Sonntagmorgen zu Fuss durch das Bahnhofsviertel bis hinter die Alte Oper

Auch bei Regen ein interessanter Stadtspaziergang / Ruhiges Bahnhofsviertel / Theaterprogramm mit dem „Festival Fluchtpunkt Frankfurt“ vom 14.-17.1.2016 / platzversperrender Zukunftspavillon auf dem Roßmarkt / Großbaustelle Hotel am Opernplatz 14 / BlechUngetüme an der Welle

Es ergab sich, daß ich heute Morgen vom Frankfurter Hauptbahnhof durch die Kaiserstraße und die Münchener Straße zu Fuß unterwegs war, auf dem Willy-Brandt-Platz Richtung Roßmarkt abbog. Dann spazierte ich an der Börse vorbei durch die Bockenheimer Anlage und Liesel-Christ-Anlage, bog dann in „Die Welle“ ein, die sich an der Leerbachstraße windet und war dann mit paar Schritten zu Hause im nördlichen Westend.

Die Hausfassaden in der Kaiserstraße, die jetzt im Winter nicht von dem Laub der vielen Lindenbäume verdeckt sind, interessierten meinen Kamerablick trotz Düsterkeit des Wetters. Es gibt dort keine Bauruinen mehr, die bis vor kurzem dort seit dem Kriegsende waren. Die alten Fassaden der Gründerzeithäuser sind meist saniert und haben dadurch ihre einmalige Wirkung wieder. Dazwischen sind die neuen Häuser mit teils gelungenen, teils problematischen Fassadengestaltungen. Abstoßend finde ich die Eckgestaltung des „K.58“ mit dem extrem häßlichen Dachaufbau. In den Straßen war um neun Uhr noch nicht viel los. Einmal steuerte mich eine Frau an, die einen Euro wollte.

Am Schauspiel schaute ich das frische Januar-Programm im Schaukasten durch und entdeckte die Veranstaltungsreihe Fluchtpunkt, die im Dezember begonnen hatte.

Bis zum Roßmarkt schaute ich mehr in die beleuchteten Schaufenster, manche nur mit dem Großplakat „Sale“ (Ausverkauf) ausgestattet.

Über den sehr hohen, umfangreichen Holzbau des sogenannten Zukunftspavillons, der auf dem Roßmarkt steht, machte ich mir wieder mal Gedanken, was der solle. Der Platz wird nicht schöner dadurch. Der ist einfach grundauf verkorkst. Im Abgang liegen drei Personen in Schlafsäcken. Das Haus, der „Pavillon“ wird von Regalbrettern mit Holzblumenkästen umgeben. Dort wachsen Kohlsorten, Sellerie und ähnliches. Die Versorgungsleitung auf dem Platz ist notdürftig abgedeckt. Vor allem die vielen kaputten Steine, in der die Leitungen liegen, fallen auf. Mit Barrierefreiheit hat es die Stadt einfach nicht.

Der Goetheplatz erstarrt ebenfalls vor Grau, diesmal mit Pfützen. Mit Kisten, in denen paar Pflanzen wachsen, ist ein Geviert umstellt. Es ist (k)ein Urban Gardening Project, weil nicht von AnwohnerInnen gestaltet. Immer, wenn AnwohnerInnen auf dem Goetheplatz Rosen und Lavendel haben wollen, wie es vor der Tiefgarage war, lehnt die Stadt das schöne Grün ab.

An der Hochstraße und der Bockenheimer Anlage ist Richtung Alte Oper der Neubau fast fertiggestellt. Es ist das 5-Sterne-Hotel und ein Wohn- und Gewerbegebäude, dazwischen eine schmale Straße. Wann fällt endlich der Bauzaun? Wohin kommen 23 für das Bauwerk gefällte große Bäume?

An der Hochstraße fehlen große Platanen, die bereits für das Umspannwerk der Mainova gefällt wurden. Die Bäume wurden entlang der Straße und dem Hotelneubau einfach nicht vorgesehen, eine Frechheit.

Es ist insgesamt ärgerlich, daß Hochbauten in der Innenstadt ohne Grünflächen genehmigt werden. Sie leben aber von den kargen öffentlichen Grünanlagen in der Nachbarschaft, die ihren Marktwert ungemein steigern. Doch die Investoren und das Stadtplanungsamt tun nichts für öffentliches Grün. Sie vernichten es. Der Konflikt ist ein Dauerbrenner und längst nicht ausgestanden. Schwarz-Grün vernichtet Grün.

Dann kommt der Hit: Die Blechkonstruktionen im offenen Innenbereich der Welle. Blech, Beton, Blech, etwas Pflanzerde, teils auf Hügeln, Fertigrasen, Gras, einige Büsche, einige Bäume. Abreißen hilft nur noch, sagen die Stimmen aus der Nachbarschaft. Und: Wohnungen bauen, sagen sie auch. Noch ist die Chose nicht eröffnet, Bauzäune stehen rum. Doch es kann nicht besser werden. Für besonders wenig Sitzflächen ist extra gesorgt, denn die schrägen Wände bieten sich maximal als Schrägliegeflächen an.

Gisela Becker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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