacher Stadtwald kennen, die wir sammelten und lecker zubereitet verspeisten. Die Pilzkenntnis gehörte bei unserer ElternGeneration des zweiten Weltkrieges zum Überleben. Sie wurde mit wissenschaftlicher Akribie betrieben.

Für meine beginnende Kenntnis von Baumpilzen erhoffe ich mir bei dem Spaziergang am 14.9. trotzdem paar Erkenntnisse. Ich melde mich an, denn das ist erforderlich, um Ort und Startzeit zu erfahren.

Pilzspaziergang im Regen – Hier mein Bericht

Um zehn Uhr geht es an der Bushaltestelle Hainer Weg (Richtung Jacobiweiher) los. Die ersten, reichlich wachsenden Pilze am Wegrand sind Ockerbraune Trichterlinge, zwar eßbar, doch wenig geschmackvoll. Ich schreibe die Namen der heutigen einzelnen Funde, insgesamt 25, mit. Das abgesuchte Terrain bleibt unter 1000 Quadratmetern. Als nach dem Start ein ergiebiger Regenguß einsetzt, schwindet die Gruppe von rund 30 Personen auf 15 – 20.

Dieter Gewalt macht auf die Merkmale der einzelnen Pilze sehr gut aufmerksam, zeigt die Tests: Komplettentnahme eines Pilzkörpers zur genauen Bestimmung, Minikostprobe und ausspucken (keinen rohen Pilz essen), Knackprobe (bei Täublingen), Zerreiben, Lamellen streifen (bei Frauentäubling blättern sie nicht) usw.

Schmackhafte Speisepilze wachsen dort jetzt im September trotz warm-nasser Witterung kaum. Nur ein, zwei oder drei Pilze nehmen einige in ihrem großen Korb mit nachhause. Es sind Röhrlinge und Täublinge und eine Krause Glucke. Der Ort des Pilzspaziergangs wurde nicht wegen der Ergiebigkeit ausgewählt, sondern weil er in Frankfurt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar ist. Dieter Gewalt empfiehlt, an anderen Pilzwanderungen im Rhein-Main-Gebiet teilzunehmen, um sich richtig gut in die Pilzkunde einzuarbeiten und auch um Speisepilze zu sammeln. Sie hätten an einer Stelle ganz viel leckere Frauentäublinge gefunden. So macht er Lust auf andere Pilzgebiete.

Hier ist die Pilzliste der heutigen Sichtung, wenig Speisepilze dabei:
1 Ockerbrauner Trichterling
2 Feldling
3 Schirmling
4 Rißpilz
5 Kartoffel-Bovist
6 Knopfstieliger Rübling
7 Leber-Reischling, Ochsenzunge (Baumpilz an Eiche)
8 Rotfuß-Röhrling, eßbar
9 Täubling (150 Arten in Mitteleuropa, milde eßbar, doch Speitäublinge ungenießbar)
10 Grünblättriger Schwefelkopf
11 Krause Glucke, eßbar
12 Schwärz-Täubling
13 Rübling
14 Kleiner Tintling
15 Breitblättriger Holzrübling
16 Dachpilz
17 Grüner Knollenblätterpilz, sehr giftig!
18 Semmelstoppelpilz, eßbar
19 Gelbmilchender Täubling
20 Zunderschwamm
21 Zinnobertäubling
22 Schwefelbitterling
23 Rotbrauner Schwarzporling, Stielporling
24 Eichenwirrling
25 Schmutzbecherling

Die Homepage des Pilzexperten Dieter Gewalt www.fundkorb.de

Nachtrag:
Da Dieter Gewalt beim Pilzspaziergang die Pilzberatung im Frankfurter Gesundheitsamt an den Herbst-Sonntagen von 17 – 20 Uhr empfohlen hatte, ging ich am letzten Sonntag mit zwei Funden aus dem Grüneburgpark hin, die sich als Sparriger Schüppling und Grauer FaltenTintling herausstellten. Keine Speisepilze, als solche hatte ich sie auch nicht zum Bestimmen gebracht.

Rund acht Personen warteten schon vor mir, zwei saßen an dem einfachen Tisch, nebendran ein großer Abfalleimer für die „falschen“ Pilze, die keine Speisepilze sind, an dem Dieter Gewalt mit einem fachkundigen Kollegen die mitgebrachten Pilze einzeln begutachteten.

Direkt vor mir steht ein ca. 11jähriges Mädchen geduldig mit einem riesigen ParasolPilz, einem SchirmPilz, der ein sehr guter Speisepilz ist. Sie wollte sich das gern für diesen gern fachkundig bestätigen lassen. Ihr Vater begleitete sie. Sie hatten einen ganzen Korb voll der leckeren Schirmpilze im Taunus gesammelt. Auch Steinpilze hatten sie gefunden.

Ein Mann trat mit einer grünen Plastiktüte voller weißer Pilze mit braunen Lamellen an den Tisch. Er bekam gleich einen Rüffel von Dieter Gewalt wegen der ungeeigneten Plastiktüte. Dann erwiesen sich alle seine gesammelten Pilze nicht als eßbare Champignons, sondern als giftige Karbol-Champignons, die häufig in Parkanlagen vorkommen, so auch im Grüneburgpark. Erkennungsmerkmal: Gelb einfärbende Schnittflächen und unangenehmer Geruch. Der Mann kann von Glück sagen, daß er Zweifel an der Genießbarkeit der Karbol-Champignons hatte. Dieter Gewalt erzählte, daß er paar Tage zuvor von einer Klinik angerufen worden war, welcher Pilz die zweitägigen Vergiftungserscheinungen bei einer Patientin hervorgerufen haben könnte, der so sehr einem Champignon geglichen habe. Er tippte auf Karbol-Champignon.

An dem Sonntag kamen viele PilzSammlerInnen mit MigrationsHintergrund, beispielsweise Südeuropäer oder Asiaten, wißbegierig, ob sie Speisepilze gefunden hätten. Im Ergebnis war es sowohl – als auch.

Wie wichtig diese Aufklärung ist!

Das Sammeln und Kennenlernen der vielgestaltigen Pilze, der Wachstumsorte, der Beziehungen zu den umgebenden Pflanzen sowie ihrer Eigenschaften ist ein Studium wert. Die Kochkunst tut ein übriges, um die delikaten Speisepilze schmackhaft und möglichst ohne folgende Verdauungsbeschwerden zuzubereiten.

Nachtrag am 7.10.2013
In der FNP gibt es am 5.10.2013 den Artikel von Judith Dietermann „Von Tintenfischpilzen und Hexeneiern“ über eine Pilzführung mit Dieter Gewalt, ebenfalls im Frankfurter Stadtwald.

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