Das Josef’sche Stadtentwicklungskonzept 2030

Frankfurt. Mike Josef, SPD, Planungsdezernent, legt eine Broschüre voller Absichtserklärungen für Frankfurt’s Zukunft vor. Was steht da eigentlich Neues und Wichtiges drin? Nach dem ersten Durchblättern online finde ich keine Neuigkeiten. Es geht weiter wie bisher. Zu einer Podiumsdiskussion wird für Montag, den 24. Juni 2019 um 19 Uhr in das ebenerdige Casino des Planungsdezernats in der Kurt-Schumacher-Str. 10 eingeladen. Meine erste schnelle Bewertung:  Da ich ja auf dem Klima-, Umwelt-, Mobilitäts- und Grün-Trip bin, schaue ich mir natürlich die Aussagen dazu genauer an. Fazit: Es wird nichts mit dem Klimaschutz.

Es wird weiter auf Teufel komm raus gebaut, verdichtet, versiegelt, entgrünt, dem Autoverkehr Priorität eingeräumt. Das Fahrad und Zufußgehen werden sogar diffamiert und falsch eingestuft, wenn es auf Seite 52 heißt: „Umweltfreundlichere Verkehrsmittel wie das Fahrrad, das Zufußgehen und der ÖPNV haben geringere negative Auswirkungen.“ Fragt sich doch: Welche Umweltbelastungen entstehen durch Fuß und Rad? Der Radentscheid mit seinen fundamentalen  Forderungen findet bei Josef, SPD, keine Erwähnung. Die über 40000 Wahlberechtigten, die unterschrieben haben, sind kein Wort wert – ein politisches Statement des Desinteresses.

Eine neue adäquate Gesamtverkehrsplanung wird nach 15 Jahren,  auch gefordert im letzten Verkehrsausschuß,  nicht angedacht. Ein sehr großer Fehler. Ein wahrliches Demokratiedefizit. Was bitte schön, soll die „Politik“ dann richten? Das Wort „Politik“ erscheint im Heft öfter. Was ist damit eigentlich gemeint??

Dadurch könnte statt der Straßenbahn in Hansaallee und Reuterweg eine irrsinnig teure U-Bahnstrecke für die U4 zwischen Ginnheim und Bockenheimer Warte mit gewünschtem Halt Adorno-Platz kommen. Der Betontunnel würde den Grüneburgpark, den Palmengarten und den Botanischen Garten zerstören, das Wasser abgraben.

Eigentlich wird auf die pflegliche Behandlung der Grüngebiete hingewiesen. Theorie ist das eine, Praxis die Realität.

Da angeblich in Frankfurt eine hohe Biodiversität bei Flora und Fauna herrscht, brauchen Daten nur gesammelt und katalogisiert werden, heißt es im Heft. Da muß ich lachen. Meine regelmäßigen Beobachtungsschwerpunkte im Westend sind Botanischer Garten, Palmengarten und Grüneburgpark. An Insekten, vor allem auch an Schmetterlingen, gibt es Jahr für Jahr auffallend weniger, Falter mal einzelne. Die notwendigen Wildblumen fehlen ja auch für sie in großer Zahl. Es wird systematisch gelogen in dieser Josef-Broschüre.

Die Fotos. Eine Welt des Betons in Fläche und Höhe, der Sterilität, der Hitze, der Bodenversiegelung. Was in der Foto-Bilderwelt glorifiziert wird, ist nicht meine Welt. Das Grün Rollrasen, beim Grünflächenamt sehr beliebt. Bewässerung mit Trinkwasser eingeschlossen. Zwischendurch an mich anheimelndes Atmosphärenbild einer Marktszene. Die Fotos zeigen eine international austauschbare Beton-Architektur, eine Männerperspektive der Altersgruppe bis 50 Jahre, geschätzt. Es ist keine Frauenperspektive in dieser Männerbroschüre. Und erst recht keine Perspektive von Kindern für Kinder, von Jugendlichen für Jugendliche.

Von Bürgerbeteiligung wird zwar im Heft gesprochen. Doch wie steht es denn beispielsweise um die Begrünung des Goetheplatzes mit Rosen und Lavendel? Es kommt nichts trotz BürgerInnenwunsches. Lediglich neues Pflaster und paar innovative Möbel kommen dort hin. Das wars. Vier Jahre nach dem Beschluß! So ist Frankfurt. Schönes wird nicht gemacht.

Bäume. Ich habe sie vergeblich im Heft gesucht. Die Stadtbäume sterben sehr schnell. Im Reuterweg sind es jetzt mehr als zehn, in Griesheim und Gutleut sind es jetzt 33, siehe heutigen blog, im Grüneburgpark sind es jetzt 40. Zu den Bäumen, die mit großen Kronen Schatten spenden, gibt es rein gar nichts, keine Aussage.

Die Klimakatastrophe wird zugegeben: Hitze, mehr Unwetter, Starkregen usw. Doch eine neue Offensive für hohe, großkronige Bäume in Frankfurter Straßen gibt es nicht.

Ach ja, die von Josef und der SPD favorisierten Baugebiete, die absolut klimaschädlich und sehr kritisch zu bewerten sind. Sie werden nicht mit Namen genannt, heißen zum Beispiel „Neuer Stadtteil Frankfurter Nordwesten“, „Mittlerer Norden“. Der Plan ist als Anlage in der Broschüre.

Die „Strategiekarte“ dahinter ist vielleicht interessant, um das von Josef geplante Szenario in den Blick zu bekommen. Ohne Benennung zum Beispiel der Schienenrouten erschließen sich mir die Details aber nicht.

Ob Klima-AktivistInnen Mike Josef wie im Umweltausschuß den Kopf putzen könnten?

Aussagen zum Wohnen für Alle sind sehr kritisch zum bewerten, denn die Fakten zeigen, daß günstige Mietpreise nicht das Ziel sind. Es wird gebaut für Alle, nämlich für die Reichen, die anderen werden vergessen. gb

Link

https://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/vorstellung_frankfurt_2030_integriertes_stadtentwicklungskonzept_18163.html?psid=emi59h8viuklet4bi3r5jgpaa7

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