MONTREAL: Kleiner Spaziergang bei 31 Grad im August

SPAZIERGANG vom MARCHÉ JEAN-TALON durch PETITE ITALIE, die Geschäftsstrasse PLAZA SAINT-HUBERT, durch die Parkanlagen PÈRE MARQUETTE und SIR WILFRID LAURIER zur AVENUE DU MONT-ROYAL

Drei Tage 31 Grad Celsius Mitte August in Montreal schlauchen. Wir haben noch den ganzen Tag Zeit bis zum Abflug nach zwanzig Uhr. Es soll heute nichts Anstrengendes werden. Wir bevorzugen SchattenOrte, WindOrte, Orte mit KlimaAnlagen.

Zuerst besuchen wir den grossen, überdachten Markt Marché Jean-Talon in der Nähe der Metro-Station Jean-Talon im Viertel PETITE ITALIE. Es ist Schatten unter dem Dach. Die vielen Stände sind um neun Uhr morgens musterhaft und kreativ mit Obst, Gemüse, Kartoffeln, Mais, Blumen und Kräutern geordnet. Es gibt auch Läden für Käse, Fleisch und Muscheln. Alles liegt wunderbar aus. Kühl im Schatten. Ein leichter Wind weht durch die Halle. So ist es angenehm. Viele junge Leute sind hinter den Ständen.

Ab zehn Uhr kommt viel Kundschaft, leger oder elegant gekleidet, je nachdem. Uns locken frisch gebackene Buchweizen-Pfannkuchen zum zweiten Frühstück, die ein echter Genuss sind.

An einem Stand erwerbe ich einen Liter frischen Apfelsaft. Die Marktfrau entdeckt sofort meine deutsche Aussprache. Sie sei Deutsche, Englischlehrerin, habe zwei Kinder, wohne in der Nähe und so sei ihr die Beschäftigung am Marktstand zugefallen. Ich frage sie nach einem BioStand. Den gäbe es. Wir schauen dort vorbei. Es werden regionale Produkte angeboten wie Tomaten, Bohnen, Zwiebeln, Knoblauch, der beliebte Zuckermais, Kartoffeln, Auberginen, Kräuter.

Neben dem Markt ist ein Urban Gardening Projekt mit Pflanzkübeln auf einer kleinen Fläche, die vorher voll Autos gestanden hat. Damit überrascht Montreal, daß Natur anstelle von Autos versucht wird. Die hübsch bepflanzten Blumenkübel entlang der meisten Straßen sind bewundernswert. Die Bäume in den Hauptstraßen haben es allerdings sehr schwer, einige vertrocknete sind abgesägt worden. Doch in den Wohnstraßen gibt es viele Alleen und meist grüne Vorgärten, aus denen sich die Treppen zu den Häusern hochwinden. Einige Vorgärten mit besonders großer, bunter Blumenvielfalt, Tomaten und Feuerbohnen dazwischen, fallen als BioGärten besonders ins Auge.

PLAZA SAINT-HUBERT

Wir erreichen die RUE SAINT-HUBERT, die uns als sehenswerte Geschäftsstrasse empfohlen wurde. Auf dem aktuellen Stadtplan von 2015, den wir in der Tourismuszentrale gefunden haben, ist diese Strasse – wie weitere – mit zwei roten Linien markiert und wirbt als PLAZA SAINT-HUBERT mit glasüberdachten Gehwegen, so daß sie im Winter schneefrei bleiben. Schmucke Hausfassaden verstecken sich dahinter, leider. Kurios sind die vielen Läden mit langen, üppigen Hochzeitskleidern in weißem Tüll. Oder orientalisch in rot, blau, grün mit meist traditionellem Schnitt und Schmuck. Es gibt Leerstand. Ein, zwei oder drei Läden haben Modernes im Schaufenster. Die Klimaanlagen funktionieren dort. Die Strasse ist kein Ort zum Wiederkommen.

Knapp 500 Meter weiter erreichen wir den Parc PÈRE-MARQUETTE mit grüner Wiese, paar Bäumen, Hügeln und großer Sportanlage. Er ist nicht besonders ansprechend, aber schattig, genau richtig für eine längere Pause zu Mittag. Es gibt Tische und Bänke, von wenigen Leuten besetzt. Auf dem Balkon eines Reihenhauses gegenüber unserem Platz schaukelt eine Frau unentwegt im Schaukelstuhl. Es ist eine ruhige Ecke ohne Autoverkehr. Doch auf einmal rattert eine Motorsäge los. Zwei Baumkletterer sägen Äste von den noch ziemlich jungen Ahornbäumen. Ein Sommerschnitt. Wir ziehen weiter Richtung nächster Geschäftsstrasse

AVENUE DU MONT-ROYAL

Dort ist wirklich viel los. Die Strasse pulsiert. Die Häuser in der Mont-Royal sind in der Regel zwei- bis dreistöckig, meist mit Backsteinfassaden. Dahinter versteckt sich in der Regel die übliche Holzkonstruktion. Es gibt in den Erdgeschossen eine Vielzahl an Geschäften und Imbissen. Darüber wird gewohnt. Die Strasse ist auf dem Stadtplan ebenfalls mit zwei roten Linien markiert.

Eiskaffee an der Kreuzung

An einer Kreuzung steuern wir ein Café an, klimatisiert, ideal zum Erholen. Der Eiskaffee weckt auf und löscht den Durst. Wir sitzen am Fenster und schauen, was sich auf der Kreuzung tut. Die abgetrennte Radroute kreuzt. In fünf Minuten zwanzig vorbeifahrende Räder ist eine gute Bilanz. Private Räder, Leihräder, Leute mit und ohne Helm, jüngere Menschen, Kinder in Begleitung Erwachsener, ältere Menschen sind dort unterwegs. Mir gefällt diese umweltfreundliche Entwicklung der Mobilität in Montreal. Das Radkonzept scheint aufzugehen. Es bahnt sich eine gute Entwicklung an. Die vom Autoverkehr abgetrennten Radrouten sind auf dem Plan als grüne Linien erkennbar.

Doch auf der Mont-Royal bedrängt der Autoverkehr den Radverkehr, weil er ungeschützt ist. Bei Tempo 40. Kostenpflichtige Parkbuchten sind beidseits der Straße. Die Ampel an der Kreuzung springt von Rot auf Gelb und Grün. Daneben ist die Fußgänger-Ampel mit roter Hand, die auf einen Fußgänger (männlich!) umspringt. Dann laufen die Sekunden von 8 bis 0.

Busverkehr

Der Bus 97 fährt dort entlang. Es gibt in Montreal ein brauchbares Busnetz. Den Gesamtplan für den öffentlichen Nahverkehr in Montreal erhielten wir beim Schalter in der Metro Outremont. Dort kauften wir die blaue Chip-Karte, die wir mit zehn Fahrten aufluden. Die Metro ist zwar schnell und kühl. Und nicht so voll wie in Paris. Doch mit Busfahrten erschließt sich die Stadt viel anschaulicher.  Die Haltestellen folgen sehr dicht aufeinander, was sehr sympathisch ist. Die Busse haben zwar jede Menge Überwachungskameras innen und können durch Absenken meist barrierefrei betreten werden. Doch es fehlt komplett an moderner Informationstechnologie! Es gibt keinerlei visuelle und akustische Anzeigen bzw. Ansagen zu Haltestellen. Selbst an der Haltestelle steht kein Name. Es fehlen Informationen zu Umsteigebeziehungen, wie z.B. zur Metro oder anderen Bussen. Bei Tageslicht klappt die Orientierung einigermaßen, wenn die Orte bekannt sind. Doch nachts tappt man im Dunkeln, muß sich auf die anderen Fahrgäste verlassen, die einem Auskunft geben. Der Sprung ins 21. Jahrhundert ist beim öffentlichen Nahverkehr in Montreal nicht gelungen.

Fotoabzüge im Supermarkt

Zum Abschluss unseres Spaziergangs fragen wir nach einer Möglichkeit, digitale Abzüge unserer Fotos zu machen. In einem Drogerie-Supermarkt in der Mont-Royal finden wir einen Automaten für Sofortbilder. Die Fotoabzüge sind ein kleines Dankeschön an unsere netten, freundlichen Gastgeber in Montreal, mit denen wir herrliche Tage mit vielen, interessanten Ausflügen verbrachten.

Gisela Becker

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