Osterspaziergang in den Wallanlagen – Unorte gefunden

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Unort Liesel-Christ-Anlage

Fotos Gisela Becker

Unort Gallusanlage

Von der Kaiserstraße erreiche ich den Willy-Brandt-Platz und biege am €-Zeichen in die Gallusanlage ein. Baustelle rechter Hand. Dort bei der EZB, wo sie war und meines Wissens auch das Quartier behält. In der Gallusanlage Blick auf Straßen und Autos ringsum frei. Kein Busch, der die Grünanlage verschönt und die umbaute Gegend kaschiert. Noch nicht einmal entlang der Straße sind Büsche. Als Blockupy dort das Zeltlager hatte, gab es noch Büsche und wilde Blumen am Straßenrand. Bäume sind da, doch wenige. Noch schlimmer ist der nördliche Teil der Gallusanlage, der sich zwischen Kaiserstraße und Taunustor erstreckt. Überall ist der Blick auf Straßen und Autos und Hochhäuser frei, weil die Büsche entfernt wurden, die wenigen verbliebenen Eiben der unteren Äste beraubt wurden und viel zu wenige Bäume dort stehen. Der Blick ist auch frei auf ein hellblaues Ungetüm in Form einer Schlange (Foto). Manche nennen es Kunst. Die Gallusanlage ist ihres Charmes eines grünen Parks völlig beraubt worden. Die Firma Götte hat das geplant. Die Firma Götte ist auch im Grüneburgpark tätig. Wehe, wenn im Rollrasen der Gallusanlage ein Gänseblümchen oder Veilchen auftaucht, dann nimmt das Grünflächenamt die Jagd auf. Ohne jegliche Kritik am Kahlschlag in der Gallusanlage war vor einem Monat die Presseinformation des Grünflächenamtes in allen drei Frankfurter Tageszeitungen abgedruckt. Lobhudelei. Propaganda für diesen Unort in den Wallanlage (*siehe unten).

Nach vielen Monaten war endlich der Bauzaun um den langweiligen, unökologischen Rollrasen entfernt worden. Kein Wort in der Presse zum Ökologie-Defizit. „Grundsanierung“ wird dazu gesagt, diese Zerstörung von gewachsenem Grün. Die vielen Gullideckel und Entlüftungsrohre in der Fläche zeigen, wie wenig freier Wurzelraum für das Restgrün der wenigen Bäume bleibt. Bäume sind unbeliebt in Frankfurts Stadtverwaltung.

Unort Baucontainer in der Taunusanlage

Der Spaziergang führt weiter in nördlicher Richtung durch die Baustelle Taunustor in die Taunusanlage. Die großen Baucontainer der privaten Baufirmen für den TaunusTurm sind endlich aus der Grünanlage im Süden entfernt worden. Tulpen und Narzissen quälen sich dort jetzt in runden Beeten ans Licht. Beim Überqueren der Junghofstraße Höhe S-Bahnstation Taunusanlage fällt die große, weiße Containeranlage einer privaten Baufirma in den Blick (Foto). Wie kann es sein, daß das Grünflächenamt privaten Baufirmen für private Bauzwecke wertvolle öffentliche Grünflächen für Container zur Verfügung stellt? Überhaupt und das über Jahre? Ein langjährig existierender Unort war das.

Ein Stück weiter ist die chaotische Baustelle am östlichen Rand der Taunusanlage südlich vom Opernplatz. Nichts kaschiert das Chaos dort. Ein Bretterzaun wäre das mindeste als Auflage, um die Wallanlagen vor dem Durcheinander der Baustelle zu schützen.

Unort Eingang Liesel-Christ-Anlage

Am Ostermontag um 11 Uhr, welch ein Wunder, ist der gesamte Opernplatz frei von wild geparkten Autos. Wie wurde das erreicht? Die fünf Leerstellen über der Tiefgarage, wo fünf Zierkirschen stehen sollten, sind mit Sand abgestreut. Die Betonwand des Luxushotels am Opernplatz hat die Höhe des Nachbargebäudes erreicht. Der Eingang zur Liesel-Christ-Anlage spottet in der Dominanz der Baucontainer und zweier abgestellter Fahrzeuge für den Straßenbau jeder Beschreibung. Ein Unort (Foto).

Nachbetrachtung Stadtlabor Wallanlagen

Die Wallanlagen waren beim Stadtlabor Wallanlagen von ProjektteilnehmerInnen unter verschiedenen Aspekten einer Betrachtung unterzogen worden. Es wurde geschrieben, es wurde fotografiert, es wurde ausgestellt, es wurden Aktionen gemacht. Vor Ort ist nichts davon geblieben, nichts mehr sichtbar. Keine einzige dauerhafte Einrichtung erinnert an diese Bemühungen. So kann Bürgerengagement ins Leere gehen. Ein verfehltes Projekt. Es geht aber ins Historische Museum ein. Toll.

*
zur Gallusanlage als „Central Park“ in der FAZ am 13.3.2015 hier

zur Gallusanlage in der FR am 13.3.2015 hier

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