Wieviel „Wildnis“ hat der Ostpark?

Wenig Wildnis. Entdeckung eines alten Speierling-Baumes

Heute, am kalten, sonnigen Samstag habe ich mir einen Spaziergang im Ostpark vorgenommen. Vor dem Park hängt an einem dicken, sehr hohen Baum ein großes grünes Schild „Speierling. Sorbus domestica“. Ich bin erstaunt. Das Schild wirkt neu. Der Baum wirkt alt. Er ist von 1917.

Auf diesen Baum, genauer die Baumart, wäre ich ohne Schild nicht aufmerksam geworden. Beim Weitergehen finde ich im Bürgerpark, Teil des Ostparks und vor etlichen Jahren auch mal Schulgarten, bei einigen der hohen, dicken Bäume weitere solche großen grünen Schilder. So sind Eßkastanie, Mammut, Silberpappel, Stieleiche, Schwarzerle, Schwarznuß, Baumhasel markiert, um nur einige zu nennen. Leider fehlt das Pflanzjahr, um das Alter zu errechnen. Ältere Schilder, kleiner und weißgrau, hängen auch noch an einigen Bäumen. Im ehemaligen Schulgarten ist Wildnis ausbaufähig.

Der Blick fällt auf die rot-blau glänzende Fassade des Wohnquartiers für obdachlose Menschen im Ostpark. Die weithin leuchtende Außenwand wirkt hochmodern, ja futuristisch. Je nach Lichteinfall ändern sich die Farben. Mehrere Jahre wurde dieses moderne Quartier gebaut, in dem übernachten kann, wer vor der Tür steht. Mehr

Im Ostpark selbst, dem ersten Frankfurter Volkspark, ist kein Baum mit Namensschild versehen. Schade. Zwei besonders dicke Bäume fallen mir auf: Die Roteiche Nr. 1245, gepflanzt 1907, mit einem Stammumfang von rund 5,5 Metern und der Silber-Ahorn Nr. 1053, gepflanzt 1947, mit einem ähnlichen Stammumfang. Viel Wurzelwerk des Silber-Ahorns liegt offen auf der Erde. Es wirkt dekorativ, macht den Baum natürlich anfällig für Wurzelbeschädigungen. Gewaltig groß sind beide Bäume. Sie stehen an der Ostseite in der Nähe des großen Teichs, auf dem Stockenten, Teichhühner und Nilgänse unterwegs sind.

Der Wind treibt Wellen über das Wasser. Die Luft ist frisch und befreiend zum Atmen. Das ist gut für meine Bronchien, die seit langem immer wieder zu Hustenanfällen neigen. Die Luft in Frankfurt ist sehr schlecht, sehr belastet. Sie wird nicht besser und die Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge wird es trotzdem nicht geben. Auch die blaue Plakette wird von dieser Bundesregierung nicht eingeführt werden. Zu tief ist der Kotau vor der Autolobby. Ich verstehe das nicht. Die Gesundheit ist Grundrecht.

Beim Blick ins Frankfurter Baumkataster fällt auf, daß sehr viele Bäume im Park fehlen. Es gibt große Baumlücken. Einige Baumstämme ohne Krone bleiben als Habitatbäume für Fledermäuse und Spechte stehen, sogar direkt an Wegen. An einem Habitat-Baum, vielleicht eine Pappel, wachsen Pilze am Stamm hoch hinauf, die mir bis jetzt unbekannt sind. Einige Baumstämme liegen am Parkrand an der Böschung und verrotten.

Ins derzeitige Umweltdezernat-Schlagwort „Wildnis“ läßt sich wenig im Ostpark einordnen. Es fehlen die dichten Gehölzinseln für die Vogelwelt. Es fehlen Wildblumen auf den Wiesenflächen. Die senkrechten Totholzbäume stehen zu isoliert ohne umgebendes Gebüsch. Die liegenden Totholzstämme vertragen Ergänzungen. Für Wildnis müßte ein Konzept her, um mehr Arten zu erhalten und anzusiedeln. Örtliche Möglichkeiten gäbe es. Der Ostpark ist Entwicklungsland.

Heute habe ich Glück, daß der entsetzliche Autolärm nicht in den Park dringt, weil der Wind aus der anderen Richtung kommt.

An die hundert Nilgänse bewegen sich auf der großen Wiesenfläche fressend vorwärts. Ab und zu fliegt ein Gänsepaar mit lautem Geschrei über die Baumwipfel hinweg. Zur Vergrämung der immens vielen Nilgänse soll das Seeufer mehr bewachsen werden. Selbst jetzt im kalten Februar sind zwei kleine, junge Nilgänse mit ihren wachsamen Eltern auf dem Wasser unterwegs. Die nahezu ganzjährige Vermehrung wegen der Klimaerwärmung ist ein Problem. Dazu kommt, daß sie so gut wie keine Feinde in der Tierwelt haben.

Einige Wege im Ostpark sind zur Zeit Baustelle. Sie werden saniert. Der Spielplatz wird etwas verlagert. gb

Nachtrag 26.3.2018

Bauzaun gegen Nilgänse und Graugänse

Heute lese ich die Nachricht, daß im Ostpark entlang dem See ein 450 m langer, 80 cm langer Bauzaun mit schwarzer Plastikbahn zur Vergrämung der bis zu 350 Gänse aufgestellt wird. Das Experiment ist für drei Monate eingeplant. Kosten 5000 € für den Bauzaun.

Ich habe mich bei meinem geschilderten Spaziergang schon gewundert, daß die Uferbepflanzung, die angekündigt war, überhaupt noch nicht begonnen worden war. Obwohl der warme, feuchte Winter dafür ideal war.  Statt Bauzaun sollen letztendlich die Uferpflanzen für Gänse das Seeufer ungemütlicher machen. gb

Nachtrag 7.4.2018

Der sehr teure Bauzaun wird umgekippt, ist in der Presse zu lesen. Wird endlich die Uferbepflanzung durchgeführt?

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