Alltagsradeln in Frankfurt

ADFC lädt zum RadlerInnenFest am Sonntag, 31.5.2015, 11-18 Uhr, Alter Flugplatz / MACHEN WIR FRANKFURT BIS 2025 ZUR VELOCITY – Radverkehrspolitisches Programm des ADFC Frankfurt

Die größte Verbesserung stellte aus meiner Sicht das Radfahren gegen die Einbahnstraße dar. Als Alltagsradlerin genieße ich es jeden Tag, durch die Wohnstraßen zu fahren, die gegen die Richtung geöffnet sind. Noch sind es nicht alle Straßen in Frankfurt. Ich ärgere mich darüber. Denn ich habe diese Straßen auf der Meldeplattform eingegeben. Es ändert sich jedoch nichts  für die gemeldeten Straßen. Auch gibt es immer noch die verpflichtende Nutzung der unmöglichsten Geh-/Radwege. Obwohl die StVO das seit langem verbietet. Frankfurt ist reaktionär.  Frankfurt spielt nicht in der ersten Liga, was die Radverkehrsförderung betrifft.

Der ADFC, ein sehr tüchtiger verkehrspolitischer Verband in Frankfurt, dem ich angehöre, erreicht viel zu wenig. Viel zu wenig Geld wird in die Hand genommen für den Radverkehr. Auch für die Förderung des Fußverkehrs gilt das. Denn solange auf Gehwegen Rad gefahren wird, ist das eine ständige Unsicherheit und Gefahrenquelle für die Menschen, die zu Fuß gehen. Frankfurt hat kein Konzept. Frankfurt hangelt sich von Klitzeklein zu Klitzeklein beim Radfahren. Warum gibt es immer noch keinen Schutzstreifen auf dem inneren Anlagenring von Untermain- zu Obermainbrücke? Auch in Gegenrichtung? Null Bock im grünen Verkehrsdezernat, das Stefan Majer leitet.

Der ADFC hat immer wieder Grund, zu feiern, daß es nicht noch schlimmer ist, daß minimale Fortschritte erzielt werden, daß mehr Leute täglich das Rad benutzen. Und daß die Mitgliederzahl dank der vielen Aktivitäten, der Radtouren, der Bike-Nacht usw. kontinuierlich steigt.

Für Familien mit Kindern ist beim Radfahren auf den Straßen nicht genügend bzw. keine Sicherheit gegeben. Unsichere Menschen trauen sich keine Radfahrt in Frankfurt zu. Immer wieder bin ich in Gruppen von SeniorInnen, in denen außer mir niemand ein Rad benutzt, weil es zu gefährlich sei. Es fehlt an Radständern z.B. beim Penny im Reuterweg. Abgelehnt von der Stadt.

Auch an den Schulen mangelt es an Radständern. Schulwegpläne mit sicheren Radrouten gibt es viel zu wenige. Doch bei der Jugend fängt es an, wie attraktiv und sicher das Radfahren in der Stadt ist.

Velocity 2025 stellt eine Vision dar, die gebraucht wird, um eindeutige Forderungen zu stellen. An die Kommunalpolitik, an die Landespolitik, an die Bundespolitik.

Der Klimawandel fordert umweltpolitische Verkehrskonzepte, wo das Zufußgehen an erster Stelle stehen muß. Viel ist darüber geschrieben worden. Doch immer noch werden in Frankfurt auf den Gehwegen Autos abgeparkt, legal und illegal. Es werden die Gehwege mit Außengastronomie, Plakatständern und Auslagen der Geschäfte zugestellt, so daß täglicher, umständlicher  Slalom notwendig ist. Es gibt keine wirkliche Beschwerdestelle, daß sich die Verhältnisse ändern. Wer interessiert sich von den insgesamt 93 Stadtverordneten für die unakzeptable Situation?

Als Stadtverordnete in den Jahren 2002 – 2011 (FAG, letztes Jahr Die Linke.) hatte ich mit allerhand Anträgen und Anfragen in die beschriebene Richtung gewiesen. War ich doch ADFC- und VCD-Mitglied und immer verkehrspolitisch aktiv. Es war für mich ein Erlebnis, welche Vermeidungsstrategien für eine andere, umweltpolitische Verkehrspolitik seitens der Behörde, der Dezernate und der Stadtverordneten von CDU, SPD, Grüne einmütig betrieben wurden.Wer von den Grünen eine andere Verkehrspolitik erwartet, hängt einem Traum der Vergangenheit an. Tempo 30 stadtweit müßte tägliche Forderung sein.

Meine Überzeugungsarbeit als Stadtverordnete fruchtete nur ganz wenig, obwohl ich allenthalben ernst genommen wurde. Gut: Das Fußwegnetz kam ausführlich in die Gesamtverkehrsplanung 2005. Das Blindenleitsystem ist in Frankfurt bei Neu- und Umbauten Standard geworden. Wer sich dafür interessiert, dem/der erzähle ich gern, wieviel zähe Bürgerbeteiligung dafür notwendig war, damit meine Initiative Erfolg hatte.

Was noch? Mehr Geld für Radverkehr, noch nicht mal das beschlossene aus der Stellplatzablöse, konnte ich nicht erreichen. Es gab im Verkehrsausschuß Debatten dazu, die keine Änderung bewirkten. Mein Code-Wort wurde Barrierefreiheit. Nimmt das heute im Stadtparlament noch jemand konsequent in den Mund? Ich habe nicht den Eindruck.

Zurück zum Radverkehr. Der ADFC formuliert in Velocity 2025, also für die nächsten 10 Jahre, Standards und Perspektiven für Frankfurt als Stadt, die „weg vom Auto – hin zu Rad, Fuß, öffentlichem Nahverkehr“ wirklich gestaltet und ernst nimmt.  Frankfurt als Fahrrad-Kongress-Stadt könnte ein Signal werden. Und zwar vor 2025.

Gisela Becker

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