Wird Station Fritz-Tarnow-Straße nun endlich sicher für blinde Menschen?

Frankfurt. Am Montag, 28.5.2018 soll Ortstermin um 16 Uhr an der Station mit dem Straßenverkehrsamt sein.

Es war im Dezember 2017, als der Verkehrsdezernent in der Stadtverordnetenversammlung noch für die 50. Kalenderwoche 2017 die geforderten Verbesserungen zugesagt hatte. Doch passiert ist nichts. Auch unser Pressetermin im Januar 2018 (Bericht hier im blog) blieb erfolglos, weil folgenlos.

FR und FNP hatten ausführlich mit Fotos berichtet. Nun kommt die nächste Runde: Am Montag, 28.5.2018 soll jemand vom Straßenverkehrsamt zu den Ampeln vor Ort Stellung nehmen.

Auch wird gemeldet, daß die Verkehrsgesellschaft Frankfurt nun die Kurve kriegt, ein Einstiegsfeld vor der ersten Tür der Bahn zu markieren. Auch die erforderlichen Treppenmarkierungen sollen nun endlich aufgebracht werden.

Der aktuelle Termin am kommenden Montag ist auf meine beharrliche Anfrage beim Blinden- und SehbehindertenBund Hessen (BSBH) gemeldet worden.

Regelmäßig hatte ich seit Dezember 2017 die Station genauer inspiziert. Doch nachhaltig hatte sich bis jetzt im Wonnemonat Mai 2018 nichts verbessert. Das sind sechs Monate Untätigkeit der Stadtverwaltung und eigentlich auch des BSBH. Der dort in der Nähe der Station seit Dezember 2017 seinen neuen Sitz hat.

Die Akustik der Ampeln ist oft nicht laut genug. Der Ton über die Gleise fehlt teils, endet drei Schritte vor der gegenüberliegenden Ziel-Ampel oder ist viel zu leise. Es geht sowohl um die Südquerung als auch um die Nordquerung über die Eschersheimer Landstraße. Die AmpelTasten haben Ausfälle bei der Vibration, mit WinterHandschuhen läßt sich manche zarte Vibration gar nicht spüren.

Für das zuständige Straßenverkehrsamt kommt der Sicherheit keine Eilbedürftigkeit zu. Der BSBH läßt sich beschwichtigen mit der amtlichen Hinhaltetaktik, daß es angeblich so viel in der Stadt zu tun gäbe oder daß die veraltete Technik sehr schwierig zu beschaffen sei.

Welche Stadtverordnete, welche Ortsbeiräte nehmen sich der Sache an? In der Sache stelle ich keinerlei dringende Unterstützung fest. Als ehemalige Stadtverordnete, die sich intensiv für Barrierefreiheit einsetzt, frage ich immer mal nach. Das machen viel zu wenige, um die Stadtverwaltung an die Pflichten zu erinnern, habe ich den dauerhaften Eindruck.

Ich bin gespannt, was am Montag um 16 Uhr  beim Ortstermin für nachhaltige Ergebnisse zur Sicherheit geschaffen oder angekündigt werden. Ich bleibe dran.

Gisela Becker

Nachtrag 30.5.2018

Beim Ortstermin am 28.5.2018 waren vier blinde ExpertInnen dabei. Vom Bereich Lichtsignalanlagen des Straßenverkehrsamtes waren es vier Fachleute. Von der Firma Siemens, die die technische Umsetzung macht, waren es zwei Mitarbeiter.

Von  Oskar Runhaar, dem Leiter der Planung Lichtsignalanlagen (36.35), hörten wir gleich zu Beginn, daß im Februar 2018 die akustischen Anlagen an der Süd-Überquerung insgesamt auf dem neuesten Stand erneuert worden sei. Das betrifft dort sechs Ampeln. Doch keine/r der blinden FußgängerInnen hat es gemerkt. Eine Information war nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Es wurde seitens der Stadt nicht zum Testen eingeladen.

Allgemeine Verwunderung breitete sich deshalb am Montag aus. Also deshalb fand am Montag der Ortstermin mit so vielen städtischen Beteiligten statt!

Bei der Akustik wurde dann gleich beim Ortstermin so nachgebessert, daß der Pilotton (Lockton der aufzufindenden Ampel) besser hörbar und lauter eingestellt wurde. Beim Freigabeton über Straße und Schiene wurde ebenfalls nachgebessert, bis Alexandra Grünauer, die mehrmals wöchentlich die Kreuzung mit Gehör und Blindenstock meistern muß, einigermaßen zufrieden war. Doch eine wirklich perfekte, sichere akustische Führung war nicht abschließend feststellbar.

Hinzu kommt, daß auf der Südquerung zu bestimmten Zeiten sehr viele Menschen unterwegs sind, ein Gedränge entsteht, auch viele mit Rädern Platz beanspruchen. Es muß darauf geachtet werden, daß es keine Rempeleien und Zusammenstöße gibt. Und dann nur auf einen Ton achten, wo so viel Umgebungslärm ist, ist viel verlangt, beansprucht eine stets sehr hohe Konzentration.

Das wird von nicht blinden Personen, wie sie seitens der Stadt tätig sind, unterschätzt, unterbewertet oder schlichtweg ignoriert. Ihre Norm ist die von Sehenden.

Ärgerlich ist, daß der Freigabeton über Schienen und Straße zu kurz ist. Vier bis sechs Schritte vor dem für FußgängerInnen sicheren Bereich endet der Ton. Die Ampel wird somit nicht gefunden. Es entstehen starke Ängste und Orientierungsprobleme.

Für die Querung stadtauswärts kündigte Oskar Runhaar am Montag an, daß dort auch die neue akustische Signalisierung eingebaut wird. Auch insofern machte der Ortstermin Sinn und brachte einen gewissen Fortschritt.

Weiße Platten auf den Bahnsteigen tragen zur Verwirrung bei

Am Montag, 28.5.2018 wurden auch von zwei Männern in roten Arbeitsanzügen weiße Noppen- und Rippenplatten auf den beiden Bahnsteigen aufgebracht. Und zwar wie gewünscht vor den beiden Treppen beider Bahnsteige. Doch die weißen Streifen auf den schwarzen Stufen fehlen noch.

Daß auch im Verlauf beider Bahnsteige weiße Platten aufgebracht wurden, ist noch klärungsbedürftig. Gewünscht war die Markierung des Einstiegsfeldes vor der ersten U-Bahntür. Genau das ist nicht gemacht worden. Sondern es wurden Noppenplatten in Höhe der Notruf-/Informationssäule verlegt, im Osten, also stadtauswärts, ohne Verbindung zur Säule, im Westen, stadteinwärts, mit Plattenverbindung zur Säule. Stadtauswärts wurde auch neu ein Querrippenfeld verlegt, was nach meinem Verständnis Stopp heißt.

Die beiden rot bekleideten Männer waren kurz nach 16 Uhr gegangen, so daß ich sie nicht fragen konnte, was Sache ist.

Gisela Becker

Nachtrag

Am 28.5. 2018 schickte ich sofort eine Eil-email ans Verkehrsdezernat wegen der Platten auf den Bahnsteigen, die zur Desorientierung beitragen. Hier im Wortlaut:

verkehrsdezernat@stadt-frankfurt.de

1. Blindengerechte Ampelquerungen, im Norden neue Technik einbauen

2. Verlegung von Noppenplatten eigentlich an der ersten U-Bahntür besprochen, jetzt falsch

3. Noppenplatten oben und unten vor den Treppen aufgeklebt, doch die Treppenstufen haben keinen weißen Markierungsstreifen

Sehr geehrte Damen und Herren,

1. zu den Ampeln an der Station fand heute von 16 – 17.30 Uhr der Ortstermin mit vier ExpertInnen mit Blindenstock, vier Experten vom Straßenverkehrsamt und zwei MA der zuständigen Firma Siemens statt. Es wurden Änderungen in der Höhe und Lautstärke an den verschiedenen TonSignalen (Pilot bzw. Freigabeton) durchgeführt, Taster geprüft und Vibrationstechnik teils beanstandet.

Für die Nordquerung wurde der Einbau der neuen, zuverlässigeren Signaltechnik, wie sie im Süden bereits eingebaut ist, zugesagt. Geblieben ist das Problem, daß der Freigabeton über die Schienen und über die Straße bereits vier bis sechs Schritte vor dem Erreichen des Bordsteins endet, so daß die Orientierung fehlt und große Ängste entstehen, nicht auf den fußgängersicheren Bereich zu kommen.

Falls weiterhin Ampelprobleme von den betroffenen Personen gemeldet werden, wird von ihnen möglichst zeitnah die

verkehrsleitzentrale@stadt-frankfurt.de

mit Angabe des Ortes und der präzisen Gründe angeschrieben, wurde heute vereinbart (Telefon 069-21242635).

Heute hörten wir, daß im Februar 2018 die südliche Ampelquerung erneuert worden sei. Eine Information darüber ging den Beteiligten und auch der Presse nicht zu. Vor Ort war keine nachhaltige Verbesserung zu hören oder zu erkennen, so daß davon auszugehen war, daß die Stadt monatelang nichts unternommen hat. Eine positive Meldung wäre gut gewesen.

2. Der eigentliche Anlaß dieses Schreibens sind die falsch verlegten weißen Noppenplatten auf den beiden Bahnsteigen

Besprochen war, daß die erste Tür hinter dem Fahrer / der Fahrerin ein Aufmerksamkeitsfeld erhalten soll.

Die heute aufgeklebten Noppenplatten sind in Höhe der Notruf-/Informationssäule, doch ohne weiterführende Rippenplatten. Die Platten auf beiden Bahnsteigen liegen genau da, wo in der Regel keine Eingangstür ist, sondern sogar in einigen Fällen die Kupplung zwischen zwei Wagen!!!

Auf dem östlichen Bahnsteig wurde heute eine zweite Platte mit Rippen verlegt. Unklar ist, wofür?

Auf dem westlichen Bahnsteig gibt es eine solche Platte nicht.

Ob ein Ortstermin mit dem zuständigen Amt bzw. der VGF sinnvoll wäre?

3. Heute wurden die weißen Noppenplatten ober- und unterhalb der beiden südlichen Treppen aufgeklebt.

Die einzelnen Treppenstufen sollten einen weißen Randstreifen bekommen, um sicherer für sehbehinderte Menschen zu sein. Gerade die letzte Stufe hat es in sich, wird oft übersehen.

Ich bitte um Ihre Information zu 2. und 3.

Freundliche Grüße

Gisela Becker

ehemalige Stadtverordnete (2002 – 2011)

Nachtrag 17.10.2018

Mit großer Verspätung hat nun der BSBH eingestanden, daß die verlegten Platten auf dem Bahnsteig kein sicheres Einstiegsfeld sind. Sie hatten mir bis dato immer widersprochen. Im FBAG-Protokoll vom 29.9.2018 steht:

 Einstiegsfeld U-Bahn Fritz-Tarnow-Straße
Frau Reith berichtet von einem Ortstermin an der Fritz-Tarnow-Staße. Dabei
fiel auf, dass die Bahnen unterschiedlich genau am Einstiegsfeld hielten;
einige „trafen“ es mehr oder weniger gut, in Einzelfällen kamen die Bahnen
aber so zum Stehen, dass am Einstiegsfeld keine Tür, sondern der
Kupplungsbereich zwischen zwei Wagen war! Das ist sehr gefährlich. Von
Seiten der VGF wird berichtet, dass die Bahnen auf 30cm genau halten können
und entsprechende Haltepunkte haben. Hier sollte bei der Fahrerschulung auf
die Bedeutung hingewiesen werden.

 

 

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