HESSENPARK bei Neu-Anspach im Taunus

Seit 40 Jahren Aufbau alter, sehr sehenswerter, hessischer Fachwerkhäuser im Freilichtmuseum Hessenpark.
Besser wäre es allerdings, sie am Originalort stehen zu lassen. Wenn das aus besonderen Gründen nicht geht, dann sollten die Häuser in der Nähe des Originalortes wiederaufgebaut werden.
Ein Museum wird bespielt und besichtigt, doch darin wird nicht gelebt. Den alten Häusern an diesem Sonderort etwas Leben einzuhauchen, gelingt nur brüchig, ist aber anerkennenswert.

40 Jahre Hessenpark

Hammermühle im Hessenpark

Hanf ohne THC im Hessenpark

Sattelschwein

Fotos Gisela Becker

Wie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Hessenpark kommen?
Zunächst stellte sich mir die Frage, wie ich mit Bahn und Bus den Hessenpark erreiche. Denn um 11 Uhr begann am 3.9.2014 die Führung, die die Frankfurter Rundschau als kostenlose Leser-Tour in den Schulferien anbgeboten hat. Nach meiner Anmeldung bei der FR erhielt ich per mail Nachricht, daß ich gewonnen hätte. Super, ich freute mich. War nur in großen Zeitabständen dort im Hessenpark, zuletzt etwa vor fünf Jahren.

Zunächst gebe ich auf der RMV-Seite als Abfahrtsstation Frankfurt-Grüneburgweg ein, als Zielort Hessenpark. Ankunftszeit 11 Uhr. Mir werden drei Verbindungen mit U-, S-, Regionalbahn und Bus angezeigt. Die Hauptstrecke zwischen F-Hauptbahnhof und Neu-Anspach, so sehe ich bei den Verbindungen, fährt die R 15, ein Zug der Hessischen Landesbahn Gmbh. Ich habe Lust, das Fahrrad mitzunehmen, um vor allem pünktlich zu sein und nach der Besichtigung wieder gut zum Zug zu kommen. Die Fahrzeiten des R 15 finde ich sehr schnell über die Direkteingabe in die Suchmaschine. Ich wähle eine Ankunft um 10.30 h in Neu-Anspach, habe da keine Busverbindung. So strampele ich leicht bergauf die 5 km bis zum Hessenpark auf dem Rad. Als ich kurz nach 11 Uhr am Ziel ankomme, ist die FR-Besuchergruppe nicht mehr zu sehen. Die junge Frau an der Kasse gibt mir freundlicherweise die Besucherkarte, so daß ich wenig später die Führung erreiche.

Plakatwände als Leitsystem für 40 Jahre Hessenpark

Auf 40 großen, grellfarbenen, pinkfarbenen Plakatwänden, die an 40 ausgewählten Häusern stehen, wird die Geschichte des Aufbaus dieser Häuser erzählt. Auf einer beweglichen Klappe wird auf einige politische und historische Ereignisse verwiesen, die im Jahr des Hausaufbaus im Hessenpark passierten.

Die Führung der Museumspädagogin Iris von Stephanitz geht im schnellen Schritt durch das große, hügelige Gelände des Parks. Auf die Weise bekommen wir das gesamte Gelände gut in den Blick. Es gibt interessante Tümpel, Felder, Weiden, Obstbaumwiesen, Gehege für Tiere, Wald. Die Wege im Gelände sind geschwungen, die Oberfläche meist uneben und schottrig, so daß sie schlecht für Rollstühle und Rollatoren zu rollen sind. Da könnte abschnittweise für Barrierefreiheit gesorgt werden. Um die Häuser liegt viel holpriges Kopfsteinpflaster.

Einzelne Bauten werden bei der Führung genauer inspiziert und erklärt. Ende der Führung ist in dem neuen Informationszentrum, das sich in einem großen, alten Fachwerkhaus versteckt. Vieles zur Geschichte des Hessenparks läßt sich dort multimedial nachlesen.

Ein eindrucksvolles Erlebnis sind die Innenräume der alten Häuser mit liebevoller Rekonstruktion der einzelnen Wohnräume mit entsprechendem altem Mobiliar und Geschirr – wirklich sehenswert, auch wenn man die engen, steilen Stiegen in die oberen Stockwerke hochsteigt. Manche Kirche wurde in den Hessenpark umgesetzt. Wir schauen uns eine Synagoge an. Bei den Fachwerkbauten sind manche Stellen der Außenwände extra nicht mit Lehm verfüllt, um den inneren Aufbau erkennen zu können. Im Park liegen noch etliche komplette Häuser zum Aufbauen. Ein noch nicht aufgebautes Haus sei kürzlich für ein Jugendzentrum an einen Ort zurückgeliefert worden, berichtet Frau von Stephanitz.

Von so mancher verzierter Haustür, bemalter Fassade oder bepflanztem Trog ließen sich Poster machen.

Altes Handwerk wie Schmiede oder Hammerwerk ist in originalen Räumlichkeiten, die im Hessenpark wieder aufgebaut wurden, untergebracht. Ein Blickfang in der Landschaft ist die Windmühle, unter der gerade die Herde Coburger Fuchsschafe grast.

Hessenpark als Ort für alte Tierrassen – ein Arche-Projekt
Auf dem Museumsgelände werden alte, vom Aussterben bedrohte Tierrassen gehalten, so das Rhönschaf, das Sattelschwein, das VorwerkHuhn, die Rinderrasse Rotes Höhenvieh, der Vorderwälder Ochse, das Coburger Fuchsschaf (rote Wolle am Kopf), die Weiße Deutsche Edelziege, die Thüringer Waldziege und andere. Der Hessenpark ist zertifiziertes Arche-Projekt. Der echte Misthaufen in einem Hofgelände riecht nach richtiger Landluft. Kindern gefällt der Lokus mit dem Herzen, der extra zum Gucken offen steht.

Hessenpark als Ort für alte Nutzpflanzen wie Hanf, Lein und Buchweizen
Nahe dem Eingang steht auf dem Feld der Hanf (ohne THC). Den markanten Blättern fehlt der typische, wohlriechende CannabisDuft. Der Lein steht abgeerntet in Bündeln. Das Feld mit den Tabakpflanzen geht in Blüte über. Zum Lesen der Kartoffeln aus dem gelockerten Acker wird eingeladen. Jetzt in den Ferien sind viele Kinder zum vielseitigen Kinderprogramm mit ihren Müttern, Eltern oder Großeltern da.

Hessenpark pflegt die Kultur der Bauerngärten

In den mit Holzzäunen umgrenzten Bauerngärten wachsen liebevoll gepflegt Gemüse, Kräuter und Blumen nebeneinander und durcheinander. Strahlende Astern und die offenen Blüten der Cosmea leuchten in rosa-roten Farben. Sogar gesunde, kleine Tomaten hängen jetzt noch Anfang September an Sträuchern, während die großen Tomaten die Braunfäule haben. In einem der Kräutergärten wird jede Heilpflanze mit Namen auf roten Tontafeln beschildert. So läßt sich der Ysop, Estragon, Rosmarin, Dill, Fenchel, Minzarten leicht erkennen. Auf alte Obstsorten wird Wert gelegt. Die meisten Apfelbäume, ob mit großen oder kleinen Früchten, hängen brechend voll. Alte Obstsorten werden weiterhin gesucht.

Marktplatz im Hessenpark
Große, eindrucksvolle Häuser stehen rund um den Marktplatz mit dem Brunnen. In den Häusern gibt es Läden wie Bäckerei, Bürstenmacherei, Käserei. Es gibt Restaurants (nicht immer offen) und ein Hotel. Dieser Bereich, zu dem alle Wege automatisch am Anfang führen, ist ohne Eintrittskarte zu betreten.

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