Dschungelpfad im Birkenwäldchen in Eschersheim

Frankfurt. Auf 40,2 Grad Celsius kletterte am 26. Juli 2019 in diesem Hitzesommer das Thermometer, als ich mich um die Mittagszeit im kleinen Birkenwäldchen in der Anne-Frank-Siedlung auf dem schmalen Pfad durch das dichte Untergehölz unter den fünfzehn Meter hohen, sehr schlanken Bäumen entlang tastete.

Ein Gespräch mit Birgit bei einer Gartenparty paar Tage zuvor war wohl der Auslöser für meinen Besuch des kleinen wilden Wald-Terrains am Rande des Eschersheimer Feldes. Birgit hatte wütend erzählt: „Die haben dieses Jahr so viel Weidenkätzchen abgeschnitten. Sie lagen auf großen Haufen. Dabei sind die Kätzchen für Bienen die erste Nahrung, haben wir schon als Kind gelernt.“ „Darüber habe ich in meinem blog berichtet und Fotos gemacht“, erwiderte ich, „denn das Fällen passierte noch dazu in der Vogelschutzzeit im März.“ Wir hatten also das selbe Urteil, die wir uns vorher nicht kannten, über ein verhängnisvolles Vorgehen der Stadt gegen den Naturschutz.

Hohe Brennesseln, blühend und kräftig grün belaubt, begleiteten mich auf dem getrampelten Weg durch das Wäldchen beidseits sehr dicht. Brombeergestrüpp mit reifen schwarzen Früchten überwucherte die Wildnis mit kräftigen Ranken. An manchen Wegstellen hatte sich Echte Nelkenwurz gut ausgebreitet. Irgendwie hatte die Duchesnea (Potentilla) indica es mit ihren gelben Blüten und roten nach oben stehenden Beeren, die wie Erdbeeren wirken, auch dorthin geschafft.

Manche im März zur Vogelschutzzeit, zur Unzeit, gekappte Weide hatte kräftige neue Äste und große Blätter ausgetrieben. Alles abgesägte Holz war, wie von der Stadt versprochen, kreuz und quer im Wald verblieben, so daß der Dschungel, die Wildnis, sich weiter entwickeln kann.

Das Klima war an dem extremen Hitzetag ein bißchen wie in Südfrankreich, hatte ich den Eindruck, heiß, trocken und vor allem ohne Mücken. Ein Kohlweißling flatterte durch das Gebüsch. Schattige Flecken durch die Baumkronen gab es einige. Doch insgesamt fällt sehr viel Licht, sehr viel harte Sonnenstrahlen bis zum Boden, so daß das Ausdörren des Wäldchens in den jetzigen Trockensommern zu erwarten ist. Noch dazu, wo das nahe Baugebiet demnächst wahrscheinlich zu einer rapiden Grundwasserabsenkung führen könnte.

Einige Vögel waren in dem Terrain unterwegs, Tauben, Rotkehlchen. In einem der beiden hohen Fichten am Rand wurden sogar drei Turmfalken großgezogen.

Die mittelhohe Flora ist von Interesse, weil sie das hoch aufragende, wild gewachsene Birken-Weiden-Wäldchen mit den verhältnismäßig kleinen Baumkronen stabilisieren kann. Holunder und Feldahorn kommen im Untergehölz vor. Ob mehr Baumarten nachwachsen, will ich weiter erkunden. Hohe Walnußbäume stehen am Rand. Der Nordbereich des Wäldchens ist entlang der Fahrstraße deutlich grüner, weil sonnengeschützter. gb

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