Wald-Wildnis nahe der Anne-Frank-Siedlung wird zur Vogelschutzzeit gestört

Rigoros wurden viele Weidenkätzchen abgesägt

Frankfurt. Eine städtische Meldung vom 26.2.2019 weist auf Beseitigung von alten Bäumen in einem kleinen Wäldchen hin, das ich gut kenne, ist doch dort in der Nähe mein Klein-Bio-Garten. Ab 1. März bis 30. September ist Jahr für Jahr die Vogelschutzzeit, in der möglichst keine Störungen bei Büschen und verbuschten Waldgebieten erfolgen sollte.

Wurde das bei der jetzt angekündigten Aktion nicht bedacht? Ausnahmen sind selbstverständlich Verkehrssicherungsmaßnahmen. Waren die Schrägstände nicht früher festzustellen? Meldung im Wortlaut angefügt. gb

—— Anlage

https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=8440&_ffmpar[_id_inhalt]=35109834

26.2.2019

Baumfällarbeiten im nördlichen Stadtgebiet

(ffm) Das Grünflächenamt teilt mit, dass zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit einige Bäume im Frankfurter Norden gefällt werden müssen.

Die Pappel mit der Nummer 274 an der Marie-Bittorf-Anlage 9 muss aufgrund eines überwiegenden Totholzanteils entfernt werden. Im Verlauf des Jahres soll der Baum am alten Standort nachgepflanzt werden.

Eine Weide und Birke am Eschersheimer Feld an der Anne-Frank-Siedlung leiden unter starker Schräglage, Ast- oder Kronenbruch, überwiegendem Totholzanteil, Fäulnis und Morschungen, weshalb auch sie gefällt werden müssen. Der dichte Gehölzbestand und fehlende Entwicklungsmöglichkeiten schließen eine Nachpflanzung aus. Zusätzlich müssen rund 40 Bäume aufgrund von natürlichen Alterungs- und Absterbeprozessen im waldartigen Bestand an der Anne-Frank-Siedlung gefällt werden. Diese Bäume befinden sich direkt an oder in unmittelbarer Nähe von stark frequentierten Wegen und stellen deshalb ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Das Holz der gefällten Bäume wird vor Ort belassen, um dem natürlichen Kreislauf zugeführt zu werden und eine Lebensgrundlage für Insekten und andere Kleinlebewesen zu schaffen. Im Zuge dieser Arbeiten werden zusätzlich noch Totholzentnahmen durchgeführt, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.

An der Friedrich-Fauldraht-Anlage/Massenheimer Straße 17 werden die Ulmen 15 bis 19 gefällt und am selben Standort nachgepflanzt. Der Grund für die Fällarbeiten ist das Absterben der Gewächse.

Nachtrag 7.3.2019

Hatte am 6.3.2019 Fotos der massiven Fällaktionen in dem Wäldchen in Eschersheim gemacht, darunter viele Weiden, auch mit vielen blühenden Kätzchen, eine existentielle Bienennahrung. Aber kommt es in Frankfurt auf Bienen an? Das Auto der Baumfällfirma Gebr. Krämer stand dort. Ein Frau und ein Mann erklärten ziemlich resigniert, daß die Baumfällungen vor dem 1. März erfolgt seien. Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen fragten mich, was ich von den Fällungen halte. Die Jugend ist ja seit FridaysforFuture klimabewußt. Sie wußten, daß Kätzchen als Bienennahrung wichtig sind und nicht geschädigt werden dürfen. Meine Protest-mail mit Fotos ging heute ans Umweltdezernat.
Telefonisch erklärte mir Holger Alt heute auf Grund meiner ihm zugeleiteten mail, zuständiger und sachverständiger Bereichsleiter im Grünflächenamt, daß sowohl mit der Bürgerinitiative Eschersheim als auch mit der BI von der Sinai-Wildnis vorher eine Begehung stattgefunden habe, um eine Verständigung zu den Maßnahmen herzustellen. Das stand nicht in der städtischen mail, wäre aber wichtig gewesen. Den Trampelpfad bezeichnete er als Verkehrsweg, der verkehrssicher sein müsse. Das abgesägte Holz verbleibe im Gelände, teils als Benjes-Hecke. Der Zeitpunkt sei sicherlich kritisch, zu spät. Durch die Auslichtung werde niederen Gewächsen, auch anderen Bäumen, eine Chance eingeräumt. Er bestätigte, daß viele Menschen enttäuscht über mangelnden und fehlenden Umwelt- und Baumschutz seien, gerade auch in Eschersheim und daß das Umweltdezernat sich unglaubwürdig mache.
Im Gespräch erzählte Herr Alt von vielen gut laufenden Projekten mit verschiedenen AkteurInnen in seinem großen Bereich im Norden von Frankfurt, darunter Niddapark, Streuobstwiesen, Wildwiesen, Wildnis und Alternativen mit Rosen zum langweiligen Busch-Begleitgrün.  Mich beeindruckte seine Diskussions- und Informationsbereitschaft und sein Experimentieren in Sachen Ökologie. gb

Nachtrag am 27.3.2019 zum Ortstermin am 26.3.

Der Ortstermin am Wäldchen am Eschersheimer Feld am 26.3.2019 auf Einladung von Franck Wargnier vom Grünflächenamt mit Katja Kaiser, GFA, und Monika Kustusch, Umweltamt, mir und Brigitte Keusch, BI, hat im Ergebnis gebracht, daß entlang der Trampelpfade auch jetzt in der Vogelschutzzeit Bäume abgesägt werden, die nach dem kürzlichen Sturm Anfang März 2019 ein Verkehrssicherheitsproblem darstellen.

Grundsätzlich werden die heutigen Trampelpfade nicht breiter und auch nicht mehr, sondern kontinuierlich durch Holzstämme schmal gehalten. Diese Pfade werden vom Grünflächenamt von den beim Sturm umgestürzten Bäumen jetzt noch frei gemacht. Sämtliches Holz bleibt im Wäldchen.

Die Stadt, Grünflächenamt, hat erst vergangenen Winter das Wäldchen rechtlich übernommen. Deshalb sind die Sicherungsmaßnahmen mit starken Baumschnitten entlang von Wegen insbesondere an Weiden erst im Februar 2019 erfolgt. Der Streifen im Osten, begrenzt durch Holzpflöcke, war städtisch und bleibt es. Der große andere Teil, das Wäldchen – ursprünglich als Wildwiese bezeichnet und noch mit zwei solcher Schilder ausgewiesen – gehörte vorher der Kirche. Der breite östliche Weg zwischen den Gärten und dem Wäldchen fällt in noch zu klärende Zuständigkeit. Er wird regelmäßig freigehalten und repariert.

Eine Dokumentation der Entwicklung des Wäldchens scheint nicht vorgenommen zu werden. Doch ein ökologisches Gutachten (Senckenberg?) vom jetzigen Zustand des wertvollen Wildnis-Biotops soll es geben (?).

Beobachtet wird der Aufwuchs von diversen Baumarten. Außer Weiden und Birken, die sehr hoch sind (Weiden sterben nach und nach ab), gibt es große Walnußbäume und Eichen sowie bisher kleine Bäume wie Feldahorn, Spitz- oder Bergahorn, Eberesche. In der Krautschicht sind Brennesseln. Es gibt zahlreiche Brombeergebüsche. Ein Eichhörnchen ist unterwegs. Vögel sind zahlreich. Wildbienen und Hummeln?

Es bleibt zu beobachten, ob diese gesamte Fläche als Grün- und Waldfläche im Bebauungsplan gesichert wird.  Auch die Gärten auf städtischem Grund im Westen des Wäldchens müßten als Grüne Lunge gesichert werden. Dafür ist zu kämpfen.

Die Zusammenarbeit der BI und dem GFA (Stadt) ist positiv. Mir hat sehr gefallen, daß hier ein offener Dialog seitens des GFA mit Bürgerinnen und Bürgern als ExpertInnen geführt wird. Nur mit Zusammenarbeit klappt es. Alle sind darauf angewiesen.    gb

BÜRGERINITIATIVE GRÜNFLÄCHENERHALT IM GEEREN, so ist sie im Internet zu finden.

Ergänzung zum 27.3.2019

Die Firma Krämer war vor Ort, um die beauftragten angeknacksten Bäume entlang der Trampelpfade zu kappen. Ein Baumkletterer beseitigte parallel dürre Äste in der Höhe entlang der Pfade. gb

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