BÜRGERINITIATIVE GRÜNEBURGPARK – Beispiel gelungener Bürgerbeteiligung

Die Bürgerinitiative Grüneburgpark

  • hat die Patenschaft für den Grüneburgpark übernommen
  • realisiert Bürgerbeteiligung auf Augenhöhe
  • legt Wert auf die Erhaltung des größten Innenstadtparks als Grüne Lunge


WIR ÜBER UNS

Die Bürgerinitiative Grüneburgpark ist eine Initiative und kein Verein. Sie hat keine Einnahmen. Alles wird aus persönlichen Mitteln der einzelnen Aktiven finanziert. Zu den monatlichen Gruppentreffen, in der Regel am 3. Mittwoch im Monat im Bürgerinstitut im Rothschildpark, wird öffentlich eingeladen. Somit können jederzeit neue Inte­ressierte dazu kommen, sich informieren und mitarbeiten. Die Kerngruppe besteht aus 10 – 15 aktiven Mitgliedern. In der Mehrzahl sind es Frauen der Generation 50+. Zu Begehungen im Grüne­burgpark kommen bis zu 60 Per­sonen (so 2012).

WIR ÜBER UNSERE GRÜNDUNGSGESCHICHTE

Die BI Grüneburgpark wurde im Sommer 2012 von Bürgerinnen und Bürgern vor allem des Westends ge­gründet. Wir wollten verhindern, dass für „historische Sichtachsen“ rund 165 gesunde Bäume im Grüne­burg­park gefällt werden und Kahlschlag in den Clumps (Gehölzgruppen) erfolgt, nachdem rund 20 Jahre die Parkpflege vernachlässigt worden war. Es drohte die Gefahr, dass der größte InnenstadtPark in seinen öko­logischen Zusammenhängen zerstört wird. Der Kahlschlag war bereits 2011 in der Planungsphase der Stadt beschlossen worden.

Der Gründung der BI vorangegangen war der Bürgerprotest gegen die Fällung von 23 Bäumen in den Wall­anlagen für das Luxushotel am Opernplatz im Februar 2012. Dort war der Protest leider vergeb­lich, weil Magistrat (CDU und GRÜNE) und die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung der Baum­vernichtung zustimmten. Die Empörung der Bevölkerung schwappte auf die Kahlschlags-Ab­sichten im Grüneburgpark über.

Die INITIATIVE RETTET DIE BÄUME – RETTET DIE WALLANLAGEN lud im Frühjahr 2012 zu vier Bürger­versammlungen gegen den skandalösen Kahlschlag in der Stadt ins Bürgerinstitut im Rothschildpark ein. Dort lernten sich die BaumRetterInnen kennen, die die BI gründeten.

Die BI Grüneburgpark ist gut vernetzt mit der Aktionsgemeinschaft Westend, der Aktions­gemein­schaft Böhmerstraße sowie weiteren Initiativen in der Stadt.

WIR ÜBER UNSERE ZIELE UND UNSERE ARBEITSWEISE

Durch starke Öffentlichkeitsarbeit haben wir sowohl die Presse als auch den Ortsbeirat 2 auf unser Anlie­gen seit dem Frühjahr 2012 regelmäßig aufmerksam gemacht. Wir forderten öffentliche Be­gehungen durch das Umweltdezernat, die der Bevölkerung die Bäume zeigen sollten, die für Sicht­achsen „wie zu Rothschilds Zeiten“ geopfert werden sollten. Bei zwei sehr gut besuchten Begehungen im Jahr 2012 wurden vom Grün­flächenamt erst ca. 75, dann 49 zur Fällung vorgesehene gesunde Bäume gezeigt. (meine Berichte hier im blog). Die 49 Bäume markier­ten wir mit einem rot-weißen Band. Die Presse berichtete jedes Mal ausführlich.

Bei einem weiteren Ortstermin im Mai 2013 wurde uns von der Umweltdezernentin die Baumkontrolle an zwei pilzbefallenen Bäumen demonstriert. Die mit dem Riesenporling befallene Blutbuche wurde stark zurückgeschnitten. Die Roteiche wurde gefällt.

Vor allem durch unsere mehrmalige Diskussionsteilnahme im Umweltaus­schuss der Stadtverord­neten­versammlung überzeugten wir die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, alle Bäume im Park aus öko­logischen Gründen zu erhalten. Wir erhielten auf unseren Wunsch das Baumkataster, das Baumhöhlen­kataster sowie eine ältere Erhebung zu Brutvögeln als wichtige Grundlagen unserer fachlichen, natur­kundlichen Arbeit. Sie erwiesen sich bei unserer Prüfung als unvollständig. Die Nachbesserung ab 2014 wurde uns zugesichert.

Das denkmalpflegerische Gutachten, von der Verfasserin Barbara Vogt in unserer Bürgerver­samm­lung im Mai 2012 im Bürgerinstitut im Rothschildpark vorgestellt, provozierte zu grundsätzlichen Fragen im Um­gang mit dem Gartendenkmal Grüneburgpark, das gleichzeitig Landschaftsschutzgebiet II ist.

Im Ergebnis stellten wir als Baum- und NaturschützerInnen fest, dass angesichts der bekannten Klimaprob­lematik als Gegengewicht grundsätzlich ein ökologisches Gutachten zum Park und dessen Umgebung (Palmengarten, Botanischer Garten und Uni Campus Westend) erforderlich ist.

Unser Ziel ist die Entwicklung eines ökologischen Pflegekonzepts für die wertvolle, von allen Bevölkerungsgruppen zur Erholung, Entspannung sowie für Bewegung und Sport viel genutzte Parkanlage. Der Park ist ein kommunikativer Treffpunkt für Alle.

Wir setzen uns dafür ein, Natur und Biodiversität zu erhalten anstatt sie zu vernichten. Wichtig ist uns, die Lebensqualität in der Stadt durch mehr Grün und mehr Bäume zu verbessern und dabei die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger immer einzubeziehen.

WIR FORDERTEN DIE ÖFFENTLICHE ANHÖRUNG ALS SONDERSITZUNG

Von Bedeutung war die öffentliche Sondersitzung des Ortsbeirats 2 im Mai 2013 zur Sanierung des Parks, die immerhin mit 4,2 Millionen Euro veranschlagt wurde. Bei der sehr gut besuchten Anhörung im Westend in der Katharinen-Gemeinde, für die wir kräftig geworben hatten, wurde klar vereinbart, dass es keine Baumfällungen für Sichtachsen geben wird. Dies ist unser Erfolg!

WIR FORDERTEN DIE MODERATION DES BETEILIGUNGSPROZESSES

Um die Bürgerbeteiligung auf gleicher Augenhöhe bei der Sanierung des Grüneburgparks strukturell zu festigen, hat die Umweltdezernentin – auf unsere immer wieder vorgetragene Bitte hin – ab Frühjahr 2013 einen Moderator eingesetzt. Dadurch verbesserte sich die Kommunikation zwischen der engagierten Arbeit unserer BI Grüneburgpark, dem Umweltdezernat und dem Grün­flächenamt enorm. Außerdem wurde eine Ansprechperson für uns im Umweltdezernat bestimmt.

UNSERE PERSPEKTIVEN

Die BI Grüneburgpark wird 2014 und 2015 aktiv und aufmerksam die Parksanierung und die Ent­wicklung eines ökologischen Pflegekonzepts, das erstmalig für Frankfurt wäre, begleiten. Sie wird die entsprechenden Kriterien benennen und immer wieder aufmerksam überprüfen. Diese Vorgehens­weise ist in der Stadtgesell­schaft ein gegenseitiger Lernprozess. Die Mitglieder der BI Grüneburgpark arbeiten dafür ehrenamtlich aus eigenem Interesse als Lobby für mehr Umweltschutz.

WICHTIGER HINWEIS: Initiativen benötigen die Unterstützung der Stadt bei den Raum- und Materialkosten.

Mit dem Umweltdezernat werden wir jetzt ab 2014 gleichberechtigt einen Informationskasten am Eingang Grüneburgpark an der Siesmayerstraße betreiben, in dem wir unsere Aktivitäten bekannt geben. Das werden auch weitere naturkundliche Führungen z.B. zu Pilzen, Bäumen und Wild­pflanzen des Parks sein.

Dieses Jahr ist schon eine Wildpflanzen-Führung am Sonntag, 15.6.2014 um 14 Uhr zusammen mit dem BUND terminiert.

Was wir noch fordern:
Dringend eine Toilettenanlage und einen Senioren-Fitness-Parcours.

Text: Gisela Becker

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