„Wildnis wagen“ in der Stadt Frankfurt am Main?

Kahlschlag ist die Praxis – Rollrasen wird Standard – Wo bleibt da wilde natur? spaziergang im nordpark bei bonames

nordpark-ffm-nidda-altarmBei den Stadtspaziergängen durch Frankfurts Grünanlagen wird schnell erkennbar, daß die Naturräume ausgeräumt werden.

Gebüsche werden ganz abgeholzt oder gleich mit Wurzeln entfernt. Manches Gesträuch wird auf 20 – 50 cm gekürzt. Toter Rollrasen wird in den Wallanlagen und am Mainufer ausgelegt.

Die Parkanlagen werden alle transparent. Bäume sind einigermaßen geduldet. Sie könnten ja umfallen. Von der Natur, insbesondere von wilden Naturecken, könnte Gefahr ausgehen. So ist im Allgemeinen die städtische Haltung.

Der Straßenverkehr und die Bauwerke werden selbst in den großen Parkanlagen ungehindert sichtbar. Lichtsmog dringt in die Grünanlagen, der Verkehrslärm und der Luftsmog sowieso. Es gibt immer weniger Grünmasse als Sauerstoffproduzent, als Sichtschutz, als Vogelschutz, als belebendes ästhetisches Element.

Auch die Friedhöfe werden nach und nach in großen Abschnitten so transparent. Es trifft vor allem die alten Eiben. Selbst die dicksten Stämme werden auf einen Meter abgesägt, verkrotzt.

Da kommt der Begriff „Wildnis“ aus Magistrats-Mund als Fremdwort daher. Die Wintermonate werden bis Ende Februar mit allen Kräften des Grünamtes dazu genutzt, Wildnis zu erschlagen. „Kahlschlag“ nennen wir BürgerInnen das seit vielen Jahren. Die von uns UmweltschützerInnen erwünschte sorgsam gepflegte Wildnis zum Erhalt der Artenvielfalt wird von der Stadt kaputt gemacht. Über die Kahlschlagsorgien im Landschaftsschutzgebiet Grüneburgpark berichte ich regelmäßig auf meinem blog http://www.grueneburgparkinitiativen.wordpress.com.

Bundesprojekt „Wildnis wagen“

Ein bezahltes Bundesprojekt „Wildnis wagen“ führt jetzt dazu, daß Frankfurt sich mit zwei außerhalb der Stadt gelegenen Gebieten beteiligt: Dem Müllberg Monte Scherbelino und dem Nordpark am Rand von Bonames. Außerdem sind Hannover und Dessau-Roßlau in dieser Projektfinanzierung.

Spaziergang im Nordpark

Ende Januar machte ich am späten Nachmittag bei beginnender Dunkelheit einen Spaziergang vom Alten Flugplatz zum Nordpark. Der Nordpark war mir gänzlich unbekannt. Er liegt an der Nidda. Der Radweg führt beidseits des Flusses. Dort kam ich mehrmals entlang. Es ist eine wunderbare Tour entlang der Nidda. Auf eine Parkanlage, den Nordpark, wurde ich nicht aufmerksam. Jetzt stehen Straßenschilder als Hinweis an der Straßenkreuzung. Zum Projekt „Wildnis wagen“ fand ich keine Informationstafel.

Ein wieder hergestellter Nidda-Altarm fließt recht breit durch den Nordpark. Eine neue, häßliche Betonbrücke vor allem für Fuß- und Radverkehr führt über den Altarm, eine hübsche Stahlbrücke ebenfalls. Die Büsche und Bäume, die entlang Nidda und Altarm wachsen, gefallen mir. Sie sind Teil einer Wildnis. Doch die Fachleute der Stadtentwässerung, die für die Gewässer auch wegen Hochwassergefahren zuständig sind, sorgen in der Regel für Ärger mit radikalem Kahlschlag. Im März sind alljährlich Begehungen verschiedener Gewässer. Am Kalbach war ich zum Beispiel als Stadtverordnete dabei. Es gab Eisvögel. Wunderbar. Was wird noch bis 28.2.2017, dem Beginn der Vogelschutzzeit, mit der Wildnis an der Nidda passieren?

Der Nordpark ist klein, 7 ha. Ein daneben liegendes Gelände, das am Hang liegt, ist umzäunt, vielleicht privat, ist mit Fichten und Mammutbaum und Hangwiese als ausgeräumter Park gepflegt. Der Weg nach Bonames geht in einer breiten Serpentine den interessanten Hang an der Nidda hoch. Dort am Hang gibt es tatsächlich dicke Stämme, die als Altholz quer liegen. Wunderbar. Entlang der Nidda sind alte dicke Bäume, teils Eichen. Die Vogelwelt meldet sich zwitschernd.

Die wenigen Wege sind schmal und bleiben es hoffentlich. Ärgerlich ist, daß an einigen Bäumen an Wegen die hellen Wunden von Sägestellen sind. Das sieht nicht gut aus – mit dem Wildnisprojekt. Es gibt viel junge Bäume im Gebiet, viele sicherlich durch Selbstaussaat. Ich stoße auf einen Grillplatz. An der Straße liegt eine Wiese. Dürfen die Autos noch den Parkplatz dort benutzen? Bei der beginnenden Dunkelheit habe ich mir nur einen groben Eindruck der jetzigen Situation verschafft.

Je weniger Leute den Park benutzen, um so besser ist es für die Wildnis. Deshalb geht es vor allem darum, die Durchquerung so zu kanalisieren, daß viel Wildnis sich selbst überlassen bleibt.

Gisela Becker

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2 Antworten zu “„Wildnis wagen“ in der Stadt Frankfurt am Main?

  1. Gruß aus dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich!

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