Blindenleitsystem auf dem Buchrainplatz noch immer nicht akustisch barrierefrei

Auch Stolperfallen bei schlechter Pflasterung sind Barrieren

Beim Buchrainplatz testete ich gestern spontan zuerst die Ampel über die Offenbacher Landstraße an der Hausnummer 350. Ich drückte den Vibrationstaster mit Richtungspfeil, der unterhalb des gelben Anforderungsschalters angebracht ist. Der Taster vibrierte nicht, als es für die FußgängerInnen Grün wurde. Und es gab kein akustisches FreiSignal, daß es jetzt Grün ist. Daraufhin ging ich zum nahe gelegenen Ampelübergang über die Schienen. Auch dort fehlte die Vibration und der Ton. Alle acht Ampelübergänge, zwei davon über die Straßenbahnschienen, am Buchrainplatz testete ich daraufhin. Alle Übergänge sind für blinde Menschen nicht barrierefrei.

So fehlt auch der Lockton zum Ampelübergang komplett. Je nach Lautstärke wäre er leiser oder lauter. Die taktilen Leitstreifen, die dort statt weiß grau verlegt wurden, sind für mich als Sehende wahrscheinlich komplett verlegt. Doch fällt auf, daß bei den abgerundeten Bordsteinen die Mindesthöhe von 3 cm – zum Ertasten mit dem Blindenstock wichtig – an den Rillenplatten in Laufrichtung nur knapp erreicht werden. Besser ertastbar sind senkrechte Bordsteine. Die beiden akustischen Ansagen, in jede Fahrrichtung der Straßenbahnen eine, funktionieren auch nicht. Ich drückte beide Ansageknöpfe und hörte keine Ansage der nächsten drei Linien.

Einige Platten über die Schienen direkt bei den Ampelübergängen liegen nicht plan, so daß Stolpergefahr besteht. Im Juli machte mich ein Anwohner bereits darauf aufmerksam. Hat das Straßenbauamt diese schlechte Pflasterung wirklich abgenommen? Stolperfallen sind Barrieren.

Was teilt der Blindenbund zum Leitsystem am Buchrainplatz mit?
Wenn also im letzten Verkehrsausschuß, wie in der Tagespresse zu lesen war, ein engagierter Stadtverordneter der Linken, Peter Gärtner, verlacht worden sein soll, weil er Mängel bei der Barrierefreiheit des Buchrainplatzes aufzeigte, so weiß ich nicht den Grund des Auslachens. Ich war nicht bei der Sitzung dabei. Die Stellungnahme der Gruppe „Mobil in Frankfurt (MiF)“ des BSBH zum Buchrainplatz kenne ich nicht, frage sie jetzt an.

Die Gruppe MiF, eine Selbsthilfegruppe der Mobilität, hatte mich als damalige Stadtverordnete sehr gut bei dem Blindenleitsystem rund um den Eschenheimer Turm beraten. Wir waren die vielen Übergänge alle abgelaufen und hatten die Mängel einzeln protokolliert. Daraufhin besserte die Stadt nach, ein Lernprozeß. Tasten und Hören, in dieser Kombination funktoniert das Leitsystem.

Barrierefreie Ampelübergänge in Oberrad, weil der Verkehr sehr gefährlich ist
Sowohl wegen des starken Straßenbahnverkehrs als auch wegen des enormen Autoverkehrs ist die Querung der Offenbacher Landstraße dort am Buchrainplatz sehr gefährlich. Sonst wären keine Ampeln gebaut werden, sondern auf dem kleinen Platz alles ohne teure Ampeln zu regeln gewesen.

Anheimelnd ist die gesamte kahle BetonPlatzfläche jetzt im September immer noch nicht. Die Einweihung, bei der starke PlatzKritik geäußert wurde, liegt paar Wochen zurück. Wie konnte es wieder bei der teuren Neugestaltung eines Platzes in Frankfurt dazu kommen, daß schattenspendendes und lebendiges Grün in großem Stil fehlt? Ein Unplatz.

Nachtrag am 8.1.2014
Da der Artikel häufig angeklickt wird, möchte ich heute wiederum darauf hinweisen, daß das akustische Leitsystem am Buchrainplatz immer noch nicht geschaltet ist. Es gibt nur das taktile Leitsystem. Doch gibt es die Vorrichtungen, die Mikrofone für die Akustik, seit Sommer letzten Jahres. Bei MiF scheint meine verwunderte Anfrage untergegangen zu sein. Ich meine, daß diese Gruppe die lauteste sein sollte, wenn Barrierefreiheit für blinde Menschen nur ein Melodram ist, aber nicht der Wirklichkeit entspricht.

Macht die Behindertenbeauftragte deutlich, daß es so nicht geht? Oder sieht sie es sehr gelassen? Von mir als Stadtverordnete wollte sie kein Engagement mehr für Barrierefreiheit (obwohl ich mehrere Jahre die einzige in dem „Club“ der 93 Stadtverordneten zu dem Thema war), weil sie dann tätig werden mußte. Diese Lethargie geht mir bis heute nach.

Weshalb ist die Stadt so wenig engagiert, selbst zur Erreichung der dortigen Straßenbahnhaltestelle nicht die Barrierefreiheit für blinde Menschen sofort einzurichten? Ich komme regelmäßig – ein Mal pro Woche – über den Buchrainplatz auf meiner Radtour zwischen Offenbach und Frankfurt. Und ärgere mich am Beton-Buchrainplatz, der ganz und gar nicht einladend ist und offensichtlich auch nicht wird. Ich kenne nur Leute, die sich über die miserable Platz-Kultur der Stabsstelle Schöneres Frankfurt ärgern. Ändert sich erst was mit der Pensionierung bestimmter unfähiger Verwaltungsbeamter?

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